Am 26. April 2026 wurde die St. Marien-Andreas-Kirche in Rathenow nach jahrzehntelangen Wiederaufbauarbeiten feierlich neu eingeweiht. Dieses bedeutende Ereignis würdigte die Rückkehr eines Wahrzeichens der Stadt, das im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und im April 1945 durch Brandgranaten vollständig zerstört wurde. Der Wiederaufbau der Kirche, die auf einem kleinen Hügel, dem sogenannten „Kirchberg“, steht, ist nun nach 81 Jahren abgeschlossen. Bischof Christian Stäblein hielt die Predigt bei der Wiedereinweihung, die mit einem Festgottesdienst und einem anschließenden Gemeindefest gefeiert wurde.
Die Ursprünge der Kirche reichen bis ins frühe 13. Jahrhundert zurück, als sie vermutlich im Jahr 1190 als romanische Kreuzbasilika errichtet wurde. Im Laufe der Jahrhunderte erlebte das Gebäude verschiedene Umbauten, darunter die Umwandlung des Chor- und Kirchenschiffs zwischen 1517 und 1562 zu einer spätgotischen Hallenkirche. Teile des Querschiffs blieben erhalten, während der Chor von 1990 bis 1998 in reduzierter Form wiederhergestellt wurde. Der Kirchturm wurde von 1999 bis 2001 rekonstruiert, wobei die Kirchturmspitze 2002 mit einem Lastenhubschrauber aufgesetzt wurde.
Unterstützung durch den Förderkreis
Der Wiederaufbau der St. Marien-Andreas-Kirche wäre ohne die tatkräftige Unterstützung des 1996 gegründeten Förderkreises nicht möglich gewesen. Bis heute sammelte dieser bereits 1,6 Millionen Euro an Spenden, die an die Kirchengemeinde weitergeleitet wurden. Die Gesamtinvestitionen für den Wiederaufbau beliefen sich auf etwa 7,5 Millionen Euro, wobei rund 3,5 Millionen Euro vom Bund und knapp 3,6 Millionen Euro vom Land Brandenburg gefördert wurden. Besonders hervorzuheben ist, dass der Förderkreis die Kosten für das Kreuzgewölbe in der Marienkapelle in Höhe von 40.000 Euro vollständig übernahm.
Die Kirche wird künftig nicht nur für Gottesdienste genutzt, sondern auch für kulturelle Veranstaltungen und Begegnungen zur Verfügung stehen. Sie bietet Platz für 650 Personen und ist somit ein wichtiger sozialer und kultureller Anlaufpunkt für die Gemeinde, die aus 1600 Mitgliedern besteht und auch eine Kita sowie eine Jugendeinrichtung betreibt.
Zukunftsvisionen und kultureller Kontext
Für die Zukunft plant der Förderkreis weitere Projekte, darunter die Anschaffung einer neuen Orgel sowie die Nachschnitzung der barocken Kanzel. Aktuell werden auch Spenden für die Orgel gesammelt, wobei Interessierte eine Patenschaft für eine Orgelpfeife übernehmen können. Diese Initiativen sind Teil eines umfassenden Bestrebens, das kulturelle Erbe der Region zu bewahren und zu fördern.
Die St. Marien-Andreas-Kirche gilt als bedeutendes Beispiel norddeutscher Backsteingotik. Diese Bauweise hat nicht nur architektonische Bedeutung, sondern ist auch ein wichtiger Bestandteil des Stadtmarketings und der Tourismuswerbung in der Region. Historische Backsteinbauten werden oft mit den Kaufleuten der Hanse assoziiert, was in der Denkmalpflege und Geschichtspolitik nach 1989 zunehmend Beachtung fand. Der Wiederaufbau der Kirche ist somit nicht nur ein architektonisches, sondern auch ein kulturelles und historisches Signal für die Stadt Rathenow und darüber hinaus.
Die Geschichte der St. Marien-Andreas-Kirche spiegelt die Herausforderungen und Erfolge wider, die mit dem Wiederaufbau und der Erhaltung des kulturellen Erbes verbunden sind. Sie bleibt ein Ort der Erinnerung und Zusammenkunft für die Gemeinde und ein Zeugnis der Resilienz und der Gemeinschaftsarbeit nach schwierigen Zeiten. Weitere Informationen über die Kirche und ihre Geschichte sind in den Berichten auf n-tv und die-kirche.de nachzulesen.