Wahl von Erich Seifert zum Vorsitzenden des Bürgervereins Findorff sorgt für Diskussionen
In Findorff, einem Stadtteil von Bremen, hat die Wahl von Erich Seifert zum Vorsitzenden des Bürgervereins für reichlich Gesprächsstoff gesorgt. Die Mitgliedschaft des neuen Vorsitzenden in der AfD und seine Verbindungen zu Pegida stehen im Mittelpunkt der Diskussionen. Seifert selbst sieht sich als Pragmatiker und betont, dass seine Reden bei Pegida differenziert waren. Er stellt klar, dass die Beschlüsse des Vereins im Vorstand gemeinsam abgestimmt werden und somit kein Raum für Alleingänge bleibt.
Einige Vorstandsmitglieder, darunter Daniel Sokolis und Lars-Ferdinand Krickow, haben sich hinter Seifert gestellt. Sie versichern, dass er keinerlei extremistische oder rechtspopulistische Ansichten vertrete. Auf dem Findorffmarkt äußerte sich auch Stefan Dilbat, der Beiratsmitglied ist, zu den Irritationen, die die Wahl ausgelöst hat. Bei verschiedenen Gelegenheiten wurde die Wahl von Seifert diskutiert, und es gab Bedenken, dass die Bekanntmachung des Wahltermins nicht transparent genug war. Birgit Busch, die scheidende Vorsitzende, wies jedoch entschieden zurück, dass die Wahlen hinter verschlossenen Türen stattfanden.
Ein Blick in die Vergangenheit
Seiferts politische Karriere ist nicht zu übersehen. 2013 war er Mitbegründer des Bremer AfD-Landesverbands und war sogar stellvertretender Landesvorsitzender sowie Direktkandidat bei der Bundestagswahl. Doch 2014 trennte er sich von der AfD und kritisierte die Partei in seiner Austrittserklärung scharf. Seine Verbindung zu Pegida und dem Bremer Ableger „Bregida“ wurde ebenfalls thematisiert. Bei Pegida-Kundgebungen trat er als Gastredner auf, was ihm in der aktuellen Diskussion nicht gerade Sympathiepunkte einbringt. Ironischerweise bezeichnet er seine Reden bei Pegida als nicht radikal genug für die Veranstalter.
In der Mai-Ausgabe des Magazins „Findorff“ wurde der Wahltermin bekannt gegeben, was einigen Mitgliedern nicht ausreichte, um sich sicher zu fühlen. Dennoch zeigt der neue Vorstand Ambitionen, die Vereinsprozesse zu digitalisieren, um vor allem jüngere Generationen anzusprechen. In Zeiten, in denen die Vereinsdichte in Deutschland stetig steigt, könnte dieser Schritt bedeutend sein. Laut aktuellen Zahlen gab es 2022 rund 616.000 eingetragene Vereine in Deutschland, und die Vereinsdichte stieg von 160 auf 740 Vereine je 100.000 Einwohner zwischen 1960 und 2021.
Zivilgesellschaftliches Engagement und Vereinsleben
In Deutschland sind viele Organisationen aktiv, die das Zivilengagement repräsentieren. Dazu zählen nicht nur Vereine, sondern auch Verbände, Stiftungen und Bürgerinitiativen. Die Zahl der eingetragenen Vereine ist in den letzten Jahrzehnten explodiert, auch wenn die Neueintragungen in den letzten Jahren abgenommen haben. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Zunahme von Stiftungen wider, die als wichtige Träger des Engagements fungieren.
Mit 25.777 rechtsfähigen Stiftungen bürgerlichen Rechts Ende 2023 ist der Sektor lebendig, jedoch gibt es signifikante Unterschiede zwischen den Regionen. So haben beispielsweise die ostdeutschen Bundesländer einen niedrigeren Anteil an Stiftungen im Vergleich zu ihren westdeutschen Pendants. Auch die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit dieser Regionen spielt eine Rolle, wenn es um die Dichte der Stiftungen geht. In Bremen gab es im Jahr 2023 eine Stiftungsdichte von 51 Stiftungen je 100.000 Einwohner.
Ob die Wahl von Seifert nun eine positive Wende für den Bürgerverein in Findorff darstellt, bleibt abzuwarten. Die nächsten Schritte des neuen Vorstands werden entscheidend dafür sein, wie sich das Vereinsleben in Zukunft entwickeln wird. Die Herausforderungen sind groß, doch die Ambitionen sind es auch.
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