In der malerischen Bremer Neustadt, genauer gesagt in Hemelingen, hat sich ein junger Uhrmacher aufgemacht, seine Leidenschaft für das Handwerk neu zu entfachen. Jonas Thiel, so der Name des kreativen Kopfes, hat seine Werkstatt in einem ehemaligen Büro des Wurst Case eingerichtet. Hier entstehen aus alten Maschinen, die er liebevoll aufgearbeitet hat, eigene Armbanduhren. Es ist ein seltener Anblick: der Uhrmacherberuf gilt in Deutschland als bedroht, und nur wenige wagen es, diesen traditionellen Weg einzuschlagen. Doch Thiel verfolgt mit Herzblut und einer gehörigen Portion Idealismus sein Projekt, das er als langfristige Herausforderung sieht, wie er in einem Interview erklärt (Weser-Kurier).
Die Leidenschaft für Uhren entdeckte Thiel durch ein Geschenk zu seinem 18. Geburtstag. Nach einer dreijährigen Ausbildung in Hamburg, die mit einem Gesellenbrief endete, hat er sich nun dem Handwerk verschrieben, das in vielen Städten kaum noch zu finden ist. Während seiner Ausbildung nahm er sogar an einem Schüleraustausch in Dänemark teil, wo er das Skelettieren von Uhren erlernte. Diese Fähigkeiten kommen ihm nun zugute, wenn er plant, Taschenuhrwerke der Marke Unitas zu verkleinern, um sie als Armbanduhr zu verwenden. Mit acht Spenderwerken im Gepäck, die er erwartet, mindestens drei zu zerstören, ist das keine einfache Aufgabe.
Das Uhrmacherhandwerk und seine Herausforderungen
Das Uhrmacherhandwerk in Deutschland ist ein anerkannter Ausbildungsberuf, der in einem dualen System oder in Vollzeitausbildung erlernt werden kann. Die Ausbildung dauert drei Jahre und endet mit dem Gesellenbrief. Thiel selbst hat die duale Ausbildung durchlaufen, bei der er frühzeitig mit Kundenuhren gearbeitet hat. Das verantwortungsvolle Handwerk erfordert nicht nur Geschick, sondern auch ein tiefes Verständnis für die Mechanik und die Wertigkeit von Uhren. In der Ausbildung werden Auszubildende dazu angehalten, handwerkliche Grundfertigkeiten zu erlernen, bis hin zu komplexen Reparaturarbeiten. Die Hessische Uhrmacherschule bietet Fortbildungslehrgänge an, um auf die Meisterprüfung vorzubereiten, die nach 3-5 Jahren Gesellentätigkeit abgelegt werden kann (Hessische Uhrmacherschule).
In Thiels Werkstatt kommen alte Maschinen zum Einsatz, die in der modernen Industrie oft belächelt werden. Eine Graviermaschine von Deckel und eine Präzisionswerkzeugmaschine von Sixis stehen ihm zur Verfügung, sowie ein Vermessungsinstrument des japanischen Herstellers Mitutoyo. Die Technik ist zwar alt, aber für Thiel ist sie Teil der Kunst, die er erschaffen möchte. Trotz der Herausforderungen, die mit der Herstellung von handgefertigten Uhren verbunden sind – er schätzt, dass sich sein Projekt finanziell bestenfalls als Nullnummer erweisen wird – ist es ihm wichtig, etwas zu schaffen und zu lernen. Der Umzug nach Bremen war für ihn und seine Freundin auch eine Möglichkeit, der schwierigen Wohnungssituation in Hamburg zu entkommen.
Das Handwerk der Uhrmacher ist mehr als nur ein Beruf; es ist eine Leidenschaft, die in jedem einzelnen Werkstück steckt. Jonas Thiel zeigt, dass es auch heute noch Menschen gibt, die bereit sind, das Risiko einzugehen und das alte Handwerk am Leben zu erhalten. Auch wenn die Zukunft ungewiss ist, bleibt die Faszination für Uhren und die Kunst des Uhrmachers bestehen. Und das ist vielleicht das Wichtigste – das Streben nach Wissen und die Liebe zum Detail.