Heute ist der 14.05.2026 und in Bremen brodelt es in der Bildungspolitik. Der Lehrermangel, der die Stadt seit Jahren beschäftigt, hat erneut für Gesprächsstoff gesorgt. Die Suche nach Lehrkräften bleibt eine Herausforderung, und die Situation hat sich für viele Referendar:innen dramatisch verändert. Seit 2023 werden deutlich mehr Referendar:innen ausgebildet, mit einer jährlichen Zahl zwischen 230 und 250. Doch die vermeintlich sichere Übernahme in ein Beamtenverhältnis, die bis vor Kurzem als nahezu garantiert galt, steht nun auf der Kippe. Ein Schock für viele, die ihre Zukunft in der Bremer Bildungslandschaft planten.
Ende April 2023, während einer Online-Veranstaltung, erfuhren die Referendar:innen, dass die Übernahme nicht mehr gewährleistet ist. Dies kam für einige überraschend, da die Bewerbungsfrist für Niedersachsen bereits abgelaufen war. „Ich habe nicht mit dieser Entscheidung gerechnet und deshalb keine Bewerbung in Niedersachsen eingereicht“, äußerte eine betroffene Person. Die Sprecherin der Bremer Bildungsbehörde, Patricia Brandt, räumte ein, dass der aktuelle Jahrgang nicht auf die veränderte Situation vorbereitet wurde. Von den 234 ausgebildeten Referendar:innen werden schätzungsweise etwa 150 in Bremen eingestellt, während der Rest gute Chancen auf eine Anstellung in Bremerhaven hat, wo der Lehrkräftemangel besonders ausgeprägt ist.
Ein Paradigmenwechsel?
Bremerhaven ist derzeit ein Hotspot für die Lehrerausbildung, mit 57 Personen des Jahrgangs, die ihre Ausbildung dort absolvieren. Zusätzlich wird ein neuer Vertretungspool aufgebaut, um die dringend benötigten Lehrkräfte zu gewinnen. Die Stellenvergabe nach Noten bleibt eine verfassungsgesetzliche Vorgabe, die auch in der Vergangenheit schon angewendet wurde. Doch die Unsicherheit bleibt: Für die Referendar:innen, die im August 2025 und Februar 2026 eingestellt werden, gibt es ebenfalls keine Übernahmegarantie. Quereinsteiger:innen ohne erstes Staatsexamen sind von dieser Regelung nicht betroffen.
Brandt sprach von einem Paradigmenwechsel, der angestrebt wird – hin zu einer „zunehmenden Vollversorgung“ der Schulen, mit Mangel nur in bestimmten Fächern und Randlagen. Doch die Realität sieht anders aus: Schulleitungen und Bedienstete fordern den Bildungssenator Marc Rackles (SPD) auf, die akuten Missstände zu beheben. Besonders kritisiert werden die personellen Unterausstattungen in Inklusionsklassen und gravierende Missstände in der Personalplanung und den Vertretungsfällen. Viele Schulen sind unklar über die Personalplanung, was die Belastung der Kollegien zusätzlich erhöht. Die Frage, wie es weitergeht, bleibt im Raum stehen – und das nicht nur für die Referendar:innen.
Ein Blick in die Zukunft
Die Entwicklungen in Bremen sind nicht nur eine lokale Angelegenheit, sondern werfen ein Schlaglicht auf die Herausforderungen, mit denen Bildungseinrichtungen in ganz Deutschland konfrontiert sind. Die Unsicherheit, die die neuen Regelungen mit sich bringen, könnte auch langfristige Auswirkungen auf die Attraktivität des Lehrerberufs haben. Es bleibt abzuwarten, wie die Bremer Bildungsbehörde auf die Kritik reagieren wird und ob es gelingt, den Lehrkräftemangel nachhaltig zu beheben. Die Situation ist angespannt, und die Notwendigkeit für Lösungen drängt, während die Schulen und die dort arbeitenden Lehrkräfte unter dem Druck der Umstände leiden.