In Bardowick, einem kleinen Ort bei Lüneburg, wird in einer historischen Mühle das Mahlen als Handwerkskunst zelebriert. Die Mühle ist nicht nur ein Relikt der Vergangenheit, sondern ein lebendiger Ort, an dem täglich zwei bis drei Tonnen Getreide verarbeitet werden. Das Besondere? Die Mühle nutzt sowohl elektrische Energie als auch Windkraft, um die alten Maschinen in Bewegung zu setzen. Betreiber Eckhard Meyer merkt an, dass die Nachfrage nach regionalen Produkten und traditionell gemahlenem Mehl spürbar steigt. Immer mehr Menschen wollen keine Industrieware mehr kaufen, sondern selbst backen – und das freut die Mühlenbetriebe.

Die Mühle, die 1813 erbaut wurde, ist im Familienbesitz und wird in der siebten Generation von Meyers Sohn Juro weitergeführt, der gerade seine Meisterprüfung bestanden hat. Die Familie diskutiert sogar den Aufbau einer zweiten historischen Mühle aus Wiesmoor in Ostfriesland, die derzeit in Einzelteilen lagert. Eine spannende Perspektive, die zeigt, wie lebendig und zukunftsorientiert die alte Handwerkskunst bleibt. Das belebt auch die Tradition, denn in Deutschland gibt es nur noch fünf gewerblich betriebene Windmühlen – ein drastischer Rückgang im Vergleich zu früher, als es einmal 15.000 waren.

Das Mühlenfest und der Deutsche Mühlentag

Am kommenden Montag wird in Bardowick ein großes Mühlenfest gefeiert, bei dem etwa 5.000 Besucher erwartet werden. Neben dem Mahlen von Getreide durch die Kinder gibt es auch Attraktionen wie das Pflügen mit Pferden. Das Internationale Mühlenmuseum in Gifhorn, das Teil der Niedersächsischen Mühlenstraße ist, veranstaltet an diesem Tag spezielle Aktionen, darunter Mahlvorführungen und die Möglichkeit, Mehl per Hand zu mahlen. Ein echtes Erlebnis für Groß und Klein!

Der Deutsche Mühlentag, der seit 1994 gefeiert wird, öffnet am Pfingstmontag die Türen von rund 650 historischen Mühlen in ganz Deutschland. Organisiert von der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung (DGM) e.V. und ihren Landesverbänden, zeigt dieser Tag die Vielfalt der Mühlen – sei es Wind-, Wasser-, Dampf- oder Motormühlen. Die Flügel und Wasserräder drehen sich, während Mühlenbetreiber den Besuchern das alte Müllerhandwerk näherbringen. Es gibt Führungen, Musik und kulinarische Köstlichkeiten, die das kulturelle Angebot abrunden.

Ein Ort der Tradition und Innovation

Wie wichtig die regionale Versorgung mit Lebensmitteln geworden ist, zeigen nicht nur die steigenden Besucherzahlen, sondern auch der spürbare Trend zum Selbstbacken, der seit der Corona-Zeit an Bedeutung gewonnen hat. Mühlen sind nicht nur Orte der Produktion, sondern auch Treffpunkte für Austausch, Feiern und Weiterbildung. Das DGM-Logo und die Wort-Bild-Marke „Deutscher Mühlentag“ sind geschützt, um die Qualität und den Wert dieser Tradition zu wahren. Die zentrale Eröffnungsveranstaltung wird jedes Jahr von einem Landes- oder Regionalverband der DGM ausgerichtet, oft unter der Schirmherrschaft des jeweiligen Ministerpräsidenten oder der Ministerpräsidentin.

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So wird immer wieder deutlich: Die Mühlen sind mehr als nur Maschinen zur Mehlproduktion. Sie sind ein Stück Kulturgeschichte, die durch Veranstaltungen wie den Deutschen Mühlentag ins öffentliche Bewusstsein gerückt wird. Ein Ort, an dem Tradition und Innovation Hand in Hand gehen, und der uns zeigt, wie wichtig es ist, die Wurzeln unserer Lebensmittel zu kennen und zu schätzen. Vielleicht ist das der Grund, warum die Menschen sich so sehr für die Mühlen interessieren – und warum sie sich darauf freuen, am Mühlenfest in Bardowick teilzunehmen.