In der kleinen Stadt Osterholz-Scharmbeck hat die Dauerausstellung „Grenzen überwinden“ an den Berufsbildenden Schulen (BBS) Einblicke in die Lebensgeschichten von geflüchteten Jugendlichen gegeben. Hier erzählen Schülerinnen, Schüler und Lehrer von ihren Erfahrungen mit Flucht, Migration und dem Überwinden von Vorurteilen. Es geht um Themen wie Krieg, Angst, Freundschaft und Alltagsrassismus, die nicht nur die Betroffenen, sondern auch die Schulgemeinschaft direkt ansprechen. Die Initiatoren Andrea Wintjen und Daniel Kunstmann haben es sich zur Aufgabe gemacht, das Motto „Wir sind weltoffen“ nicht nur zu verkünden, sondern erlebbar zu machen.

Die Ausstellung umfasst 14 verschiedene Fluchterfahrungen, die von 13 Schülerinnen und Schülern sowie einem Lehrer präsentiert werden. Besonders eindrucksvoll ist die Geschichte von A. L., einem 25-jährigen Schüler aus dem Irak, der von den traumatischen Erlebnissen seiner Flucht erzählt. Auch A. F., ein 22-jähriger Schüler aus Afghanistan, berichtet von seiner Zeit im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos. Beide haben ihre Ausbildung zum Kraftfahrzeugmechatroniker begonnen und teilen den Wunsch nach einer positiven Veränderung in der Wahrnehmung von Geflüchteten. A. F. hebt hervor, dass niemand seine Heimat grundlos verlässt, und beschreibt seine Erfahrungen mit Rassismus in Deutschland.

Persönliche Schicksale und gesellschaftliche Herausforderungen

Lehrer Fatih El-Khatib, selbst aus Jordanien geflohen, spricht über die Herausforderungen, die mit Migration und Rassismus einhergehen. Die Ausstellung zeigt, dass Integration nicht nur eine Frage des Willens ist, sondern auch von bürokratischen Hürden abhängt, die viele geflüchtete Menschen überwinden müssen. A. und L. berichten von ihren Schwierigkeiten, sich in Deutschland zu integrieren, und den bürokratischen Hürden, die es zu meistern gilt. Während sie von ihren Träumen erzählen – L. möchte eines Tages ein BMW-Autohaus besitzen und A. will mit ihm zusammenarbeiten – wird klar, wie wichtig es ist, dass die Gesellschaft die richtigen Rahmenbedingungen für eine gelungene Integration schafft.

Doch die Realität in Deutschland ist komplex. Laut der UNO Flüchtlingshilfe hängen Straftaten oft mit sozialen Bedingungen, Perspektivlosigkeit und nicht mit der Herkunft zusammen. Verzerrungen in der Wahrnehmung und der Kriminalstatistik können Vorurteile verstärken. Im Jahr 2025 wurden in Deutschland 2.054.855 Tatverdächtige erfasst, darunter 297.401 Zuwanderinnen. Dies bedeutet, dass Zuwanderinnen 14,5 % aller Tatverdächtigen ausmachten, obwohl sie oft unterrepräsentiert sind, wenn es um die tatsächliche Kriminalitätsrate geht.

Integration als Schlüssel zur Verringerung von Kriminalität

Forschung zeigt, dass Armut und mangelnde Bildungsteilnahme kriminalitätsfördernd sind. Zuwander*innen sind überproportional von Armut betroffen und haben oft eingeschränkten Zugang zu Bildung und Arbeitsmarkt. Das könnte erklären, warum einige von ihnen straffällig werden. Die Bundeszentrale für politische Bildung weist darauf hin, dass ein kleiner Teil der Migrantinnen und Migranten straffällig ist, aber sie insgesamt eine höhere Kriminalitätsrate aufweisen als Einheimische. Oft sind belastende Lebensumstände, wie das Leben in Gemeinschaftsunterkünften oder soziale Isolation, mitverantwortlich für diese Entwicklung.

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Ein weiterer Aspekt sind die Lebensbedingungen, unter denen viele Geflüchtete leben. Massenunterkünfte können gewalttätiges Verhalten begünstigen, während Aufenthaltsberechtigung und Arbeitserlaubnis den Weg zu einer stabilen Zukunft ebnen können. Die Herausforderungen, vor denen geflüchtete Menschen stehen, sind also nicht nur individueller Natur, sondern auch das Resultat gesellschaftlicher Strukturen.

Die Geschichten der Schülerinnen, Schüler und Lehrer an den BBS Osterholz-Scharmbeck sind nicht nur Berichte über die Flucht, sondern auch ein eindringlicher Appell an die Gesellschaft. Es ist an der Zeit, Vorurteile abzubauen und das Verständnis für die Erlebnisse von geflüchteten Menschen zu fördern. Die Ausstellung „Grenzen überwinden“ ist ein Schritt in diese Richtung – ein Schritt, der hoffentlich viele Menschen inspiriert, sich für eine offene und inklusive Gesellschaft einzusetzen.

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