In Walle, einem Stadtteil von Bremen, steht ein großer Wandel bevor. Pastorin Sabine Kurth, die die Gemeinde seit 31 Jahren prägte, verabschiedet sich vorzeitig. Der Grund? Ein ganz persönlicher: Sie möchte mehr Zeit für ihre Familie haben. Am 21. Juni wird sie mit einem Abschiedsgottesdienst in der Waller Kirche offiziell von der Gemeinde verabschiedet. Dieser Gottesdienst, zusammen mit einem Sommerfest, findet um 16 Uhr in der Lange Reihe 79 statt und verspricht, ein emotionaler Höhepunkt zu werden.

Kurth, die 1995 als Aushilfe in Walle begann und 1998 zur Pastorin gewählt wurde, hinterlässt eine bemerkenswerte Spur in der Gemeinde. Ihre Amtszeit war nicht nur von schönen Momenten geprägt, sondern auch von großen Herausforderungen. Besonders die Missbrauchsfälle im Kinderhaus „Schnecke“ im Jahr 2002 haben ihre Spuren hinterlassen und führten zu einem Gerichtsverfahren. Doch Kurth zeigte sich in Krisenzeiten stark und engagiert. Die Fusionen mit der Immanuel-Gemeinde im Jahr 2007 und die bevorstehende Gründung der Evangelischen Mirjam-Gemeinde im Jahr 2025 sind nur einige ihrer bedeutenden Initiativen. Gemeinsam mit anderen Gemeinden wird eine neue Ära eingeläutet, die die traditionellen Kirchgebäude wie das Begegnungszentrum am Doventorsteinweg und das Gemeindehaus in der Elisabethstraße einbezieht.

Ein Leben voller Engagement

Es sind nicht nur die Fusionen und Veranstaltungen wie die Konfirmanden-Segeltörns, die Kurths Zeit in Walle geprägt haben. Auch der Deutsche Evangelische Kirchentag 2009 in Bremen war ein Meilenstein ihrer Amtszeit. Die Menschen in Walle beschrieb sie stets als ihr persönliches Highlight – ein Zeichen dafür, wie gut sie in die Gemeinschaft integriert war. Ihr Engagement, die Hilfsbereitschaft der Gemeinde und die emotionalen Momente, die sie erlebte, werden vielen noch lange in Erinnerung bleiben.

Doch nicht nur für die Gemeinde Walle wird ihr Rücktritt ein Umbruch sein. Auch in der breiteren evangelischen Kirche sind Themen wie Missbrauch und Prävention von großer Bedeutung. Eine aktuelle Studie, die im Januar 2024 in Hannover vorgestellt wurde, zeigt, dass in der evangelischen Kirche mindestens 2.225 Betroffene und 1.259 Beschuldigte von sexualisierter Gewalt gezählt wurden. Es wird gefordert, dass die Kirche entschlossener handelt und umfassendere Maßnahmen zur Aufarbeitung ergreift. Ab 2026 sollen bundesweit einheitliche Anerkennungsleistungen für Betroffene in der evangelischen Kirche und Diakonie eingeführt werden, wobei die Höhe der Zahlungen künftig auch nach Spätfolgen von Missbrauch bemessen wird.

Die Herausforderungen, denen sich die evangelische Kirche gegenübersieht, sind also vielfältig. Während Pastorin Kurth sich nun auf ihre Familie konzentrieren möchte, bleibt die Frage, wie die Kirche als Institution auf diese Themen reagiert. Die neuen Strukturen, die durch die Fusionen entstehen, könnten dabei eine Rolle spielen. Vielleicht wird die Waller Gemeinde unter neuer Leitung in der Lage sein, frischen Wind in die evangelische Kirche zu bringen und alte Wunden zu heilen.

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