In den letzten Monaten hat der Bezirk Hamburg-Bergedorf eine alarmierende Zunahme an rechten und rechtsextremistischen Vorfällen verzeichnet. Laut einer Senatsantwort auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion wurden seit Januar 2025 insgesamt 129 solcher Vorfälle erfasst. Dazu gehören nicht nur die berüchtigten Hitlergrüße und NS-Graffiti, sondern auch Bedrohungen. Die Daten stammen von der Hamburger Hinweisstelle für antisemitische, rassistische und rechte Vorfälle sowie der Polizei. In 44 Fällen konnten Tatverdächtige identifiziert werden, was insgesamt 49 Beschuldigte ergibt. Bergedorf hat sich somit als ein Aktionsschwerpunkt junger Neonazis etabliert.
Besonders besorgniserregend ist das offensive Auftreten rechter Gruppen, das insbesondere unter jungen Menschen beobachtet wird. Ein mobiles Beratungsteam gegen Rechtsextremismus bezeichnet Bergedorf als „Aktionsschwerpunkt junger Neonazis“. Der Senat nennt Treffpunkte dieser Gruppen, darunter der Schlosspark, der Bergedorfer Bahnhof und das City Center. Die Polizei hat seit Sommer 2024 bereits zwölf Platzverweise und sechs Aufenthaltsverbote durchgesetzt. Die Linksfraktion fordert daher einen „Masterplan gegen Rassismus und Faschismus“ für die Region. Im Jahr 2025 wurden der Polizei fast 300 Fälle rechter Gewalt mehr als im Vorjahr gemeldet, was die Situation noch erschreckender macht. Mehr dazu gibt’s in einem Artikel auf NDR.
Linksextremistische Aktivitäten nehmen zu
Doch nicht nur die rechten Vorfälle sorgen für Gesprächsstoff. In den letzten Wochen gibt es auch eine Zunahme linksextremistischer Straftaten in Bergedorf. Besonders betroffen sind die Stadtteile Bergedorf-West und Lohbrügge. Vandalismus und Angriffe auf politische Akteure sind an der Tagesordnung. Wahlkampfstände werden blockiert, und es werden Demonstrationen organisiert, um politische Gegner zu stören. Anti-AfD-Flyer, die Desinformation verbreiten sollen, werden ebenfalls verteilt. Körperliche Angriffe auf Politiker sowie Beschädigungen von Häusern und Autos politischer Akteure sind ebenfalls gemeldet worden. Ein Hochhaus im Friedrich-Frank-Bogen wurde mit dem Schriftzug „Böller auf Bullen! Hass auf den Staat“ besprüht, was die gewaltsame Rhetorik der Szene unterstreicht.
Es drängt sich die Frage auf, ob sich eine neue linksextreme Szene in Bergedorf etabliert hat. Laut Hamburger Verfassungsschutz hat sich die linksextreme Szene nach dem G20-Gipfel verändert und versucht, gesellschaftliches Engagement für Radikalisierung zu nutzen. Die Fallzahlen der politisch motivierten Kriminalität (PMK) im linken Spektrum zeigen einen Schwank: 2020 waren es 12 Fälle, 2021 stiegen sie auf 14, fielen dann wieder auf 12 im Jahr 2022 und so weiter. Im Jahr 2025, Stand 1. April, sind es bisher nur zwei Fälle. Die Gewaltkriminalität blieb dabei weitestgehend stabil. Die Behörde für Inneres und Sport hat zur politisch motivierten Kriminalität umfassende Informationen bereitgestellt. Weitere Details zur Entwicklung finden sich in einem Artikel auf bv-hh.
Ein Blick auf die Gesamtzahlen
Die Situation in Bergedorf spiegelt leider einen besorgniserregenden Trend wider, der sich über ganz Deutschland erstreckt. Eine Veröffentlichung von Statista vom 10. Juni 2025 zeigt, dass die Anzahl der politisch motivierten Straftaten mit rechts- und linksextremistischem Hintergrund im Jahr 2024 signifikant gestiegen ist. Diese Entwicklungen sind ein eindrückliches Zeichen dafür, dass die gesellschaftliche Polarisierung in den letzten Jahren zugenommen hat. Die Daten können unter Statista abgerufen werden.