In diesem Jahr haben die Zimmermanns, Gabriele und Sven, eine herausfordernde Zeit durchlebt. Gabriele, die auf einen Rollstuhl angewiesen ist, lebt im Hartmannstift-Quartier in Vegesack. Das klingt nach einem gemütlichen Ort, aber die Realität sieht ganz anders aus. Sie kann die Haus- und Wohnungstüren nicht ohne fremde Hilfe öffnen, was nicht nur ihre Mobilität, sondern auch ihre Gesundheit stark belastet. Es ist schon beängstigend zu wissen, dass man im Notfall nicht allein aus der Wohnung kommen kann. Ein Umstand, der Gabriele sehr zu schaffen macht.

Die Situation wurde noch tragischer, als ihr geliebter Hund starb, weil sie ihn nicht zum Tierarzt bringen konnte, während ihr Mann Sven bei der Arbeit war. Ein schwerer Schlag für die beiden, die ohnehin schon mit gesundheitlichen Problemen kämpfen. Gabriele leidet unter Depressionen und körperlichen Beschwerden, die sich aus ihrer aktuellen Lage ergeben. Sven hingegen hat im Jahr 2022 einen Burn-out erlebt und fühlt sich durch all die Herausforderungen, die sie bewältigen müssen, zusätzlich belastet. Es ist, als würde ein Schatten über ihrem Alltag liegen.

Ein Versprechen, das gebrochen wurde

Die Suche nach einer geeigneten Wohnung war für die Zimmermanns alles andere als einfach. Vier Jahre lang suchten sie nach einer rollstuhlgerechten Unterkunft, nachdem ihre alte Wohnung wegen Eigenbedarfs gekündigt wurde. Bei der Besichtigung ihrer neuen Wohnung wurde ihnen versichert, dass die Türen nachjustiert werden würden. Aber was passierte? Nichts! Der Eigentümer beruft sich auf sein Brandschutzkonzept und lehnt die notwendigen Anpassungen ab. Das ist nicht nur frustrierend, sondern lässt auch die Frage aufkommen: Wie kann es sein, dass die Bedürfnisse von Menschen mit Einschränkungen so wenig Beachtung finden?

Die KM Immobilien GmbH, die für die Verwaltung des Gebäudes zuständig ist, äußert sich nicht zu individuellen Mietverhältnissen, betont jedoch, dass eine Nachrüstung einzelner Wohnungen grundsätzlich möglich sei. Es bleibt zu hoffen, dass Gabriele und Sven eine Lösung finden, sei es durch den Vermieter oder durch Unterstützung von ihrer Krankenkasse für eine elektrische Türöffnung. Der Druck, der auf ihnen lastet, ist enorm.

Der Mangel an barrierefreiem Wohnraum

In Deutschland gibt es ein eklatantes Problem: den Mangel an barrierefreiem Wohnraum. Laut DIN 18040-2 sind klare Regelungen für die barrierefreie Planung und Ausführung von Wohnungen festgelegt. Doch in der Praxis sieht es oft anders aus. Die Norm unterscheidet zwischen „barrierefrei nutzbaren Wohnungen“ und „barrierefrei und uneingeschränkt mit dem Rollstuhl nutzbaren Wohnungen“. Es ist nicht nur eine Frage des Komforts, sondern auch der Sicherheit. Schließlich müssen in Gebäuden mit mehr als zwei Wohnungen die Wohnungen eines Geschosses barrierefrei erreichbar sein, so sieht es § 50 Absatz 1 der Musterbauordnung vor.

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Die Realität zeigt jedoch, dass es oft an der Umsetzung hapert. Die Bauordnungen der Länder legen fest, wie viele barrierefrei nutzbare Wohnungen in einem Wohngebäude vorhanden sein müssen, doch die Unterschiede sind teils erheblich. Der Weg zu einem wirklich barrierefreien Wohnraum ist also noch lang und steinig. Die Zimmermanns sind nur eines von vielen Paaren, die unter diesen Bedingungen leiden müssen.

Eine mögliche Lösung könnte die Unterstützung durch die KfW sein, die Fördermittel für die Reduzierung von Barrieren und den altersgerechten Umbau in bestehenden Immobilien bereitstellt. Es bleibt zu hoffen, dass solche Initiativen in Zukunft mehr Menschen erreichen und dass die Zimmermanns bald in einer Wohnung leben können, die ihren Bedürfnissen gerecht wird.