Im Landkreis Gießen tut sich etwas Bemerkenswertes: Ab Anfang Mai gilt hier ein Nachtfahrverbot für Mähroboter! Ja, richtig gehört. Die kleinen Helfer, die bei vielen Gartenbesitzern beliebt sind, müssen von 30 Minuten vor Sonnenuntergang bis 30 Minuten nach Sonnenaufgang in ihrer Station bleiben. Das betrifft alle Städte und Gemeinden im Kreis, außer natürlich der Stadt Gießen selbst. Eine Premiere in Hessen, denn Gießen ist der erste Kreis, der eine solche Regelung einführt. Ein ähnliches Verbot gibt es bereits seit Ende letzten Jahres in der Stadt Marburg.
Der Grund für diese Maßnahme ist ebenso einfach wie wichtig: Der Schutz von Igeln und anderen Wildtieren. Diese kleinen, stachligen Geschöpfe sind durch Mähroboter gefährdet. Komischerweise flüchten sie nicht vor den Geräten, sondern rollen sich zusammen, wenn sie Gefahr wittern. Das kann zu schweren Verletzungen führen. Im Bundesnaturschutzgesetz sind Igel als besonders geschützt eingestuft – und das zu Recht! Auch andere geschützte Arten wie Kröten, Molche und Salamander sind von der Regelung betroffen. Eine dänische Studie aus dem Jahr 2023 hat ergeben, dass Mähroboter Igel nicht als Hindernis wahrnehmen können. Ein Umstand, der einem das Herz schwer macht.
Aufklärung und erste Schritte
Um das Verbot durchzusetzen, plant der Landkreis Gießen zunächst Aufklärung. Bei Verstößen wird der Dialog mit den Gartenbesitzern gesucht, bevor es zu einem Ordnungswidrigkeitenverfahren kommt. Tagsüber dürfen die Mähroboter jedoch wie gewohnt ihren Dienst tun. Das klingt nach einem vernünftigen ersten Schritt, um das Bewusstsein für den Schutz von Igeln zu schärfen.
Die Forderung nach einem Nachtfahrverbot für Mähroboter wurde bereits lange diskutiert. Wie wir wissen, sind Igel vor allem nachts und in der Dämmerung aktiv. Kai-Lukas Bentz vom Nabu NRW-Projekt „Mehr Artenvielfalt in NRW“ hat darauf hingewiesen, dass der Konflikt zwischen Mährobotern und Igeln durch einfaches Umdenken vermieden werden könnte. Die Hersteller könnten ihre Geräte so programmieren, dass sie nachts nicht betrieben werden können. Eine einfache technische Lösung, die viel bewirken könnte!
Der Schutz der Artenvielfalt
Die Situation ist alarmierend. Laut der Weltnaturschutzunion IUCN sind die Bestände der Igel in Deutschland zurückgegangen, und sie stehen seit zwei Jahren auf der internationalen Roten Liste als potenziell gefährdete Art. Das Artensterben in Deutschland betrifft nicht nur die Igel, sondern viele Tierarten. Gartenbesitzer können ihren Teil zur Unterstützung der Igel und der Biodiversität beitragen. Laubhaufen, große Steine oder dichte Büsche bieten Unterschlupf. Selbstgebaute oder gekaufte Igelhäuser sind ebenfalls eine tolle Möglichkeit, ganz einfach einen kleinen Rückzugsort zu schaffen.
Ein kostenloser Igel-Ratgeber zur Schaffung eines sicheren Lebensraums im Garten könnte dabei helfen – eine großartige Initiative, die sicherlich viele Gartenliebhaber ansprechen wird. Und die Petition für ein Nachtfahrverbot, die bereits über 67.000 Unterschriften gesammelt hat, zeigt, dass das Bewusstsein für den Schutz unserer heimischen Wildtiere wächst.
Der Landkreis Gießen mit seiner neuen Regelung setzt ein Zeichen und könnte Vorreiter für andere Regionen werden. Es bleibt spannend, zu sehen, wie sich diese Entwicklung weiter entfaltet und ob andere Landkreise folgen werden. Für die Igel und die anderen Geschöpfe unserer Natur ist das eine hoffnungsvolle Wendung.
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