In Gießen, einer Stadt, die man eher mit beschaulichem Leben verbindet, passiert gerade etwas, das die Gemüter erhitzt. Seit Oktober häufen sich die Schusswaffenangriffe im öffentlichen Raum. Vor wenigen Tagen, am Sonntagabend, wurden zwei Männer am Lindenplatz schwer verletzt. Die Polizei hat daraufhin vier Tatverdächtige in Untersuchungshaft genommen. Sie müssen sich wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verantworten. Das ist kein Einzelfall – seit Oktober gab es bereits vier solcher Vorfälle.
Die Vorfälle sind alles andere als harmlos. Im April wurden Schüsse auf ein Café in der Innenstadt abgefeuert – glücklicherweise ohne Verletzte, aber die Täter sind bis heute unbekannt. Im Februar gab es ähnlich dramatische Ereignisse in einem Lokal im Stadtteil Wieseck und im Oktober wurde ein Wettbüro am Marktplatz mit Schüssen attackiert, wobei drei Personen verletzt wurden. Der Täter wurde gefasst. Polizeipräsident Torsten Krückemeier spricht von einer statistisch ungewöhnlichen Häufung dieser Vorfälle und hat die Präsenz der Polizei in Gießen erhöht. Ab dem Wochenende sind bis zu 80 zusätzliche Kräfte im Einsatz. Die Polizei sieht jedoch keine erhöhte Gefahr für die Allgemeinheit, da es sich um gezielte Taten zu handeln scheint, mit Verbindungen zwischen Tätern und Opfern. Ein Unbeteiligter wurde verletzt, als er eingreifen wollte.
Ein Blick auf die Ursachen
Was steckt dahinter? Ein möglicher Zusammenhang mit dem Drogenmilieu wird vermutet. Bei Durchsuchungen wurden Drogen gefunden, was die Sorgen der Bürger noch verstärkt. Gießen sieht sich nicht nur mit Schusswaffenangriffen konfrontiert, sondern auch mit einer Zunahme von Gewalt und Drogenkriminalität, besonders in der Innenstadt. Hier mehren sich die gewalttätigen Vorfälle, vom schweren Flaschenangriff am Kirchenplatz bis hin zu Messerattacken, bei denen bis zu 13 Personen beteiligt waren. Anwohner und Gastronomiebetriebe klagen über zunehmende Belästigungen und Müllprobleme, was die Lebensqualität vor Ort erheblich beeinträchtigt.
Bürgermeister Alexander Wright äußert seine Besorgnis über die Lage, speziell im Hinblick auf den Konsum von Drogen wie Crack und Alkohol. Die Stadt prüft daher die Einrichtung einer Waffenverbotszone, um das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung zu verbessern. Die Ordnungspolizei ist gefordert wie nie – sie hat viele Aufgaben zu bewältigen, darunter Umwelt- und Naturschutz sowie Jugendschutzmaßnahmen. Doch die Rekrutierung von qualifiziertem Personal gestaltet sich als schwierig. Polizeisprecher Pierre Gath bestätigt einen Anstieg von Straftaten wie Diebstahl, Körperverletzung und Drogendelikten. In Hessen stiegen die Drogendelikte in den letzten Jahren um 78 Prozent!
Die Auswirkungen auf die Gesellschaft
Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2025 zeigt, dass die Gesamtzahl der registrierten Straftaten in Deutschland um 5,6 Prozent zurückgegangen ist. Aber die Gewaltkriminalität in Gießen scheint sich von diesem Trend abzukoppeln. Während die Zahl der tatverdächtigen Personen insgesamt sank, bleibt die Situation in Städten wie Gießen angespannt. Die Stadt hat auch in den letzten Jahren Anstrengungen unternommen, um das Sicherheitsgefühl zu stärken, etwa durch die Ausweitung der Videoüberwachung in der Innenstadt, die in rund 50 Fällen zur Klärung von Straftaten beigetragen hat.
Das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung ist jedoch fragil. Laut einer Dunkelfeldstudie fühlen sich 45 Prozent der Menschen nachts im öffentlichen Nahverkehr unsicher. An Bahnhöfen und auf öffentlichen Straßen ist das Sicherheitsempfinden ebenfalls gering. Die Menschen hier haben ein Recht auf Schutz und Sicherheit, und die Stadt steht unter Druck, Lösungen zu finden. Einfache Antworten gibt es nicht, sondern nur langfristige Strategien, die alle Aspekte der Problematik berücksichtigen müssen. Was bleibt, ist die Hoffnung, dass die Stadt und die Polizei mit vereinten Kräften daran arbeiten, das Bild von Gießen wieder ins Positive zu rücken.
Für weitere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen in Gießen können Sie die vollständigen Berichte auf hessenschau.de und giessen-aktuell.de nachlesen.