Aktionstag „#KeinKompliment“ gegen Catcalling im Landkreis Hersfeld-Rotenburg
Heute ist der 11.06.2026 und der Landkreis Hersfeld-Rotenburg bereitet sich auf eine wichtige Veranstaltung vor. Am zweiten Freitag im Juni wird der Aktionstag „#KeinKompliment“ gefeiert, der sich mit dem Thema „Catcalling“ auseinandersetzt. Diese öffentliche sexuelle Belästigung kann in Form von anzüglichen Sprüchen oder Kussgeräuschen auftreten und betrifft vor allem jüngere Frauen und queere Personen. Am 12. Juni von 13 bis 16 Uhr findet auf dem Gelände der Bad Hersfelder Sommerarena in der Breitenstraße eine Anti-Catcalling-Aktion statt, an der das Frauen- und Gleichstellungsbüro beteiligt ist. Mitarbeiterinnen des Büros stehen bereit, um über „Catcalling“ aufzuklären und Unterstützungsmöglichkeiten für Betroffene zu bieten. Auch der Verein Frauen helfen Frauen unterstützt diese Aktion, was zeigt, wie wichtig das Thema in der Gesellschaft ist.
Eine aktuelle Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend belegt, dass 44% der Frauen und 32% der Männer in Deutschland sexistische Übergriffe erlebt haben. Das macht deutlich, dass es sich um ein weit verbreitetes Problem handelt. Wer mehr über „Catcalling“ erfahren oder anonym Meldung erstatten möchte, kann dies auf www.hef-rof.de/catcalling tun. Diese Plattform bietet eine wertvolle Möglichkeit, das Thema sichtbarer zu machen und Betroffenen eine Stimme zu geben.
Die rechtliche Lage und gesellschaftliche Debatte
In Deutschland wird derzeit intensiv darüber diskutiert, ob Catcalling tatsächlich bestraft werden sollte. Philipp Meissner, ein Kriminalhauptkommissar, hat sich ausführlich mit dieser Problematik beschäftigt. Dunkelfeldbefragungen zeigen, dass Catcalling das Sicherheitsgefühl von Frauen stark beeinträchtigt. Tatsache ist, dass solche verbalen Übergriffe oft rechtlich nicht als „Beleidigung“ gelten, was dazu führt, dass Täter meist straffrei bleiben. Elisa Hoven, eine Strafrechtsprofessorin, beschreibt Catcalling als eine tiefgreifende verbale sexuelle Belästigung – keine Bagatelle, wie viele vielleicht denken.
Die Ahndung von Catcalling gestaltet sich für die Polizei schwierig. Es fehlen klare juristische Kriterien, um solche Fälle zu bewerten. Das führt dazu, dass viele Frauen aus Angst vor weiteren Übergriffen ihr Verhalten ändern, sei es durch andere Kleidungsstile oder indem sie ihre Heimwege neu planen. Jessica Bock, die Vorsitzende des Landesfrauenrats Sachsen, warnt vor einer rückwärtsgewandten Männerbewegung, die Frauen herabsetzt und das gesellschaftliche Klima weiter vergiftet. Olaf Sendl, Vorsitzender der Landespolizeigewerkschaft Sachsen-Anhalt, unterstützt die Idee, verbale sexuelle Belästigung unter Strafe zu stellen. Das zeigt, wie wichtig eine Sensibilisierung in der Gesellschaft ist.
Meissner wünscht sich eine Gesellschaft, die respektvolle Männer erzieht und Frauen ein sicheres Gefühl im öffentlichen Raum gibt. Hierbei könnte eine bessere Gestaltung der Umgebung, etwa durch mehr Beleuchtung, helfen. Denn letztlich sollten sich alle Menschen, unabhängig von Geschlecht oder Orientierung, sicher und respektiert fühlen können, wenn sie auf die Straße gehen.
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