In Deutschland gibt es immer wieder hitzige Diskussionen über die Streichung von Feiertagen zugunsten einer höheren Produktivität. Oft wird dabei über die Vorteile eines zusätzlichen Arbeitstags nachgedacht, doch der Dekan Michael Zehender vom Evangelischen Dekanat Hersfeld-Rotenburg hat klare Ansichten zu diesem Thema. Er spricht sich entschieden gegen die Abschaffung von Feiertagen aus und hebt hervor, dass diese Tage weit mehr sind als nur arbeitsfreie Zeit. Sie repräsentieren Gemeinschaft, Besinnung und sind essenziell für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Zehender, der in Schwelm geboren wurde und in Dortmund aufwuchs, studierte Evangelische Theologie und wurde 2008 ordiniert. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne. In seinen Argumenten betont er, dass Feiertage wie Pfingsten, die oft weniger bekannt sind als Weihnachten oder Ostern, tief in der kulturellen und gesellschaftlichen Tradition verankert sind. Pfingsten feiert den Geist Gottes, der Menschen verbindet und Verständigung ermöglicht. Die Idee, Feiertage wie Pfingsten zur Disposition zu stellen, findet er völlig undenkbar.
Wirtschaftliche Aspekte im Fokus
Interessanterweise gibt es auch wirtschaftliche Überlegungen zu Feiertagen. Der Unternehmensverband Berlin (UVB) schätzt, dass eine mögliche Streichung von Feiertagen einen volkswirtschaftlichen Effekt von etwa 230 Millionen Euro pro Jahr haben könnte. Das entspricht einem Plus von 0,12 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der Stadt Berlin, das 2023 bei 193,2 Milliarden Euro liegt. Eine Studie der Bundesbank bestätigt diese Schätzungen. Auf der anderen Seite wird von einigen Ökonomen argumentiert, dass zusätzliche Arbeitstage eine Wirtschaftsleistung von bis zu 8 Milliarden Euro pro Tag generieren könnten. Das wären dann sogar bis zu 0,2 Prozent mehr BIP.
Das Spannungsfeld zwischen wirtschaftlicher Effizienz und der Bedeutung von Ruhe- und Feiertagen bleibt damit ein heißes Eisen. Zehender sieht hierin keinen Widerspruch. Er glaubt, dass Feiertage nicht nur den Rhythmus des Jahres strukturieren, sondern auch kulturelle Erfahrungen schaffen, die für alle Menschen wichtig sind, unabhängig von ihrer religiösen Zugehörigkeit. „Feiertage sollten Zeiten sein, in denen wir uns als Gemeinschaft zusammenfinden“, sagt er. Besonders an Feiertagen wünscht er sich volle Kirchen, denn die Feier eines Gottesdienstes hat für ihn eine große Bedeutung.
Feiertage sind mehr als nur freie Tage. Sie bieten Raum zum Innehalten und fördern das Miteinander. Die Diskussion um ihre Streichung zeigt, wie unterschiedlich die Perspektiven in der Gesellschaft sind. Während einige den wirtschaftlichen Aspekt in den Vordergrund stellen, plädiert Zehender für den Erhalt dieser wichtigen kulturellen Institutionen. Ein weiterer Feiertag, wie der Reformationstag, könnte hier sogar hinzugefügt werden – ganz nach dem Motto: Mehr Feiertage für mehr Gemeinschaft.
