Heute ist der 5.05.2026, und während man hierzulande in Österreich den Frühling genießt, gibt es in Deutschland, insbesondere im Landkreis Hersfeld-Rotenburg, ernste Sorgen, die die Arbeit von Hebammen betreffen. Die freiberuflichen Hebammen stehen vor einer beunruhigenden Situation – steigende Kosten und neue Abrechnungsregeln setzen ihnen zu. Eine alarmierende Zahl von fast jeder zweiten Hebamme denkt ernsthaft darüber nach, ihren Beruf aufzugeben. Das ist nicht nur ein persönliches Drama, sondern auch ein gesellschaftliches, denn Hebammen sind das Rückgrat der Geburtshilfe.
Der Welt-Hebammentag wird in diesem Jahr genutzt, um auf die existenzbedrohende Lage der Hebammen aufmerksam zu machen. Im Jahr 2025 wurden im Hersfelder Klinikum rund 800 Babys geboren, im Klinikum Werra-Meißner 362 und im Fuldaer Klinikum 1831. Hessen hat mit über vier Hebammen pro 100.000 Einwohner eine der höchsten Dichten in Deutschland. Dabei begleiten 1467 Hebammen jährlich rund 61.000 Geburten in Hessen. Die freiberuflichen Hebammen, insbesondere die Beleghebammen, sind stark betroffen von den neuen Herausforderungen.
Drastische Veränderungen durch neue Verträge
Christiane Friedrich von der Hebammenpraxis Storchenwiese hat die drastisch steigenden Berufshaftpflichtprämien zu beklagen, die mittlerweile bis zu 15.000 Euro jährlich betragen. Der neue Hebammenhilfevertrag, der im November 2025 eingeführt wurde, führt zu einem Einkommen von bis zu 35 Prozent weniger für Beleghebammen. Zudem bringt er mehr Bürokratie mit sich. Das klingt wie ein schlechter Scherz, ist aber bitterer Ernst. Während der Vertrag mehr Geld für die 1:1-Betreuung bei Geburten vorsieht, gibt es Abzüge bei parallel betreuten Frauen, was die ohnehin schon angespannte finanzielle Situation noch weiter verschärft.
Kritik gibt es auch an der minutengenauen Abrechnung und den unzureichenden Vergütungen für Hausbesuche. Krankenkassen zahlen nur für Kurse, wenn Frauen an jedem Termin teilnehmen und dies quittieren. Sabine Jäger, eine erfahrene Hebamme, die seit 40 Jahren im Beruf ist, betont die emotionalen Anforderungen, die dieser Beruf mit sich bringt, und die Notwendigkeit, für die Rechte der Frauen zu kämpfen. Es ist einfach frustrierend, wenn man sieht, wie sehr das System die Qualität der Betreuung beeinträchtigt.
Die Situation der Beleghebammen
Beleghebammen, die mehr als 20 % der Geburten in Deutschland begleiten, sind besonders betroffen. In Bayern beispielsweise betreuen sie sogar 80 % der Geburten. Das zeigt, wie unterschiedlich die regionale Verteilung der Beleghebammenteams ist. Diese Hebammen arbeiten in Teams und bieten geburtshilfliche Leistungen rund um die Uhr an. Bisher konnten sie ihre Leistungen für jede betreute Frau zu 100 % abrechnen, was eine gewisse Sicherheit bot. Mit den Änderungen im Hebammenhilfevertrag werden Beleghebammen jedoch nur noch 80 % der üblichen Vergütung für die Betreuung einer Frau erhalten. Das ist ein massiver Einschnitt!
Besonders frustrierend ist die Regelung, dass der Zuschlag für Eins-zu-eins Betreuung nur dann gewährt wird, wenn die Betreuung zwei Stunden vor und nach der Geburt durchgehend erfolgt. Bei der Betreuung einer zweiten oder dritten Frau innerhalb dieses Zeitraums fällt der Zuschlag weg, und zusätzliche Leistungen werden nur zu 30 % vergütet. Das ist eine massive Veränderung, die viele Hebammen vor die Frage stellt: Lohnt sich das alles noch?
Die neue Regelung führt zu Vergütungseinbußen für Beleghebammen und erinnert an die letzte Anpassung im Jahr 2018. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Entwicklungen auf die Geburtszahlen und die Qualität der Hebammenbetreuung auswirken werden. Die Stimmen der Hebammen müssen gehört werden, denn sie sind nicht nur Fachkräfte, sondern auch Unterstützerinnen in einem der emotionalsten Momente im Leben vieler Frauen.