Im beschaulichen Greifenstein, einer kleinen Gemeinde im Lahn-Dill-Kreis, sind die Wogen hochgegangen. In der Nacht vom 12. Mai kam es zu einem mutmaßlichen Wolfsangriff auf Pferde. Laut Informationen des Wolfszentrums Hessen (WZH) brachen zehn Pferde aus ihrer Weide aus. Vier von ihnen wurden verletzt, und tragischerweise mussten zwei sogar eingeschläfert werden. Ein verletztes Pferd wurde am Folgetag im Wald gefunden, und der Kadaver wird nun obduziert. Es bleibt abzuwarten, ob sich der Verdacht eines Wolfsangriffs bestätigt.
In der Region hat sich in den letzten Jahren ein sesshaftes Wolfsrudel etabliert, und die Zahl der Weidetierrisse, insbesondere bei Schafen, steigt. Angriffe auf ausgewachsene Pferde sind jedoch ein äußerst seltenes Phänomen; in Hessen gab es bislang keinen nachgewiesenen Fall. Dennoch gibt es Verdachtsfälle: Im März wurde ein Fohlen in Zierenberg angegriffen, und vor einem Jahr gab es einen Vorfall mit vier Pferden in der Rhön. Pferdehalter in Greifenstein zeigen sich verunsichert und passen ihre Weidezeiten an. Sie sichern ihre Ställe, und es wird darüber nachgedacht, die Fenster der Pferdeboxen zu vergittern. Tierarzt Michael Weiler hat sich zu den mutmaßlichen Wolfsrissen geäußert und auf seine Erfahrungen aus Niedersachsen verwiesen.
Herdenschutzmaßnahmen und ihre Herausforderungen
Der Herdenschutz für Pferde stellt eine besondere Herausforderung dar. Laut Weiler entstehen Verletzungen oft bei der Flucht der Tiere. Klassische Schafnetze sind für den Schutz von Pferden nicht geeignet. Der NABU Hessen schätzt die Gefahr von Wölfen für Pferde als gering ein und lehnt Abschüsse ab. Sie empfehlen stattdessen den Einsatz von Herdenschutzhunden und speziellen Elektrozäunen. Diese Maßnahmen sollen Wölfe davon abhalten, ungeschützte Weidetiere als Beute zu sehen. Die Landesregierung unterstützt Tierhalter bei der Anschaffung solcher Herdenschutzmaßnahmen, wobei die Förderung je nach Bundesland unterschiedlich ausfällt.
Wölfe ernähren sich zu über 95 % von Wildtieren wie Rehen, Wildschweinen und Hirschen. Ungeschützte Weidetiere sind für sie jedoch einfacher zu erlegen. Daher ist es wichtig, Herdenschutz präventiv einzusetzen. Elektrozäune sind eine der effektivsten Schutzmaßnahmen. Ein gut installierter Zaun kann bis zu 120 cm hoch sein, und die erste stromführende Litze sollte in 20 cm Höhe gespannt werden, um das Untergraben zu verhindern. Herdenschutzhunde, wie Pyrenäenberghunde, Maremmanos und Kangals, sind ebenfalls sehr effektiv. Sie wachsen eng bei den Weidetieren auf und sind territorial, was sie zu hervorragenden Beschützern macht.
Die Zukunft des Herdenschutzes
Die Herausforderungen im Herdenschutz sind nicht gering. Ein einheitliches Regelwerk für Förderung, Rissbegutachtung und Schadensausgleich existiert nicht. Die Kompensationszahlungen für gerissene Nutztiere sind in Wolfsmanagementplänen geregelt, jedoch müssen die Tiere zunächst von Rissgutachter*innen untersucht werden. Im Jahr 2021 wurde das Bundeszentrum Weidetiere und Wolf eingerichtet, um die Situation zu verbessern. Dennoch bleibt die Unsicherheit bei den Tierhaltern bestehen, während sie versuchen, ihre Tiere bestmöglich zu schützen.
Für weitere Informationen und Details zu Herdenschutzmaßnahmen lohnt sich ein Blick in den Herdenschutzbericht 2024, der wertvolle Einblicke in die aktuelle Situation bietet.
