Das Ende einer Ära: Manroland Sheetfed stellt Betrieb ein
In Offenbach, einer Stadt mit einer langen Tradition im Maschinenbau, schließt ein bedeutendes Kapitel: Die Manroland Sheetfed GmbH wird ihren Betrieb einstellen. Die Geschichte dieses Unternehmens reicht bis ins Jahr 1872 zurück, als Faber & Schleicher gegründet wurde. Ursprünglich an der Christian-Pleß-Straße ansässig, erweiterte das Unternehmen schnell und wurde zu einem der renommiertesten Hersteller von Druckmaschinen weltweit. Kunden in 104 Ländern vertrauten auf die Qualität der Maschinen, die Faber & Schleicher produzierte. Die erste Exportmaschine, eine „Albatros“, wurde 1875 nach St. Petersburg verkauft und läutete die internationale Expansion des Unternehmens ein. Bis 1930 betrug der Exportanteil stolze 76% – ein beeindruckender Erfolg!
Doch die Zeiten haben sich geändert. Die Schließung, die für den 1. Juni 2026 angekündigt ist, wird 748 Mitarbeiter in die Arbeitslosigkeit schicken. Die letzten Aufträge sollen bis Ende 2026 abgearbeitet werden. Ein Schutzschirmverfahren wurde bereits im März 2026 eingeleitet, doch alle Rettungsversuche scheiterten. Die IG Metall hat sich besorgt geäußert und ein Minimalmodell für die Fortführung des Service- und Ersatzteilgeschäfts als nicht möglich erachtet. Es gab zwar zwei Interessenten für die Vermögenswerte, doch eine Fortführung der betrieblichen Tätigkeiten in Offenbach scheint ausgeschlossen zu sein.
Der Niedergang einer Marke
Manroland Sheetfed, das 2008 aus der Umwandlung von Faber & Schleicher hervorging, hat in den letzten Jahren stark unter einem schrumpfenden Markt gelitten. Der Umsatzrückgang wird vor allem auf das Nachlassen der Nachfrage in China und fehlende Investitionen in Digitalisierung und Produktentwicklung zurückgeführt. Im Jahr 2025 verzeichnete das Unternehmen einen Verlust von 43,2 Millionen Euro, während der Mutterkonzern Langley Holdings im gleichen Jahr einen Gewinn von 152,3 Millionen Euro vor Steuern erzielen konnte. Anthony Langley, der Eigentümer, bezeichnete die Situation als „nicht nachhaltig“ und sicherte Unterstützung für die installierte Basis zu. Dennoch bleibt der Unmut über die Entscheidungen der Eigentümer und des Managements groß. Der Oberbürgermeister Felix Schwenke hat öffentlich Kritik geübt.
Die Geschichte von Faber & Schleicher ist auch eine Geschichte von Innovation. 1911 wurde die erste „Roland“ auf den Markt gebracht, die auf der Turiner Messe mit einer Goldmedaille ausgezeichnet wurde. 1921 spezialisierte sich das Unternehmen auf Offsetmaschinen und gab den Bau von Buchdruckpressen auf. Nach der Fusion mit der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg im Jahr 1979 firmierte das Unternehmen als „MAN Roland Druckmaschinen AG“, bevor es 2008 in „manroland“ umbenannt wurde. Diese Vielzahl an Veränderungen spiegelt die dynamische Entwicklung der gesamten Druckmaschinenindustrie wider.
Der Wandel der Druckmaschinenindustrie
Die Herausforderungen, mit denen manroland konfrontiert ist, sind nicht einzigartig. Die gesamte Druckmaschinenindustrie befindet sich im Umbruch. Die Digitalisierung hat die Branche auf den Kopf gestellt. Deutsche Druckmaschinenhersteller transformieren sich zunehmend von klassischen Maschinenbauern zu Lösungsanbietern. Der Rückgang des Zeitungsmarkts und das Wachstum im Verpackungsdruck haben die Rahmenbedingungen verändert. Ein neuer Wettbewerb durch industrielle Digitaldruckanbieter setzt zusätzliche Impulse. Eine Studie zeigt, wie der Wandel seit der Weltfinanzkrise vorangetrieben wurde und welche Herausforderungen die Digitalisierung für Unternehmen der Branche mit sich bringt.
Obwohl der Abschied von Manroland Sheetfed schmerzt und eine Ära zu Ende geht, bleibt die Hoffnung auf neue Lösungen und Innovationen in der Branche. Es bleibt abzuwarten, welche Wege die ehemaligen Mitarbeiter einschlagen werden und wie sich die Druckmaschinenindustrie weiterentwickeln wird.
