In Offenbach, einer Stadt im Herzen von Hessen, lebt die 35-jährige Nhung Dao, die vor zehn Jahren aus Vietnam kam. Mit ihren 18 Mitstreiterinnen, Absolventinnen der Medizinischen Universität Hanoi, startete sie ein neues Leben in Deutschland – ein Schritt, der nicht nur ihre berufliche Laufbahn, sondern auch ihre persönliche Entwicklung maßgeblich geprägt hat. Nur eine der Absolventinnen kehrte in ihre Heimat zurück, während die anderen 16 im Rhein-Main-Gebiet verblieben, und zwei sogar in die Niederlande zogen. Die Gründe für diesen dauerhaften Aufenthalt sind vielfältig, und sie sind eng verknüpft mit der Notwendigkeit, den Fachkräftemangel in der Pflege zu bekämpfen.
Die Anwerbung von Pflegekräften aus Vietnam ist ein wichtiges Thema, das nicht nur die lokale Gesundheitsversorgung stärkt, sondern auch kulturelle Brücken schlägt. Talent Orange, ein Personalvermittler, der sich auf die Anwerbung dieser Fachkräfte spezialisiert hat, spielte eine entscheidende Rolle in diesem Prozess. Laut Tilman Frank, Geschäftsführer von Talent Orange, war der Studiengang, den die vietnamesischen Absolventinnen durchlaufen haben, der erste seiner Art, dessen Qualifikation in Deutschland anerkannt wurde. Diese internationale Anwerbung hat nicht nur dazu beigetragen, den Pflegebereich zu stärken, sondern auch die Abhängigkeit von Zeitarbeitern zu verringern und den Altersdurchschnitt der Pflegekräfte zu senken, wie der Pflegedirektor Nils Dehe berichtet.
Herausforderungen und Integration
Die Integration war allerdings kein Zuckerschlecken. Die Sprache stellte eine große Hürde dar. Nhung Dao erinnert sich, dass sie anfangs Schwierigkeiten hatte, sich auf Deutsch auszudrücken. Elf Monate Deutschunterricht waren nötig, um das B2-Zertifikat zu erlangen. Und das hessische Wetter? Eine ganz andere Nummer! Die Kälte und das fehlende Sonnenlicht waren für Dao eine echte Umstellung. Es dauerte vier Jahre, bis sie sich wirklich angekommen fühlte – ein Prozess, der auch durch den täglichen Kontakt zu ihrer Familie in Vietnam unterstützt wurde.
Die ersten 19 Pflegekräfte, die vor einem Jahrzehnt nach Deutschland kamen, sind mittlerweile ein fester Bestandteil des Pflegepersonals. Von diesen arbeiten 16 weiterhin in der Pflege, und einige von ihnen sind sogar im Sana Klinikum Offenbach tätig. Diese positive Bilanz wurde kürzlich bei einem Jubiläum von Talent Orange gefeiert. Die Unterbringung und Beschäftigungsmöglichkeiten wurden von Talent Orange bereitgestellt, und nach einem Anpassungslehrgang erhielten die Pflegekräfte ihre Berufsanerkennung. Es zeigt sich, dass die Integration erfolgreich war, auch wenn die kulturellen Unterschiede – zum Beispiel bei Essgewohnheiten – anfänglich Herausforderungen mit sich brachten.
Ausbildung und berufliche Weiterentwicklung
Heute arbeitet Nhung Dao als Pflegepädagogin im Sana Klinikum Offenbach und hat sogar einen Masterabschluss an der University of Applied Sciences Frankfurt erworben. Die persönliche und berufliche Weiterentwicklung ist für viele der ehemaligen Absolventinnen ein zentraler Aspekt ihrer Zeit in Deutschland. Laut Sabine Braun, der ehemaligen Pflegedirektorin des Sana Klinikums, ist der Bedarf an internationalen Fachkräften im Pflegebereich unumstritten. Die positive Entwicklung zeigt sich auch daran, dass im Sana Klinikum kein Fachkräftemangel mehr besteht, wie Nils Dehe bestätigt.
Insgesamt sind seit dem Start des Projekts von Talent Orange und dem Sana Klinikum über 400 vietnamesische Pflegekräfte nach Deutschland gekommen. Ihre Geschichten sind nicht nur von Herausforderungen, sondern auch von Erfolg und Integration geprägt. Diese Entwicklung ist ein Beispiel dafür, wie internationaler Austausch nicht nur den Arbeitsmarkt, sondern auch das gesellschaftliche Miteinander bereichern kann. Die Anwerbung vietnamesischer Pflegekräfte hat sich als ein bewährtes Modell etabliert, das nicht nur den Fachkräftemangel bekämpft, sondern auch Brücken zwischen Kulturen schlägt.
