Im malerischen Blockland, wo der Himmel strahlend blau leuchtet und die schneebedeckten Wiesen im Sonnenlicht glitzern, fand eine ganz besondere Kohltour statt. Organisiert von Christoph und Rieke Bielefeldt, versammelten sich 20 Teilnehmer, um zum Gartelmanns Gasthof im Niederblockland zu wandern. Mit bunten, geschmückten Bollerwagen zogen die Gruppen bei klirrender Kälte und Sonnenschein durch die winterliche Landschaft. Die Temperaturen lagen um minus zwei Grad, und die Teilnehmer waren dick eingepackt, um sich gegen die Kälte zu schützen.
Die Landjugend im Blockland sammelte sich am Gasthof Dammsiel, um die Landjugend aus Hanstedt einzuladen. Währenddessen hatten die Blocklander bereits Grünkohl im Gasthof Gartelmann außer Haus bestellt, und die Kohl-Party fand im Dorfgemeinschaftshaus statt. Die erste Schnapsrunde wurde an der Kreuzung am Lehester Deich eingeläutet, während die Kohlfahrt der Bielefeldts unter dem Motto der 90er-Jahre stand. Eine 10-stündige Playlist mit Hits aus diesem Jahrzehnt wurde über Lautsprecher aus einem Bollerwagen abgespielt und sorgte für gute Stimmung.
Spiele und Gemeinschaft
Ein Highlight der Tour war das Tisch-Tetris-Spiel, bei dem die Teilnehmer Tetris-Steine auf einer wackeligen Wippe platzieren mussten. Constanze Liening, die zum ersten Mal an einer Kohltour teilnahm, schätzte besonders die Gemeinschaft, die sich während solcher Veranstaltungen bildet. Die Landjugend schlenderte gemütlich über die Straße, während ein motorisierter Kindertraktor mit Anhänger unterwegs war. Organisatorin Luisa Gartelmann brachte nicht nur eine Musikanlage mit, sondern dekorierte auch den Raum im Dorfgemeinschaftshaus, um für eine festliche Atmosphäre zu sorgen.
Die Gruppe erhielt frische Brezeln von einer Mutter aus dem Blockland, was die Bedeutung der Gemeinschaft und gegenseitigen Unterstützung unterstrich. Der Sonnenuntergang über dem Blockland verlieh der Kulisse einen zauberhaften Anblick, während der Schnee in verschiedenen Farben glitzerte. Chefkoch Jan Gartelmann plante, während der Saison über 3000 Portionen Grünkohl zu verkaufen. Um 18:30 Uhr wurden 20 Portionen Grünkohl für die Gruppe Bielefeldt serviert, nach viereinhalb Stunden, die sie gebraucht hatten, um sicher ans Ziel zu gelangen.
Tradition und Brauchtum
Grünkohltouren sind ein tief verwurzelter Brauch in Norddeutschland, der traditionell in der kalten Jahreszeit stattfindet, da Grünkohl erst nach dem Frost geerntet wird. Teilnehmer sind häufig Vereine, Freunde, Kollegen und Touristen, die gemeinsam mit Bollerwagen durch die winterliche Landschaft ziehen. Während der Touren wird nicht nur musiziert und gesungen, sondern es werden auch verschiedene Spiele gespielt, darunter Baumscheibenrollen und Boßeln. Das wichtigste Spiel ist Boßeln, bei dem die Gruppe in zwei Mannschaften aufgeteilt wird und abwechselnd eine Kugel wirft, um das Ziel, den Gasthof, zu erreichen.
Am Ende der Wanderung erwartet die Teilnehmer ein traditionelles Kohlessen, bestehend aus Grünkohl mit Salzkartoffeln, Kasslerbraten und Pinkel, einer Wurstspezialität. Nach dem Essen wird der „Grünkohlschluck“ serviert, ein 32-prozentiger Schnaps, der zum Feiern einlädt. Die Wahl des „Kohlkönigspaares“ basiert auf dem Grünkohlessen oder den gewonnenen Spielen, und die Kohlkönige müssen im nächsten Jahr die Tour organisieren und Schnaps ausgeben. Ein interessanter Fakt: Wein ist während der Touren und beim Essen verboten, angeblich aus Solidarität zu Lykurgos, dem Gott des Weines.
Für alle, die mehr über die Kohltouren erfahren möchten, gibt es weitere Informationen auf cafe-weserterrassen.de. Die Tradition der Grünkohltouren hat nicht nur eine lange Geschichte, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht, sondern hat auch in den letzten Jahren einen Trend ausgelöst, der die Tourismusbranche bereichert und sogar zur Einführung von „Master of Grünkohl“-Abschlüssen an der NWZ Grünkohlakademie geführt hat. Bremen hat die längste Tradition öffentlicher Grünkohlessen, während Oldenburg nationale Bedeutung erlangt hat.