In Neubrandenburg hat sich die Oststadt in ein kreatives Zentrum verwandelt, als Frank Wilhelm und Kerstin Fiedler-Wilhelm ihr neues Buch „Einfach total genial. Warum wir Ossis nicht zu bremsen sind“ vorstellten. Das Buch, das im Nordkurier-Buchverlag erschienen ist, beleuchtet die geniale Einfallsreichtum der Menschen in der ehemaligen DDR, insbesondere in Bezug auf Themen wie Hausbau, Reparaturen und die oft knappen Autoersatzteile. Es ist ja schon faszinierend, wie man in Zeiten von Mangelwirtschaft kreativ werden musste – ein echter Einblick in den Alltag der DDR-Bürger.
Die Buchvorstellungen fanden sowohl in der Neubrandenburger Oststadt als auch im Reuter-Museum in Stavenhagen statt. Doch das ist noch nicht alles: Am 7. Mai um 18 Uhr wird im Marie-Hager-Haus in Burg Stargard eine weitere Veranstaltung stattfinden. Neben den wichtigen DDR-Themen werden auch humorvolle, unveröffentlichte Papa-Kolumnen präsentiert, die für das eine oder andere Schmunzeln sorgen dürften. In Burg Stargard wird zudem das spannende Thema „Wie schmeckt die DDR?“ behandelt – da bin ich wirklich neugierig, was genau die Autoren dazu sagen werden. Wer Interesse hat, kann Karten beim Marie-Hager-Kunstverein unter der Telefonnummer 015226876646 vorbestellen.
Einblick in die DDR-Kultur
Das Buch ist nicht nur eine Sammlung von Geschichten und Erinnerungen, sondern bietet auch einen tiefen Einblick in die kulturellen und sozialen Strukturen der DDR. In der DDR gab es ein großes, vielfältiges kulturelles Angebot, das oft durch niedrige Preise und staatliche Subventionen gefördert wurde. Für Jugendliche boten sich zahlreiche Aktivitäten in Jugendklubs, Diskotheken und Volkshochschulen – oft sogar kostenlos. Da wird einem klar, dass trotz der politischen Einschränkungen ein gewisses Maß an Gemeinschaft und Kreativität blühte. Walter Ulbricht forderte bereits 1958 die Überwindung der Trennung zwischen Kunst und Leben, was in vielen Bereichen, auch in der Literatur, zu einer besonderen Dynamik führte.
Die Veranstaltungen rund um das Buch laden dazu ein, die kreativen Lösungen der DDR-Bürger näher zu betrachten. Von den Plattenbauten, die als Antwort auf den Wohnungsmangel entstanden, bis hin zu den vielen Freizeitaktivitäten, die das kulturelle Leben prägten – all das wird in den Geschichten lebendig. Schach wurde beispielsweise besonders gefördert, und auch die Urlaubsreisen an die Ostsee waren bei den Bürgern sehr beliebt. So hatten die Menschen trotz der Herausforderungen auch ihre kleinen Freuden und Erlebnisse. Komischerweise hat man manchmal den Eindruck, dass die Menschen in der DDR trotz aller Widrigkeiten ein ganz eigenes, vielleicht sogar gemeinschaftliches Leben führten, das in den heutigen Erzählungen oft verloren geht.
Wer sich also für die Geschichten und Erfindungen der DDR interessiert, sollte sich die Veranstaltungen in Neubrandenburg und Burg Stargard nicht entgehen lassen. Es ist eine wunderbare Gelegenheit, nicht nur die Literatur, sondern auch die kulturellen Wurzeln einer ganzen Generation zu entdecken und zu verstehen. Und so wird das Buch zu einem weiteren Puzzlestück in der Ergründung einer Geschichte, die uns alle irgendwie betrifft. Man kann nur hoffen, dass es weiterhin solche Initiativen gibt, die uns die Vergangenheit näherbringen und zeigen, wie kreativ der Umgang mit Herausforderungen sein kann.