In Neubrandenburg, einer Stadt in Mecklenburg-Vorpommern, wird ab dem 13. Mai 2026 eine spannende Ausstellung eröffnet, die die vielschichtige Beziehung zwischen Kunst und Leben im Plattenbau beleuchtet. „Wohnkomplex – Neubrandenburg. Kunst und Leben im Plattenbau“ heißt die Schau, die in der Kunstsammlung Neubrandenburg zu sehen sein wird. Die Leiterin der Kunstsammlung, Ulrike Pennewitz, und der Kurator Kito Nedo haben ein Konzept entwickelt, das nicht nur die Architektur des Plattenbaus untersucht, sondern auch die Auswirkungen auf die Stadtlandschaft und die Gesellschaft. Die Ausstellung wird bis Anfang August 2026 geöffnet sein und bietet einen faszinierenden Einblick in das Leben und die Herausforderungen, die der Plattenbau mit sich brachte.
Das Thema dieser Ausstellung ist besonders relevant, da sie sich mit Fragen beschäftigt, die viele Menschen in Ostdeutschland betreffen: Wie war der Umgang mit Plattenbauten damals und wie hat sich dieser im Laufe der Jahre verändert? Auch die Prägung der Städte durch diese Bauweise wird thematisiert. Der Plattenbau gilt als Teil der DDR-Sozialpolitik und steht symbolisch für den realsozialistischen Fortschritt. Doch nicht alles war eitel Sonnenschein – die Ausstellung beleuchtet auch die Transformation nach 1990, als Plattenbauten oft als Orte sozialer Spaltung wahrgenommen wurden.
Künstler und Werke
Die gezeigten Werke sind ein wahres Kaleidoskop der Kunst. Fotografien von Ute Mahler und Sibylle Bergemann laden dazu ein, den Alltag im Plattenbau zu reflektieren. Betonarbeiten von Juli Schupa und beeindruckende Gemälde von Wolfgang Mattheuer ergänzen die Sammlung. Die Ausstellung umfasst darüber hinaus Medien wie Skulpturen, Stoffarbeiten und Installationen, die die verschiedenen Facetten des Lebens in diesen Bauwerken darstellen. Kito Nedo, der schon für das MINSK in Potsdam kuratiert hat, wird für seine Arbeit mit dem Justus Bier Preis ausgezeichnet – ein echter Ritterschlag!
Die Schau geht über die künstlerische Darstellung hinaus und thematisiert auch die gesellschaftspolitischen Herausforderungen, die mit dem Plattenbau verbunden sind. Die Wohnungsnot in Deutschland, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein akutes Problem darstellte, führte zur Entwicklung solcher Wohnformen. In der DDR wurden Plattenbauten als moderne Lösung für die Wohnungsnot beworben, oft unter dem Vorwand, sie seien die Verkörperung einer sozialistischen Utopie. Schulen, Kindergärten und Kulturzentren wurden integriert, und die Mieten waren staatlich subventioniert. Aber wie sieht es heute aus? Die Ausstellung regt zum Nachdenken an und lädt zur (Selbst-)kritischen Auseinandersetzung mit Identität und Erinnerungskultur ein.
Ein Stück Geschichte
Der Plattenbau ist nicht nur ein architektonisches Phänomen, sondern auch ein kulturelles Erbe, das viele verschiedene Gefühle weckt. Man könnte sagen, er ist das Herzstück der DDR-Sozialpolitik. Auf der anderen Seite sind diese Bauten auch Orte der Vergesellschaftung und des Wandels. Die Ausstellung in Neubrandenburg wird die Transformation der Plattenbau-Siedlungen nach der Wiedervereinigung thematisieren, als viele von ihnen in Vergessenheit gerieten oder mit negativen Assoziationen besetzt wurden. Diese „schmerzhafte Transformation“ fordert dazu auf, den Plattenbau nicht nur als einen Teil der Vergangenheit zu sehen, sondern auch als Teil einer fortwährenden Diskussion über die Gegenwart und Zukunft.
Einige Werke, wie die Installation „Triangular Stories (Amnesia & Terror)“ von Henrike Naumann, zeigen die Ambivalenzen der Plattenbau-Vergangenheit in den 1990er Jahren. Der Plattenbau erhält durch Ausstellungen wie diese neue Aufmerksamkeit und sorgt dafür, dass die Diskussion über diese prägenden Gebäude der DDR nicht verstummt. Es ist spannend, wie viele Facetten der Plattenbau hat, und wie er weiterhin unsere Gesellschaft beeinflusst – sei es in Form von Kunst, Erinnerungen oder der urbanen Landschaft.
Wer also in den nächsten Monaten in Neubrandenburg ist, sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, diese fesselnde Ausstellung zu besuchen. Mehr Informationen zur Ausstellung finden Sie auch auf der Website der Kunstsammlung Neubrandenburg und den NDR.