Im Landkreis Vorpommern-Rügen hat man beschlossen, den diesjährigen Sommerempfang abzusagen. Ein echter Schock für viele, die sich auf die Veranstaltung gefreut hatten. Die Absage erfolgt nicht ohne Grund: Die Kosten sind einfach zu hoch. Für den Empfang wäre ein Budget im fünfstelligen Bereich nötig gewesen – das ist in der aktuellen angespannten Haushaltslage nicht tragbar. Geplant war das Event Anfang Juli in Kaschow bei Grimmen, und es sollten rund 100 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft teilnehmen. Besonders bedauerlich: Auf dem Sommerempfang sollten engagierte Bürger ausgezeichnet werden, darunter die Frau des Jahres. Der Landkreis überlegt nun, wie die Ehrung dennoch stattfinden kann, aber das ist natürlich nicht dasselbe.

Der Sommerempfang, der im Jahr 2025 stattfand, zeigt, wie wichtig solche Veranstaltungen für die Gemeinschaft sind. Damals trafen sich knapp 200 Gäste im Glasbahnhof am Alten Fähranleger in Sassnitz. Es war eine feierliche Atmosphäre, das Motto „Segel sind gesetzt“ versprach viel. Gastgeber waren Landrat Dr. Stefan Kerth und Kreistagspräsident Andreas Kuhn. Beide sprachen über die Herausforderungen und Chancen der Region, während Staatssekretär Heiko Miraß die Gäste herzlich begrüßte. Auszeichnungen für besonderes Engagement wurden verliehen – darunter die Sportlerinnen des Jahres und der Kulturpreis des Landkreises. Ein ganz anderer Vibe, aber irgendwie auch ein bisschen traurig, dass das in diesem Jahr nicht stattfinden kann.

Die Lage der Ehrenamtlichen

Schaut man sich die Situation der ehrenamtlichen Bürgermeister in Deutschland an, wird einem schnell klar, dass die Absage des Sommerempfangs nicht nur ein lokales Problem ist. Die Arbeit dieser Bürgermeisterinnen und Bürgermeister ist entscheidend für die Funktionsfähigkeit von über 6000 Gemeinden. Sie stehen oft vor großen Herausforderungen, die von der Finanzlage ihrer Kommunen bis hin zu lokalen Themen wie Schulen und Müllabfuhr reichen. Eine Umfrage der Körber-Stiftung zeigt, dass immer weniger Kommunalpolitiker mit ihren Gestaltungsmöglichkeiten zufrieden sind. Die Zahl derjenigen, die die Finanzlage ihrer Gemeinden als schlecht oder sehr schlecht einschätzen, ist auf 70 Prozent gestiegen. Das ist alarmierend.

Die Situation ist also nicht nur eine Frage der Feierlichkeiten, sondern spiegelt die realen Schwierigkeiten wider, mit denen viele Regionen zu kämpfen haben. Die Absage des Sommerempfangs könnte als ein kleiner, aber symbolischer Schritt für die Notwendigkeit von Veränderungen in der kommunalen Politik gedeutet werden. Ein bisschen nachdenklich macht das die Leute, die sich ehrenamtlich engagieren. Immerhin, wenn man bedenkt, dass 92 Prozent der Bürgermeister glauben, die Mehrheit der Bürger vertraut ihnen, dann bleibt ein Funken Hoffnung. Doch was passiert, wenn die Unterstützung für solche Veranstaltungen fehlt? Wo bleibt dann die Anerkennung für die, die sich wirklich einsetzen?