Eine ganz besondere Auktion steht bevor – und sie findet nicht irgendwo statt, sondern in der malerischen Umgebung des Greifswalder Boddens, nur einen Steinwurf von Rügen entfernt. Hier wird die marode NVA-Entmagnetisierungsstation versteigert, ein Relikt aus der Zeit der DDR, das auf etwa 600 Holzpfählen thront. Diese einzigartige Plattform hat eine bewegte Geschichte: Sie diente der Volksmarine der DDR zur Entmagnetisierung von Marineschiffen und wurde 1954 errichtet. Nach dem Fall der Mauer fiel sie jedoch in einen Zustand der Vernachlässigung, sodass die Bundeswehr sie nicht mehr nutzte.

Die Anlage umfasst zwei verfallene Häuser und ein Kunstwerk, das von dem Künstler Gerhard Benz geschaffen wurde. Die fast 1,3 Tonnen schwere Keramikglocke könnte zusätzlich erworben werden, wenn das Mindestgebot von 39.000 Euro erreicht wird. Die letzten bekannten Eigentümer – ein Architekt und ein Planungsingenieur – hatten große Pläne: Sie wollten einen Kunstraum schaffen, scheiterten aber an hohen Investitionskosten und bürokratischen Hürden. Ein Versuch, die Plattform in eine Ferienanlage umzuwandeln, verlief ebenso im Sand.

Die marode Schönheit der Plattform

Was bleibt, ist der triste, aber irgendwie auch faszinierende Anblick der Anlage selbst. Setzungsrisse, verrostete Stahlteile und zerstörte Fenster zeugen von der Zeit und der Natur, die ihren Lauf genommen haben. Algenbewuchs verdeckt die Spuren der einstigen Nutzung. Und seit über zehn Jahren ist die Plattform jetzt ein Rückzugsort für Kormorane und andere Wasservögel. Nur über den Wasserweg ist sie erreichbar, und Besichtigungen sind aufgrund des maroden Zustands nicht möglich – die Neugier bleibt also auf eine andere Weise geweckt.

Die künstliche Insel Ostervilm, die sich etwa drei Kilometer östlich der Naturschutzinsel Vilm im Biosphärenreservat befindet, bietet einen einzigartigen Blick auf die Natur, aber auch auf die Geschichte der DDR-Marine. Die Volksmarine selbst wurde nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet, als die Sowjetunion mit der Aufrüstung in der Sowjetischen Besatzungszone begann. 1950 begann man mit dem Aufbau der „Hauptverwaltung Seepolizei“, die 1956 zur „Verwaltung Seestreitkräfte der NVA“ umbenannt wurde. Am 3. November 1960 erhielt die Verwaltung schließlich den Namen Volksmarine, eine Bezeichnung, die an historische Ereignisse wie den Kieler Matrosenaufstand 1918 erinnern sollte.

Ein Stück Geschichte

Die Volksmarine wuchs in den folgenden Jahren schnell. In den 1970er Jahren zählte sie bereits rund 18.000 Soldaten, und die Hauptbewaffnung der Schiffe stammte größtenteils aus der Sowjetunion. Die letzten Jahre waren von politischen Spannungen geprägt, und die Volksmarine war oft in Konfrontationen verwickelt. Am 2. Oktober 1990, nach der Wiedervereinigung, wurde die Volksmarine schließlich aufgelöst. Was einst ein Teil der nationalen Verteidigung war, ist nun Teil der Geschichte.

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Die Plattform im Greifswalder Bodden ist nicht nur ein Überbleibsel aus einer vergangenen Zeit, sondern auch ein Symbol für die Herausforderungen, die mit dem Erhalt solcher Erinnerungen verbunden sind. Die Auktion könnte einen neuen Besitzer finden, der der maroden Schönheit neues Leben einhaucht oder sie einfach in ihrer gegenwärtigen Form bewahrt – die Möglichkeiten sind vielfältig. Vielleicht wird die NVA-Entmagnetisierungsstation ja bald Teil eines neuen Kapitels.