Bundesumweltminister entdeckt Geisternetz bei Tauchgang in der Ostsee
Gestern war ein Tag, der in die Geschichte der Ostsee eintreten könnte. Bundesumweltminister Carsten Schneider hat einen Tauchgang vor den atemberaubenden Kreidefelsen des Königsstuhl auf der Insel Rügen unternommen. Es war nicht nur irgendein Tauchgang, sondern sein erster in der Ostsee – normalerweise zieht es ihn ins sonnige Mittelmeer. Doch die Sommerreise durch Mecklenburg-Vorpommern hatte ihn in die tiefen Gewässer der Ostsee geführt, und das aus gutem Grund.
Und was hat er dabei entdeckt? Unter Wasser brachte er ein Geisternetz mit an die Oberfläche – ein Netz, das Meeresbewohner gefährdet und das Wasser mit Mikroplastik belastet. „Im Wasser gab es nicht viel Fisch“, stellte er fest, während er in etwa sechs Metern Tiefe tauchte. Die Sicht war, sagen wir mal, nicht die beste – das Wasser leuchtete grün durch kleine, einzellige Algen. Diese Algen haben es in sich, denn die Ostsee leidet unter einem Übermaß an Nährstoffen, die durch Dünger ins Meer gelangen und das Algenwachstum begünstigen.
Ein akutes Problem für die Ostsee
Schneider betonte den dringenden Handlungsbedarf, um die Ostsee in Zukunft lebendig zu erhalten. Ein „Aktionsplan Meer“ soll her, um den Nährstoffeintrag zu verringern. Ein ganz schön ambitioniertes Vorhaben, wenn man bedenkt, dass Geisternetze, die er ans Licht brachte, ein großes Problem darstellen. Diese herrenlosen Fischernetze sind nicht nur gefährlich, sie tragen auch zur Mikroplastikverschmutzung bei. Jährlich verschwinden in den europäischen Meeren schätzungsweise zwischen 1.700 und 3.000 Tonnen Fanggeräte – und in der Ostsee sind es immerhin zwischen 5.000 und 10.000 Netzteile.
Geisternetze entstehen oft durch Unfälle, wie das Reißen von Netzen von Fangschiffen oder das Hängenbleiben an Wracks. Auch illegale Fischerei trägt dazu bei, dass Fischer Netze kappen, um zu entkommen. Dabei sind diese Netze nicht einfach weg – sie fangen weiterhin Fische und andere Meeresbewohner. Und das ist nicht nur ein Problem für die Tiere, sondern auch für uns Menschen. Schließlich sind die Meere die größte Nahrungsquelle für eine Milliarde Menschen weltweit.
Gemeinsame Anstrengungen für eine saubere Ostsee
Der WWF, der sich seit 2013 aktiv für die Bergung der Geisternetze einsetzt, nutzt innovative Methoden wie Sonarsysteme und die Ghostdiver-App, um die Netze zu lokalisieren. Das Engagement des WWF wird durch Projekte wie „Vernetzte Vielfalt an der Schatzküste“ unterstützt, finanziert vom Bundesamt für Naturschutz. Andrea Stolte vom WWF leitet den Einsatz zur Entfernung dieser Netze, unterstützt von Fischern wie Jan Wienholz, der mit seinem Kutter „Condor“ zur Stelle ist.
Das Team hat bereits bei der Bergung von Netzen traurige Entdeckungen gemacht – unter anderem fanden sie verfangene Tiere wie eine Flunder und einen toten Vogel. Es ist ein ständiger Kampf gegen die Mikroplastikverschmutzung und die Gefährdung der Meereslebewesen. Fischer sollen Unterstützung erhalten, wenn sie Netze verlieren, denn es ist klar, dass wir gemeinsam handeln müssen, um die Ostsee zu schützen. In den nächsten Wochen wird das Team weitere Boddengewässer untersuchen und hoffentlich noch mehr Netze bergen.
Schneider hat recht, wenn er den akuten Handlungsbedarf betont – die Ostsee ist nicht nur ein schöner Anblick, sondern auch ein Ökosystem, das unsere Aufmerksamkeit braucht. Die Veränderungen, die wir jetzt vornehmen, werden die Zukunft unserer Meere bestimmen. Und das gilt nicht nur für die Ostsee, sondern für alle Wasser, die uns umgeben.
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