In einer überraschenden Wendung wurde eine frühere Entmagnetisierungsstation der DDR, die sich südöstlich von Rügen befindet, in Hamburg versteigert. Der erfolgreiche Zuschlag fiel nach insgesamt 20 Geboten auf stolze 60.000 Euro, wobei das Mindestgebot zuvor bei 39.000 Euro lag. Der neue Besitzer, das österreichische Unternehmen McCube, hat große Pläne mit diesem besonderen Stück Geschichte. Oliver Pesendorfer, der Chef von McCube, möchte die Plattform als Kultur- und Veranstaltungsort nutzen und plant sogar, Hochzeiten dort abzuhalten.

Die Plattform erstreckt sich über 250 Quadratmeter und liegt malerisch zwischen der Halbinsel Reddevitz und der Insel Vilm im Greifswalder Bodden. Ursprünglich wurde die Anlage in den 1950er-Jahren für die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR erbaut. Vor der Auktion hatte die Immobilie bereits große mediale Aufmerksamkeit erregt, was zahlreiche Anfragen zur Folge hatte. Interessanterweise wollte Pesendorfer zunächst alleine bieten, entschloss sich jedoch kurz vor der Auktion, sich mit einem weiteren Bieter zusammenzuschließen.

Ein Blick in die Vergangenheit

Burkhard Lenz, der in Putbus auf Rügen aufgewachsen ist, kennt die Insel und ihre Geschichte gut. Er erinnert sich lebhaft an die spartanischen Lebensbedingungen der Soldaten, die dort stationiert waren und oft nicht einmal Zugang zu 220 Volt Strom oder Trinkwasser hatten. Tatsächlich wurde das Wasser in Tanks zur Insel gebracht, und die Soldaten blieben meist nur für kurze Zeit. Solche Erinnerungen werfen ein eindrucksvolles Licht auf die Lebensrealitäten in der DDR und die Herausforderungen, mit denen die Menschen konfrontiert waren.

Die Auktion und die Pläne für die Plattform sind nicht nur ein Zeugnis für die Wiederbelebung der Region, sondern auch ein Teil der breiteren Diskussion über das baukulturelle Erbe der DDR. Ministerin Dr. Schüle hat kürzlich die Bedeutung dieser Geschichte hervorgehoben und das Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung (IRS) hat seine Sammlung zur DDR-Alltags- und Architekturgeschichte geöffnet. Ab sofort sind zehntausende Fotos und Pläne von ostdeutschen Einrichtungen und Bauprojekten digital zugänglich. Es ist spannend zu sehen, wie die Vergangenheit in die Gegenwart integriert wird.

Digitale Zugänglichkeit von DDR-Erbe

Das IRS hat in den letzten 30 Jahren etwa 150 Vor- und Nachlässe ostdeutscher Planer und Architekten gesammelt. In Erkner existiert mittlerweile ein spezialisiertes Archiv, das sich der DDR-Architektur, Planungs- und Alltagsgeschichte widmet. Architekt Manfred Zache, der einst Bereichsleiter der Generalbebauungsplanung in Ost-Berlin war, betont die Wichtigkeit dieser Bestände. Es gibt viel zu entdecken! Die digitalisierten Archivalien können nicht nur thematisch, sondern auch in Kartenansicht durchsucht werden, was für viele Interessierte eine spannende Möglichkeit darstellt, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen.

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Die Plattform, die nun von McCube übernommen wurde, könnte also nicht nur ein neues kulturelles Zentrum werden, sondern auch dazu beitragen, die Geschichte und das Erbe der DDR lebendig zu halten. Wer weiß, vielleicht wird sie eines Tages zum Schauplatz für Veranstaltungen, die die Vergangenheit mit der Gegenwart verbinden. Die digitale Erschließung des Erbes der DDR ist ein Schritt in die richtige Richtung, und die Bürgerinnen und Bürger sind eingeladen, sich daran zu beteiligen. Das Online-Portal „Stadt-Raum-Geschichte“ ist unter www.stadt-raum-geschichte.de erreichbar und bietet einen ersten Einblick in die Schätze, die es zu entdecken gilt.