In Vegesack, einem Stadtteil von Bremen, zeichnen sich ab 2024 neue Entwicklungen im Bereich der offenen Kinder- und Jugendarbeit ab. Diese Veränderungen kommen nicht von ungefähr, sondern sind das Ergebnis intensiver Zusammenarbeit zwischen dem Sozialressort und verschiedenen Akteuren, die an der Erarbeitung neuer Mindeststandards beteiligt waren. Diese Standards sind nicht nur dazu gedacht, die Qualität der Angebote zu verbessern, sondern auch um die Mittelverteilung auf eine sozial gerechtere Grundlage zu stellen. Künftig wird die Verteilung der Mittel nämlich auf Sozialzentrumsebene erfolgen, wobei soziale Lage und Jugendstatistik berücksichtigt werden.
Die Pläne bringen auch Veränderungen und Erweiterungen der Angebote in Vegesack mit sich. Doch nicht alle sind mit dem Ergebnis zufrieden. Der Vegesacker Beirat und der Jugendbeirat äußern Kritik, da das Plus an Mitteln für Vegesack im Vergleich zu anderen Stadtteilen als unzureichend empfunden wird. Besonders ins Gewicht fällt hier die Forderung nach einer dauerhaften Finanzierung einer halben Stelle im Jugendhaus aus dem regulären Budget. Aktuell wird diese Stelle über Projektmittel finanziert, was die Planung und Durchführung von Angeboten erschwert.
Neue Standards für die offene Kinder- und Jugendarbeit
Um im Rennen um die finanziellen Mittel nicht ins Hintertreffen zu geraten, müssen die Einrichtungen in Vegesack nun Mindeststandards erfüllen. Dies ist ein entscheidender Schritt, denn zuvor erfolgte die Planung der Angebote auf Stadtteilebene, ohne klare Kriterien für Betrieb, Ausstattung und Fachkräfte. Die neuen Standards definieren Anforderungen an die Qualität, die Arbeit und die Ausstattung der Einrichtungen. Dadurch sollen die Angebote verlässlicher werden – sowohl für Jugendliche als auch für die Träger selbst. Es bleibt zu hoffen, dass alle Einrichtungen im Stadtteil erhalten bleiben; positive Nachrichten kommen aus dem Freizi Alt-Aumund und dem Mädchentreff Lilas Pause, wo das Angebot ausgebaut wird.
Die Verteilung der finanziellen Mittel zeigt jedoch deutliche Unterschiede: Während Blumenthal mit 1,3 Millionen Euro bedacht wird, erhält Vegesack nur 920.000 Euro, und Burglesum kommt auf 715.000 Euro. Der Vegesacker Jugendbeirat sieht den Stadtteil im Vergleich zu seinen Nachbarn benachteiligt. Diese Ungleichheit sorgt für Unmut und fordert ein Umdenken in der Mittelverteilung.
Die Bedeutung der Selbstbestimmung
Die offene Kinder- und Jugendarbeit ist ein freiwilliges und unverbindliches Angebot, das ohne besondere Voraussetzungen genutzt werden kann. Ein zentrales Element dieser Arbeit ist die Selbstorganisation und Mitbestimmung der jungen Menschen. Dies geht historisch auf die Jugendzentrumsbewegung zurück und stellt sicher, dass die Interessen und Anliegen der Jugendlichen in die Angebote einfließen. Selbstbestimmung ist dabei ein Grundstein dieser Arbeit und wird durch verschiedene Beteiligungsformen gefördert.
Es ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche aktiv an der Gestaltung ihrer Angebote mitwirken. Sie beeinflussen die Programme durch Gespräche und Beziehungen zu den Mitarbeitenden, und selbstorganisierte Gruppenaktivitäten sind ein fester Bestandteil ihrer Mitbestimmung. Allerdings wird oft übersehen, dass formale Beteiligungsstrukturen wie Vollversammlungen oder Jugendräte notwendig sind, um diese Mitbestimmung nachhaltig zu etablieren. Die Fachkräfte müssen darauf achten, dass junge Menschen nicht nur als „Kund*innen“ agieren, sondern wirklich in die Entscheidungsprozesse integriert werden.
Ein Vorschlag für Qualitätsstandards in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, der 2020 erarbeitet wurde, umfasst Aspekte wie unabhängige Teilnahme und die Mitgestaltung des öffentlichen Raums. Die Herausforderung hierbei ist, dass formale und rechtliche Regelungen manchmal die Selbstbestimmung und Mitbestimmung behindern können. Doch das Ziel bleibt klar: Die Beteiligung der Kinder und Jugendlichen sollte das pädagogische Handeln leiten, um ihnen eine aktive Rolle in der Gesellschaft zu ermöglichen.