Psychosoziale Notfallversorgung für Einsatzkräfte in Cloppenburg: Ein wegweisendes Konzept
In Cloppenburg tut sich etwas ganz Besonderes. Der DRK-Kreisverband hat sieben hauptamtliche Rettungskräfte zur psychosozialen Notfallversorgung ausgebildet – und das ist nicht nur lokal, sondern niedersachsenweit einzigartig für Einsatzkräfte. Nach belastenden Einsätzen können die Rettungskräfte direkt aus dem Dienst genommen werden, um in Gesprächen ihre Erlebnisse aufzuarbeiten. Hierbei wird mit speziell geschultem Personal gearbeitet, das selbst aus dem Rettungsdienst kommt. Diese Initiative ist nicht nur wichtig, sie ist dringend notwendig. Denn in den letzten Jahren waren Depressionen und Posttraumatische Belastungsstörungen die häufigsten Gründe für Arbeitsunfähigkeit im DRK-Kreisverband Cloppenburg.
Die Zahlen sind alarmierend: Diese Erkrankungen verzeichneten den stärksten Anstieg und sorgten für die längsten Ausfallzeiten. Daher war es nur logisch, dass der DRK-Kreisverband die Kosten für dieses neue Angebot selbst trägt, in der Hoffnung, langfristige Fördergelder zu akquirieren. Ziel ist es zudem, das System auch anderen Blaulichtorganisationen vorzustellen, um Nachahmer zu gewinnen. Es gibt hier viel Potenzial, und die Hoffnung, dass bis Ende 2026 alle Landkreise in Niedersachsen an die Telenotfallmedizin angeschlossen werden, klingt verlockend. Aber wie so oft gibt es auch hier Herausforderungen.
Psychosoziale Notfallversorgung – ein wichtiges Thema
Die psychosoziale Notfallversorgung für Einsatzkräfte (PSNV-E) hat das Ziel, die seelische Gesundheit der Helfer zu sichern. Diese Kräfte erleben oft extreme Situationen – Unfälle, Katastrophen, den Tod von Menschen – und das kann psychische Belastungen auslösen. PSNV-E erkennt diese Belastungen frühzeitig, mindert ihre Folgen und sichert die Einsatzfähigkeit. Man könnte sagen, es ist eine Art Schutzschild, das den Einsatzkräften hilft, mit dem Druck umzugehen, den ihr Beruf mit sich bringt.
Die Bedeutung der psychosozialen Unterstützung wurde in Deutschland besonders nach den tragischen Großereignissen der 2000er Jahre deutlich, wie dem Amoklauf in Erfurt oder den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Ein nationaler Konsensusprozess führte zur Festlegung bundesweiter Qualitätsstandards und zur Unterscheidung zwischen PSNV für Betroffene (PSNV-B) und für Einsatzkräfte (PSNV-E). Allerdings gibt es derzeit keinen bundeseinheitlichen Standard für PSNV-E, was die Ausbildung von PSNV-Leitern betrifft. Das ist ein Punkt, den man nicht aus den Augen verlieren sollte.
Ein strukturierter Ansatz zur Unterstützung
PSNV-E umfasst präventive, begleitende und nachsorgende Maßnahmen. Die Struktur ist klar in drei Bausteine aufgeteilt: Vorbereitung, Begleitung und Nachsorge. Bei der primären Prävention stehen Schulungen und Trainings zur Förderung von Resilienz und psychischer Erste Hilfe im Vordergrund. Sekundäre Prävention findet während des Einsatzes statt und hilft, Überlastung zu erkennen. Die Nachsorge erfolgt in Form strukturierter Gespräche, um die Belastungen nach dem Einsatz zu verarbeiten.
Die Grundprinzipien dieser psychosozialen Versorgung sind einfach, aber wirkungsvoll: Salutogenese, das Peer-Prinzip, Vertraulichkeit, Freiwilligkeit und Feldkompetenz. Ein solcher Rahmen bietet den Einsatzkräften die Möglichkeit, über ihre Erfahrungen zu sprechen und sich gegenseitig zu unterstützen. Es ist beruhigend zu wissen, dass moderne Einsatzkulturen zunehmend Wert auf solche Maßnahmen legen. Der BRH Bundesverband Rettungshunde e.V. hat beispielsweise 2023 PSNV-E-Ausbildungen für seine Einsatzkräfte ins Leben gerufen.
Wichtige Leitfäden für die Praxis
Ein nicht zu vernachlässigender Aspekt ist der Leitfaden zur psychosozialen Notfallversorgung für Einsatzkräfte, die DGUV Information 205-038. Diese Informationsquelle vermittelt wertvolle Kenntnisse über potenzielle Belastungen im Dienst, psychisch bedingte Reaktionen auf außergewöhnliche Ereignisse und die Hilfsangebote der psychosozialen Notfallversorgung. Gerade für die Einsatzkräfte von Feuerwehren, Hilfeleistungsorganisationen und dem Technischen Hilfswerk ist dieser Leitfaden von großer Bedeutung.
Für die Verantwortlichen – seien es Gemeinden, Städte oder Landkreise – bietet dieser Leitfaden zudem Hinweise, um Gefährdungen für die Psyche frühzeitig zu erkennen und geeignete Angebote zur Reduzierung der Belastungen anzufordern. So wird die seelische Gesundheit der Einsatzkräfte nicht nur gefördert, sondern auch in die Organisationsstrukturen integriert. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, und man kann nur hoffen, dass er in Zukunft weiter ausgebaut wird.
Insgesamt zeigt sich, dass die psychosoziale Unterstützung für Einsatzkräfte nicht nur ein wichtiges Thema ist, sondern auch ein dringendes. Es ist an der Zeit, dass diese Aspekte in der breiten Öffentlichkeit mehr Beachtung finden und weitere Organisationen auf diesen Zug aufspringen.
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