In Delmenhorst, einer Stadt im Norden Deutschlands, kämpft Harald Ricklefs, ein 91-jähriger Mann, um seine Mobilität. Mit seinem Elektromobil, das er seit einem Dreivierteljahr nutzt, möchte er am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Doch die Realität sieht anders aus. Umlaufsperren auf den Geh- und Radwegen stellen für ihn und viele andere Nutzer eine erhebliche Hürde dar. Es ist nicht nur eine Behinderung für Elektromobile, sondern auch für Lastenräder und Tandems. Wenn man bedenkt, dass viele dieser Sperren seit 55 Jahren bestehen, wird klar, dass hier Handlungsbedarf besteht. Die Stadt Delmenhorst prüft momentan die Passierbarkeit und Notwendigkeit dieser Umlaufsperren. Ein Umbau an der Fischstraße, der barrierearm gestaltet werden soll, steht für das kommende Jahr auf der Agenda.

Die Probleme, die Ricklefs beschreibt, sind nicht neu. Hohe Bordsteinkanten und unüberwindbare Hindernisse machen es für viele Menschen mit Mobilitätseinschränkungen schwer, sich frei zu bewegen. Carsten Finck von der Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahngesellschaft (DHE) erkennt die Problematik und verspricht Verbesserungen. Auch Burkhard Kühnel-Delventhal, stellvertretender Vorsitzender des ADFC in Delmenhorst, äußert Kritik an den Umlaufsperren. Er sagt, sie seien unzureichend für Radfahrer. Kritiker fordern, dass an manchen Stellen Poller ausreichen würden, um den Verkehr zu regulieren, ohne die Zugänglichkeit zu beeinträchtigen. Das klingt alles nach einem klassischen Fall von „Wir müssen da was tun!“

Die Notwendigkeit barrierefreier Planung

Wendelin Mühr, ein Diplom-Ingenieur für Straßenbau und Tiefbau, hat sich seit dem Inkrafttreten des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG) im Jahr 2002 dem barrierefreien Planen und Bauen gewidmet. Seine Erfahrungen und Kenntnisse könnten auch in Delmenhorst wertvoll sein. Mühr entwickelte Planungsvorlagen, die auf Regelwerken und Normen basieren, um den Bedürfnissen von Menschen mit Behinderungen Rechnung zu tragen. Er arbeitete bis Ende 2018 in seinem Ingenieurbüro „Barrierefreies Planen und Bauen Fulda“ und beriet dabei Kommunen, Bauherren und Planungsbüros. Solche Experten könnten als Berater für die Stadt Delmenhorst fungieren, um die bestehenden Probleme anzugehen.

Die Stadt hat bereits Schritte unternommen, um die Umlaufsperren an Geh- und Radwegen zu erfassen und deren Einhaltung der Regelwerke zu überprüfen. Das ist ein wichtiger Anfang. Doch wie sieht es mit den Regelwerken aus, die eine barrierefreie Gestaltung fördern? Die DIN 18040-3, die zentrale Norm für die barrierefreie Planung von Verkehrs- und Außenanlagen, könnte hier als Leitfaden dienen. Diese Norm, zusammen mit anderen technischen Regelwerken, gibt Hinweise für die Gestaltung von Verkehrsanlagen, die für alle Menschen zugänglich sein sollten. Die EU-Verordnung 1300/2014 legt zudem technische Spezifikationen für die Zugänglichkeit des Eisenbahnsystems fest.

Die DHE hat bereits eine Umlaufsperre in Großmackenstedt barrierearm umgebaut und plant weitere Umbauten, was Hoffnung auf Besserung gibt. Dennoch bleibt die Frage, ob diese Maßnahmen ausreichend sind, um die Bedürfnisse aller Bürger zu erfüllen. Ricklefs muss vorerst den Hakenweg umfahren, kann aber immerhin mit Rückenwind bis zu 19 km/h erreichen. Es bleibt spannend zu sehen, wie sich die Situation in Delmenhorst entwickeln wird. Die Herausforderungen sind groß, doch der Wille zur Verbesserung ist vorhanden.

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