In Delmenhorst wird Geschichte lebendig! Ein ganz besonderer Ort, der während des Zweiten Weltkriegs als Schutz für Schüler diente, wird nun als Mahnmal und Außenstandort des Nordwestdeutschen Museums für Industriekultur zugänglich gemacht. Der Deckungsgraben am Annenheider Bahnhof, mit dem offiziellen Namen „Massiver Deckungsgraben MD 14“, ist ein eindrucksvolles Relikt aus einer dunklen Zeit. Er wurde 1942 errichtet und ist der einzige noch begehbare Deckungsgraben in der Stadt. Mit einer Länge von 40 Metern, einer Breite von 1,75 Metern und einer Höhe von 2,20 Metern ist er nicht nur ein beeindruckendes Bauwerk, sondern auch ein Ort der Erinnerung.
Die Eröffnung dieses Mahnmals fand kürzlich statt, und unter den Gästen war auch Franz Rupert, ein Zeitzeuge, der seine Erfahrungen als Kind in Bunkeranlagen während des Krieges teilte. Er erzählte, wie es sich anfühlte, in solchen Schutzräumen zu sein – eine berührende Rückschau, die das Publikum fesselte. Oberbürgermeisterin Petra Gerlach wies darauf hin, dass der Deckungsgraben nie wirklich bombensicher war. Das spiegelt sich auch in der Bauweise wider, denn Delmenhorst galt nach Nazi-Logik als Stadt zweiten Ranges. Während des Krieges wurden insgesamt 84 Deckungsgräben in der Stadt errichtet, aber nur fünf sind bis heute erhalten geblieben.
Einblicke in die Vergangenheit
Der Deckungsgraben, der nun als Mahnmal dient, wurde 2018 entdeckt, als Norbert Boese einen Artikel über Bunkeranlagen veröffentlichte. Ein Jahr später fiel die Entscheidung, den Ort zu einer Gedenkstätte zu machen, und ab Ende Mai beginnen die Führungen für die Öffentlichkeit und Schulklassen. Diese Führungen sollen von April bis September stattfinden, mit Unterstützung des städtischen Baubetriebs, der sich um die Instandhaltung kümmert. Das didaktische Konzept wird in Zusammenarbeit mit Studierenden der Universität Oldenburg entwickelt, um die Geschichte lebendig zu halten und den Besuchern näherzubringen.
Die Stadt Delmenhorst war während des Zweiten Weltkriegs als luftgefährdeter Ort zweiter Ordnung klassifiziert, weshalb keine bombensicheren Luftschutzanlagen des Selbstschutzes errichtet wurden. Stattdessen entstanden mindestens 193 verbunkerte Luftschutzanlagen im Stadtgebiet, darunter massive Deckungsgräben und mehrere Tausend LS-Keller. Diese Anlagen sollten den Bürgern Schutz bieten, doch viele waren nicht wirklich sicher. Delmenhorst lag in der Einflugschneise der Alliierten auf dem Weg nach Bremen, was die Stadt zu einem Angriffsziel machte. So kam es am 8. Oktober 1943 zu einem Bombenangriff, der zwar nicht zu größeren Zerstörungen führte, aber trotzdem 79 Luftkriegsopfer forderte.
Der Weg zur Gedenkstätte
Eine der erhaltenen Anlagen, die in Delmenhorst zu finden ist, befindet sich auf der Burginsel und dient heute als Fledermausquartier. Diese besondere Nutzung zeigt, wie sich die Geschichte wandeln kann. Der Deckungsgraben auf der Burginsel wurde 1943 für die Luftschutzpolizei errichtet und bot Platz für 100 Personen. Nach dem Krieg wurde er als Lagerraum genutzt. In Adelheide, nicht weit vom Fliegerhorst, wurden mindestens 60 Schutzräume errichtet, von denen 31 erhalten sind. Die meisten dieser Schutzräume wurden durch militärische Förderung der Luftwaffe gebaut, was die damalige Strategie verdeutlicht.
Die Bauweise der Luftschutzbunker und Deckungsgräben war vielfältig. Unterschieden wurde zwischen unterirdischen Anlagen (Tiefbunker) und oberirdischen (Hochbunker). Letztere erhielten oft ein nicht notwendiges Dach, um wie Wohnhäuser auszusehen. In vielen dieser Bunker gab es verschiedene Nebenräume, die mit Küchen, Vorratsräumen und sogar medizinischen Behandlungszimmern ausgestattet waren. Die Schutzräume waren in der Regel aus Stahlbeton gefertigt, mit Wand- und Deckenstärken von bis zu 3,50 Metern – eine beeindruckende Bauweise, die allerdings oft nicht den Schutz bot, den die Menschen sich erhofft hatten.
Die erste öffentliche Führung des neuen Mahnmals findet am Donnerstag, den 21. Mai, ab 17 Uhr statt. Jeder, der sich für die Geschichte dieser Stadt interessiert, sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, in die Vergangenheit einzutauchen und mehr über die Schicksale der Menschen zu erfahren, die hier lebten und litten.