In Deutschland gibt es eine besorgniserregende Entwicklung im Apothekenwesen. Die Zahl der Apotheken ist auf den niedrigsten Stand seit 1977 gesunken. Ende März 2026 zählte man nur noch 16.541 Apotheken, was einen Rückgang von 60 Apotheken seit Jahresbeginn bedeutet. Diese Situation wird vor allem durch wirtschaftlichen Druck, Personalmangel und die stagnierende Vergütung verursacht, die seit über zehn Jahren unverändert bleibt. Besonders im Landkreis Diepholz ist diese Tendenz spürbar: Seit 2010 hat sich die Zahl der Apotheken dort um fast 23 Prozent verringert. Es sind herausfordernde Zeiten für die Apotheker, die nicht nur um ihre Existenz kämpfen, sondern auch um die medizinische Versorgung der Bevölkerung.
Die Apothekerkammer Niedersachsen warnt eindringlich vor der Unverzichtbarkeit der Apotheken für die medizinische Versorgung. Rund 7 Prozent der Apotheken in Deutschland schreiben rote Zahlen oder erzielen geringere Einnahmen als ihre angestellten Kollegen. Besonders dramatisch ist die Situation in ländlichen Regionen, wo die Apotheken oft die einzige Anlaufstelle für die Bürger sind. Philip Hohnstedt, Filialleiter einer Apotheke in Syke, berichtet von einem veränderten Kaufverhalten und einem akuten Personalmangel, was die Lage zusätzlich erschwert.
Wirtschaftliche Herausforderungen und Forderungen
Die Branche fordert dringend eine Anhebung des Honorars von derzeit 8,35 Euro pro Packung auf 9,50 Euro. Diese Erhöhung war im Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD vereinbart worden, jedoch aufgrund der angespannten Finanzlage der gesetzlichen Krankenkassen zurückgestellt. Gesundheitsministerin Nina Warken hat angekündigt, sich des Themas anzunehmen, allerdings ohne konkreten Zeitplan – das lässt Raum für Spekulationen.
Interessanterweise bleibt die wirtschaftliche Lage laut dem Kassen-Spitzenverband „insgesamt ziemlich gut“. Doch viele Apotheker sehen das anders: Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind alles andere als rosig. Viele Apotheken stehen trotz leicht gestiegener Umsätze unter immensem Druck. Rund 26 Prozent der Apotheken haben im Jahr 2024 ein Betriebsergebnis von unter 75.000 Euro erzielt. Das lässt sich schwerlich mit den gestiegenen Kosten für Personal und Betrieb aufwiegen. Der Wareneinsatz liegt bei beeindruckenden 80 Prozent des Umsatzes.
Der Deutsche Apothekerverband (DAV) rechnet für 2025 mit weiteren Schließungen. Im laufenden Jahr haben bereits 383 Apotheken ihre Türen geschlossen, und die Gesamtzahl sank von 17.041 Ende 2024 auf 16.908 Ende des ersten Quartals 2025. Die Schließungen gefährden nicht nur die Resilienz der Arzneimittelversorgung, sondern auch die der Gesundheitsversorgung insgesamt. Die ABDA hat bereits gewarnt, dass die Schließungen vor allem ländliche Regionen und strukturschwache Stadtteile hart treffen.
Der lange Schatten des Apothekensterbens
Die Gründe für das Apothekensterben sind vielfältig. Altersbedingte Schwierigkeiten bei der Nachfolge, Personalmangel und ein geringer Jahresumsatz gehören zu den Hauptfaktoren. Viele Apotheken müssen mit einer hohen Arbeitslast klarkommen, während die Einnahmen stagnieren. Die Schließungen haben zur Folge, dass Patienten, besonders nachts und am Wochenende, oft weite Wege zurücklegen müssen, um ihre Medikamente zu erhalten. Ein Umstand, der nicht nur für die Apotheker, sondern auch für die Patienten frustrierend ist.
Bundesgesundheitsministerin Warken hat ein Reformpaket angekündigt, das neue Angebote in Apotheken und Lockerungen der Vorschriften umfasst. Doch es gibt auch Bedenken, dass diese Maßnahmen großen, kapitalgetriebenen Konzernen den Zugang zum Markt erleichtern könnten. Die Apothekerkammer ist besorgt, dass dadurch die kleine, vor Ort ansässige Apotheke noch weiter ins Hintertreffen gerät.
In der aktuellen Situation bleibt abzuwarten, wie sich die politischen Rahmenbedingungen entwickeln und ob die angekündigten Maßnahmen zu einer Stabilisierung der Apothekenlandschaft führen können. Die Herausforderungen sind enorm, und die Zeit drängt.
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in dem Artikel des Weser-Kuriers.