Im Emsland sorgt eine invasive Hirschart, der Chinesische Muntjak, für Aufregung. Diese Art, die ursprünglich aus Asien stammt, wurde erstmals im November 2025 in Haselünne gesichtet. Muntjaks sind mit etwa einem halben Meter Höhe relativ klein und ernähren sich hauptsächlich von Früchten und Blättern. Auch wenn sie als scheu gelten und laut Landkreis Emsland keine körperliche Gefahr für Menschen darstellen, bringen sie ökologische Risiken mit sich. Denn ihre Lebensweise kann Brut- und Futterplätze von Vögeln erheblich schädigen.
Tierärztin Heike Weber hat daher die dringende Empfehlung ausgesprochen, den Muntjak „schnellstmöglich“ zu entnehmen. Die Situation ist allerdings kompliziert, da in Wohngebieten der Einsatz von Waffen nicht erlaubt ist. Der Landkreis Emsland investiert 150.000 Euro in spezielle Fallen, um das Tier zu fangen. Mögliche Methoden zur Entnahme sind Betäubung oder der Einsatz von Lebendfallen.
Die Ausbreitung des Muntjaks
Die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel hat kürzlich auf mutmaßlich illegal freigelassene Muntjaks in Schleswig-Holstein hingewiesen. In einer Mitteilung im Rahmen der Faunistischen-Ökologischen Arbeitsgemeinschaft e.V. (FÖAG) wird die Besorgnis über die mögliche Ausbreitung dieser Tiere in der Region geäußert. Muntjaks können das ganze Jahr über Nachwuchs bekommen und sind frühreif, was ihre Population schnell ansteigen lassen könnte. Trotz eines unionsweiten Handels- und Haltungsverbots werden sie zum Kauf angeboten, was die Situation zusätzlich erschwert.
Die EU hat Muntjaks bereits 2014 als invasive Art eingestuft, was bedeutet, dass ihre Entnahme aus der Natur gemäß der EU-Verordnung 1143/2014 verpflichtend ist. Obwohl die Ausbreitung auf dem europäischen Festland bisher gering ist, warnen Wissenschaftler, dass die Tiere eine Gefährdung der heimischen Biodiversität darstellen. Die Behörden und Jagdrevierinhaber sind daher rechtlich verpflichtet, die Muntjaks zu beseitigen und weitere Ansiedlungsversuche zu verhindern.
Ein drohendes ökologisches Problem
In Deutschland sind mittlerweile mindestens 168 invasive Arten bekannt, die potenziell negative Auswirkungen auf die heimische Flora und Fauna haben können. Muntjaks stellen hierbei eine besondere Herausforderung dar, da sie nicht nur Pflanzenfresser sind, sondern auch kleine Wirbeltiere und Vogeleier erbeuten. Dies könnte zu einer zusätzlichen Prädation der Bodenfauna und von Bodenbrütergelegen führen, was die ohnehin schon angespannte Situation für heimische Arten weiter verschärfen würde.
Die EU führt eine „Unionsliste“ invasiver Arten, die Lebensräume, Arten oder Ökosysteme beeinträchtigen können. Diese Liste umfasst derzeit 114 Arten, und die Einstufung invasiver Arten erfolgt auf verschiedenen Ebenen, um effektive Bekämpfungsmaßnahmen zu ermöglichen. Invasive Arten wie der Muntjak müssen vollständig bekämpft werden, insbesondere in einem frühen Verbreitungsstadium, um größere ökologische Schäden zu vermeiden.
Die Situation rund um den Muntjak im Emsland ist ein weiteres Beispiel für die Herausforderungen, die invasive Arten für unsere heimischen Ökosysteme darstellen. Der Umgang mit diesen Arten erfordert ein koordiniertes Handeln von Behörden, Wissenschaftlern und der Öffentlichkeit, um die Biodiversität in unserer Region zu schützen.