Die Stadt Göttingen feiert heute ein ganz besonderes Ereignis: Das Kussverbot für das beliebte Wahrzeichen Gänseliesel wird anlässlich seines 125-jährigen Bestehens vorübergehend aufgehoben. Seit einem Jahrhundert galt das Verbot, das die meistgeküsste Figur Deutschlands vor ungebetenen Küssen schützen sollte. Der Gänseliesel, der seit 1901 stolz vor dem Alten Rathaus auf dem Marktplatz steht, gilt als eine Symbolfigur der Stadt und zieht sowohl Einheimische als auch Touristen in seinen Bann.

Traditionell küssen frisch promovierte Doktoranden das Gänseliesel und bringen Blumen als Zeichen ihrer Dankbarkeit nach dem erfolgreichen Abschluss ihrer Prüfung. In einer besonderen Aktion hat der Rat der Stadt Göttingen nun beschlossen, das Betreten des Brunnens, auf dem die Figur steht, für drei Tage aufzuheben. Dies geschieht in festgelegten Zeitfenstern von jeweils 125 Minuten, um Bürgern und Gästen die Möglichkeit zu bieten, dem Gänseliesel zum Geburtstag zu gratulieren. So werden heute, am 19. April 2026, die ersten 125 Minuten während des „Science goe City-Events“ eingeläutet. Weitere Termine sind bereits für den 4. Juni und den 27. September 2026 festgelegt.

Eine lange Geschichte und zahlreiche Traditionen

Das Kussverbot wurde 1926 per Verordnung eingeführt und sah eine Geldstrafe von bis zu 150 Mark für das Besteigen des Brunnens vor. In der Praxis wurde das Verbot jedoch über die Jahre kaum durchgesetzt. Eine Anekdote aus der Vergangenheit erzählt von Georg Graf Henckel zu Donnersmarck, der beim Küssen des Gänseliesels erwischt wurde und eine Geldbuße zahlen musste. Dennoch erfreut sich die Figur großer Beliebtheit, besonders bei den Doktoranden, die diese Tradition hochhalten.

Ein weiteres Highlight der Feierlichkeiten ist die Sonderausstellung im Städtischen Museum, die am 9. April 2026 eröffnet wird. Interessanterweise befindet sich das Original-Gänseliesel im Museum, während auf dem Marktplatz eine Kopie steht. Seit 1996 wird zudem jährlich eine junge Frau zum „Gänseliesel“ gewählt, die Göttingen repräsentiert.

Internationale Bekanntheit und touristische Anziehungskraft

Das Gänseliesel hat nicht nur in Göttingen einen hohen Stellenwert, sondern ist auch international bekannt. Eine Nachbildung der Figur wurde 1989 im Freizeitpark „Glückskönigreich“ in Obihiro, Hokkaido, Japan, aufgestellt. Touristen aus aller Welt, insbesondere aus China und Japan, nutzen die Gelegenheit für Fotostopps am Brunnen. Medienvertreter aus verschiedenen Ländern berichten regelmäßig über das Gänseliesel, und Blogger fragen oft beim Göttingen Tourismus nach Informationen über die beliebte Figur.

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Ein Besuch in Göttingen wäre nicht vollständig ohne ein Foto mit dem Gänseliesel. In der Tourist-Information sind Talar und Doktorhut erhältlich, um den Abschluss symbolisch nachzustellen. Die Figur hat eine lange Geschichte, die sie durch viele bedeutende Ereignisse in der Stadt begleiteten, darunter Studierenden-Proteste in den 1960er Jahren und die Atomkatastrophe in Fukushima 2011. Während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 blieb das Gänseliesel trotz einiger Schäden unerschütterlich auf seinem Sockel stehen.

Mit der temporären Aufhebung des Kussverbots wird die Stadt Göttingen nicht nur ihrer Tradition gerecht, sondern bietet auch eine schöne Gelegenheit, das Gänseliesel gebührend zu feiern. Für viele ist es ein Zeichen der Verbundenheit zur Stadt und nicht nur ein hübsches Fotomotiv. Das Gänseliesel bleibt ein fester Bestandteil der Göttinger Identität – und das nicht nur für die Einheimischen.

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