In Niedersachsen kündigt sich ein sommerlich warmes Pfingstwochenende an. Die Temperaturen könnten bis zu 30 Grad erreichen, was für viele die beste Zeit für ein erfrischendes Bad im eigenen Schwimmbecken oder eine ausgedehnte Gartenbewässerung ist. Doch hier kommt ein Wermutstropfen: Umweltminister Christian Meyer hat die Bevölkerung zur Wassereinsparung aufgerufen. Grund dafür sind die alarmierend niedrigen Grundwasserstände, die trotz der Niederschläge im Mai in vielen Regionen anhalten. Eine beunruhigende Zahl: 93 von 161 Messstellen zeigen niedrigere Grundwasserstände als im langjährigen Mittel für Mai. Neun Messstellen haben sogar den bisherigen niedrigsten Wert unterschritten.
Für die Talsperren im Harz sieht es auch nicht rosig aus. Mit einem aktuellen Füllstand von nur 64 Prozent liegen sie deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von 78 Prozent. Meyer betont die angespannte Lage und warnt vor zunehmenden Dürre- und Trockenphasen, die durch die Klimakrise noch verschärft werden könnten. Besonders betroffen sind die Landwirtschaft, Gewässer und die öffentliche Wasserversorgung. In der Vergangenheit mussten teils Einschränkungen bei der Wasserentnahme angeordnet werden. Daher appelliert er an die Privathaushalte, die Befüllung von Schwimmbecken und die Bewässerung von Gärten einzuschränken. Für die Landwirtschaft empfiehlt er, die Felder möglichst nachts zu beregnen, um die Verdunstung zu minimieren.
Gravierender Grundwasserstress in Deutschland
Doch Niedersachsen ist nicht allein mit diesem Problem. Laut einer neuen Studie des BUND wird in der Hälfte aller deutschen Landkreise und kreisfreien Städte mehr Grundwasser entnommen, als durch Niederschläge nachgebildet werden kann. Besonders betroffen sind die Trockenregionen im Osten und die Ballungszentren wie die Rheinschiene und Teile Niedersachsens. Die Studie kombiniert verschiedene Datensätze zu Grundwasserständen, -nutzung und -neubildung und zeigt, dass in 94 Landkreisen die Grundwasserstände in den letzten Jahren signifikant gesunken sind. Der Wasserbedarf steigt in Trocken- und Dürrejahren, vor allem für die Bewässerung von Feldern, was die Situation zusätzlich anspannt.
Das Grundwasser ist die wichtigste Ressource für die Trinkwasserversorgung in Deutschland – über zwei Drittel unseres Trinkwassers stammen aus Grund- und Quellwasser. Die Belastungen durch Landwirtschaft, Industrie und Bergbau gehen also nicht spurlos an dieser wertvollen Ressource vorbei. Im Hitzesommer 2023 mussten über 80 Landkreise die Wasserentnahme bereits einschränken. Die Ursachen für den Grundwasserstress sind vielfältig, von der öffentlichen Wasserversorgung über industrielle Großverbraucher bis hin zur Landwirtschaft. Der BUND fordert eine Senkung des Wasserverbrauchs, eine Priorisierung der Nutzungen und die Erhaltung der Wasserqualität.
Handlungsbedarf und Zukunftsperspektiven
Die Nationalen Wasserstrategie bietet Handlungsempfehlungen, um die Situation zu verbessern. Dazu gehört, den Verbrauch zu reduzieren und fair zu verteilen, sowie die Wasservorräte durch Renaturierung von Ökosystemen zu stärken. Grundwasser ist nicht nur entscheidend für die Trinkwasserversorgung, sondern auch für Pflanzen, Böden und Ökosysteme. Deutschland sieht sich zunehmend mit Wasserverfügbarkeitsproblemen konfrontiert, und die Herausforderungen durch Verschmutzungen sind enorm. Nitrat, Phosphat und Ewigkeitschemikalien stellen eine ernsthafte Bedrohung dar.
Die Zukunft sieht nicht gerade rosig aus. Einschränkungen der Wasserversorgung, Waldsterben, Ernteausfälle sowie die Gefahren von Starkregen und Überflutungen machen deutlich, dass wir uns in einem kritischen Punkt befinden. Die Ansiedlung wasserintensiver Industrien erhöht langfristig den Wasserbedarf in bestimmten Regionen. Es wird höchste Zeit, dass sowohl die Politik als auch die Bevölkerung Verantwortung übernehmen, um unser wichtigstes Gut, das Wasser, zu schützen und nachhaltig zu bewirtschaften.
