In Hildesheim gibt es Neuigkeiten, die nicht nur die Einheimischen interessieren dürften, sondern auch die Freunde des guten Essens aus der Umgebung. Die Wienerwald GmbH mit Sitz in dieser Stadt plant, eine neue Erfolgsgeschichte zu schreiben. Am 1. November 2023 eröffnete das erste neue Wienerwald-Restaurant in Torfhaus im Harz, gefolgt von einer weiteren Filiale am Hohnsensee in Hildesheim. Die Geschichte dieser Restaurantkette ist geprägt von Höhen und Tiefen, die sowohl ihre Gründer als auch die treuen Kunden erlebt haben.
Der Ursprung von Wienerwald geht zurück ins Jahr 1955, als Friedrich Jahn in München das Unternehmen gründete. Damals begann alles in der „Linzer Stube“. Der Slogan „Heute bleibt die Küche kalt, wir gehen in den Wienerwald“ wurde bald zum Markenzeichen. Die Idee, günstiges Chicken aus den USA anzubieten und es gemeinsam zu grillen, kam bei den Gästen gut an. Bis 1978 war die Kette auf rund 700 Restaurants in Deutschland und Österreich angewachsen und zählte sogar 1.600 weltweit. Ein bemerkenswerter Aufstieg, der nicht ohne Herausforderungen war.
Der Aufstieg und Fall eines Gastronomieimperiums
Die Eröffnung der deutschen Niederlassung in Hildesheim am 8. August 1980 war ein weiterer Schritt in der Expansion. Der Standort in der Scheelenstraße 10 wurde in nur sechs Wochen von „gastro bau“ umgebaut. Mit einer Gestaltung, die eine österreichische Atmosphäre versprach, inklusive Lüftlmalerei vom bayerischen Maler Sepp Ingerl, zog das Restaurant viele Gäste an. Zum Eröffnungspreis von 3,95 Mark gab es halbes Wienerwald-Hendl – ein Preis, der wirklich ins Budget passte. Die Öffnungszeiten von 10 Uhr bis 1 Uhr boten zudem reichlich Gelegenheit, den Grillspaß zu genießen.
Mit dem Höhepunkt von 1.536 Restaurants weltweit und etwa 27.000 Mitarbeitern schien alles auf einem guten Weg. Doch die Geschichte nahm eine Wendung: Das Unternehmen meldete 1982, 2003 und 2007 Insolvenz an. Die Diversifikation in Hotels und andere Gastronomie-Konzepte hatte Kapital und Managementaufmerksamkeit vom Kerngeschäft abgezogen. Es war eine harte Lektion über die Wichtigkeit, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren – das Hähnchen vom Drehspieß und die rustikale Atmosphäre, die Wienerwald einst ausmachte.
Eine neue Ära für Wienerwald
Die Übernahme durch Renate Thyssen 1986 brachte zwar frischen Wind, doch der juristische Streit mit Jahn über die Rückübertragung gewinnbringender Lokale blieb nicht aus. Unter Thyssens Führung wuchs Wienerwald in Österreich, während die Marke in Deutschland an Bedeutung verlor. Ein Verkauf an Grand Metropolitan im Jahr 1988 führte dazu, dass Wienerwald in den 1990er Jahren schließlich getrennte Wege in Deutschland und Österreich ging. Ein weiteres Insolvenzverfahren 2003 führte zu Filialschließungen und einer deutlichen Reduzierung der Standorte.
Im Jahr 2022 gab es nur noch 12 Standorte, und die Zahl reduzierte sich schnell. Doch die Geschichte von Wienerwald ist noch nicht zu Ende. Der neue Ansatz, der mit der Eröffnung in Torfhaus eingeleitet wurde, könnte ein Zeichen der Wende sein. Die Wienerwald GmbH möchte an die Erfolge vergangener Tage anknüpfen und hat die Marke von Family Brands Operations Company GmbH übernommen. Die Hoffnung auf eine Rückkehr zu den Wurzeln und eine Wiederbelebung der Restaurantkette lebt weiter. Vielleicht wird der Slogan bald wieder zum Alltag der Menschen gehören – und die Küche bleibt tatsächlich kalt, während die Gäste in den Wienerwald gehen.
Für weitere Informationen zur Geschichte des Wienerwald-Restaurants und seinen Entwicklungen, schauen Sie gerne auf die Hildesheimer Allgemeinen. Hier gibt es spannende Einblicke und Details zur Geschichte und den aktuellen Entwicklungen der Kette.