Vermisste 89-Jährige in Holzminden: Suche nach Christel S. läuft auf Hochtouren
In Holzminden, einer kleinen Stadt in Niedersachsen, wird die Bevölkerung von einer besorgniserregenden Nachricht erschüttert. Die 89-jährige Christel S. wird seit Donnerstagabend, dem 4. Juni, vermisst. Sie hat das Seniorenheim am Pipping verlassen und wurde zuletzt gegen 21.30 Uhr dort gesehen. Die Situation wurde ernst, als um 22.10 Uhr festgestellt wurde, dass sie nicht mehr in der Einrichtung ist. Aufgrund ihres Gesundheitszustandes wird von einer hilflosen Lage ausgegangen, was die Suchmaßnahmen umso dringlicher macht.
Umgehend wurden umfangreiche Suchmaßnahmen eingeleitet. An diesen beteiligt sich eine Vielzahl von Organisationen: die Polizei, Feuerwehr, das Deutsche Rote Kreuz, die Johanniter sowie das Technische Hilfswerk. Besonders besorgniserregend ist, dass trotz aller Bemühungen, einschließlich des Einsatzes eines Polizeihubschraubers und Drohnentechnik, Christel S. bislang nicht gefunden wurde. Die Vermisste ist etwa 1,58 Meter groß, wiegt rund 47 Kilogramm und hat weißes Haar. Über ihre Bekleidung sind jedoch keine gesicherten Erkenntnisse vorhanden. Hier sind alle, die etwas gesehen haben, aufgefordert, sich bei der Polizei Holzminden unter der Telefonnummer 05531 9580 oder jeder anderen Polizeidienststelle zu melden. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.
Der Einsatz von Suchhunden
Eine interessante Perspektive in solchen Vermisstenfällen ist der Einsatz von Suchhunden. Hundetrainer Andreas Kühm führt seit 2004 im CasaMia-Haus in Duisburg Röttgersbach regelmäßige Trainings mit Suchhunden durch. Diese Kooperation entstand über einen befreundeten Heimleiter, der zuvor mit Kühm bei der AWO zusammengearbeitet hatte. Die Zielsetzung dabei ist klar: Suchhunde sollen insbesondere Menschen mit Demenz finden, die sich verlaufen haben. Oftmals sind diese Personen mobil, haben jedoch Schwierigkeiten, ihren Weg zurückzufinden. Das kennt man ja auch aus dem eigenen Umfeld – wenn die Eltern plötzlich nicht mehr wissen, wo sie sind.
In einem Training kam es bereits zu einem Notfall, als ein älterer Herr sich im Haus verlaufen hatte und von den Suchhunden schnell gefunden wurde. Die Suche in Pflegeeinrichtungen ist für die Hunde allerdings eine besondere Herausforderung. Es gibt viele Spurverzerrungen, und im Gegensatz zu Suchen im Freien müssen die Tiere in geschlossenen Räumen auf Hautschuppen konzentrieren, die von den Personen abfallen. Kühm erklärt, dass die Hunde darauf trainiert sind, der frischesten Fährte zu folgen – so kann sogar eine Türklinke als Geruchsprobe dienen! Das klingt fast wie aus einem Krimi, oder?
Die Ausbildung der Suchhunde
Bevor die Hunde in die Suchhund-Truppe aufgenommen werden, durchlaufen sie eine zweijährige Ausbildung. Dabei müssen sie einen speziellen Demenztest bestehen, bei dem sie auf den Geruch eines Kleidungsstücks eines Menschen mit Demenz reagieren müssen. Hunde, die den Geruch nicht mögen, kommen nicht zum Einsatz. Im monatlichen Training sind zwischen fünf und 15 Hunde für 1,5 bis 4 Stunden aktiv. Die Motivation der Hunde wird durch ein Belohnungssystem aufrechterhalten; nach dem Finden einer Person gibt es für sie eine kleine Belohnung, zum Beispiel Fleischwurst. Man kann sich vorstellen, wie sehr die Hunde darauf brennen, ihre „Aufgaben“ zu erfüllen.
Diese Form des Mantrailing-Trainings bietet eine wertvolle Ergänzung zu den herkömmlichen Sicherheitsmaßnahmen in Einrichtungen mit einem hohen Anteil an Menschen mit Demenz. In Anbetracht des Schicksals von Christel S. könnte ein solcher Einsatz vielleicht auch hier in Holzminden hilfreich sein. Die Zeit drängt, und jede Minute zählt. Die Hoffnung auf ein gutes Ende bleibt, während die Suche nach der vermissten Seniorin fortgesetzt wird.
