Kleingärten in Sachsen-Anhalt: Alarmierende Leerstände und neue Herausforderungen
Heute ist der 5.06.2026, und während sich hier in Leer alles um die frischen Sommerblumen dreht, gibt es in Sachsen-Anhalt ein ganz anderes Bild zu beobachten. Die Kleingärten, die oft als kleine grüne Oasen der Ruhe und Erholung betrachtet werden, stehen zunehmend leer. Das ist schon ein ernüchternder Anblick, wenn man bedenkt, dass landesweit fast jeder fünfte Kleingarten keinen Pächter hat. Genauer gesagt: 17.655 der rund 96.770 Parzellen sind ungenutzt, und das ist kein gutes Zeichen für die Gartenfreunde im Land.
Interessanterweise ist die Zahl der Leerstände seit 2019 um etwa 3.900 Parzellen gestiegen – das sind fette 28 Prozent. Besonders betroffen sind Städte wie Magdeburg, Bernburg, Schönebeck und die Region Zeitz, wo allein über 1.000 Parzellen auf neue Gärtner warten. Die Gründe für diesen Trend sind vielschichtig. Während der Corona-Pandemie war das Interesse an Kleingärten zwar stark angestiegen – viele suchten nach einem Rückzugsort in der Natur –, doch in den letzten Jahren hat sich die Lage wieder verschlechtert. Die neuen Pächter scheinen nicht in der Lage zu sein, die frei werdenden Parzellen zu besetzen.
Demographische Veränderungen
Ein weiterer Punkt, der ins Auge fällt: Das Durchschnittsalter der Kleingartenpächter ist gesunken, von 63 Jahren im Jahr 2015 auf 57 Jahre Anfang 2026. Das klingt erst mal positiv, aber die Rückgänge in der Zahl der Pächter machen deutlich, dass die jüngeren Generationen unterschiedliche Erwartungen an Kleingärten haben. Soziologin Nina Schuster hat beobachtet, dass diese neuen Mitglieder oft andere Vorstellungen von einem Kleingarten mitbringen. Es geht nicht mehr nur um das Anbauen von Gemüse oder Blumen – Gemeinschaftsgärten und Schul- sowie Kita-Gärten gewinnen zunehmend an Bedeutung.
Die Linksfraktion im Landtag hat bereits reagiert und fordert eine „Kleingartenmillion“ im nächsten Landeshaushalt, um die Kleingartenprojekte zu unterstützen. Ideen gibt es viele: Beräumung verwilderter Parzellen, Aufbau von Gemeinschaftsgärten und die Förderung von Projekten in Schulen und Kindergärten. Die Landesregierung verweist auf bestehende Fördermöglichkeiten und kommunale Entwicklungskonzepte, hat jedoch keine vollständigen Daten zu vielen Bereichen des Kleingartenwesens. Das lässt Raum für Spekulationen und Fragen, ob die Unterstützung tatsächlich ausreicht, um dem Trend entgegenzuwirken.
Ein Blick in die Zukunft
Die aktuelle Situation der Kleingärten in Sachsen-Anhalt wirft auch einen Schatten auf das Kleingartenwesen insgesamt. Mit über 1.400 Vereinen und einer Gesamtfläche von rund 4.266 Hektar ist es zwar weit verbreitet, doch die ungenutzten Flächen sind ein alarmierendes Signal. Was passiert mit diesen Gärten, wenn die Pacht nicht mehr attraktiv ist? Werden sie verwildern und in der Bedeutungslosigkeit verschwinden? Es bleibt abzuwarten, ob die geplanten Maßnahmen und die Unterstützung durch die Landesregierung fruchten werden, oder ob diese grünen Rückzugsorte weiterhin leer stehen werden.
