Am Donnerstag, dem 04. Juni 2026, findet der 2. Echemer Zauntag auf dem Gelände des LBZ in Echem, Niedersachsen, statt. Diese Veranstaltung, organisiert von dem Herdenschutzberaterteam der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK), hat ein wichtiges Ziel: den Schutz von Nutztieren vor Wölfen. Dr. Katharina Schulze, die Amtstierärztin von Lüchow-Dannenberg, hebt die Bedeutung von sachgemäß errichteten Zäunen hervor. Denn die Verantwortung für den Schutz der Weidetiere liegt vorrangig bei den Tierhaltern. In diesem Jahr gab es bereits zwei Wolfsrisse im Kreisgebiet, was die Dringlichkeit des Themas verdeutlicht.
Die aktuelle Situation zeigt, dass nur knapp die Hälfte der Nutztierrisse den Anforderungen eines wolfsabweisenden Zaunes entsprach. Daher ist das Ziel der Veranstaltung klar: Anpassungen und Neubauten von Zäunen sollen für einen effektiven Schutz sorgen. Eingeladen sind alle Weidetierhaltenden aus dem Kreis, um sich über die neuesten Entwicklungen und Techniken im Herdenschutz zu informieren.
Programmhighlights und Innovationen
Das Programm des Zauntages verspricht vielfältige Einblicke. Am Vormittag stehen Themen wie Wolfsmanagement in der Schweiz sowie Vorgehensweisen in Deutschland und Niedersachsen auf der Agenda. Am Nachmittag geht es dann um Zaunmanagement, effektive Zaunsysteme und die Herausforderungen des Herdenschutzes an Deichkörpern. Auch Smart Farming und innovative Technologien im Herdenschutz werden behandelt. Neben den Vorträgen gibt es eine ganztägige Ausstellung zur Herdenschutzthematik. Die Teilnahmegebühr beträgt 25,00 € am Eingang und umfasst Vorträge, Messe, Führungen und Verpflegung.
Herdenschutz ist in Gebieten, in denen Wölfe überlebt haben, von entscheidender Bedeutung. Diese Tiere unterscheiden nicht zwischen wildlebenden und domestizierten Tieren. Besonders kleinere Nutztiere wie Schafe und Ziegen sind für Wölfe leichte Beute, wenn sie nicht ausreichend geschützt sind. In vielen europäischen Ländern sind Übergriffe auf Nutztiere die Hauptquelle für Konflikte mit Wölfen. Eine langfristige Lösung erfordert daher geeignete Herdenschutzmaßnahmen. Der Abschuss von Wölfen ist nur eine kurzfristige Lösung, die nicht die Probleme löst, die durch ihre Rückkehr entstehen.
Die Herausforderung für Tierhalter
Die Rückkehr der Wölfe bedeutet für viele Tierhalter eine Anpassung ihrer Nutztierhaltung. Das bringt zusätzlichen Arbeitsaufwand mit sich, denn verbesserte Zaunsysteme und die tägliche Versorgung von Herdenschutzhunden sind nun notwendig. In fast allen Bundesländern gibt es ein Wolfsmanagement, das Halter finanziell unterstützt und Präventionsmaßnahmen fördert. Schaf- und Ziegenhalter sind dabei oft besonders betroffen von Wolfsangriffen. Mindeststandards für den Schutz dieser Tiere wurden in vielen Bundesländern vorgeschrieben, um Ausgleichszahlungen zu erhalten. Besonders effektiv haben sich stromführende Zäune erwiesen, wobei die unterste Litze maximal 20 cm vom Boden entfernt sein sollte.
Im Monitoringjahr 2024/2025 wurden in Deutschland 219 Wolfsrudel und 4.300 geschädigte Tiere gezählt, darunter 3.781 Schafe. Vor zehn Jahren waren es nur 125 Übergriffe. Die Schäden nehmen in neuen Revieren zu, stabilisieren sich aber meist nach ein bis zwei Jahren, wenn Herdenschutzmaßnahmen etabliert sind. Wölfe haben nicht nur Einfluss auf die Weidetiere, sondern helfen auch bei der Regulierung der Wildtierbestände, indem sie kranke Tiere erbeuten.
Insofern ist die Debatte um den Wolf und die Weidetierhaltung komplex. Der Deutsche Bauernverband fordert eine jagdliche Regulierung, während Naturschutzverbände wie der NABU warnen, dass dies Konflikte mit dem europäischen Artenschutzrecht hervorrufen könnte. Die Bundesregierung hat die Regelungen zum Wolfsmanagement angepasst und den Wolf ins Bundesjagdgesetz aufgenommen. Diese Neuregelung soll einen klareren rechtlichen Rahmen schaffen, betont jedoch, dass Herdenschutzmaßnahmen weiterhin unverzichtbar bleiben.
Für alle, die sich mit dem Thema Herdenschutz auseinandersetzen möchten, gibt es zahlreiche Informationen auf den Internetseiten der Länder und in den Managementplänen. Die bevorstehenden Veranstaltungen, wie der Echemer Zauntag, bieten eine Plattform, um Wissen auszutauschen und Lösungen zu finden.
Weitere Informationen zu diesem Thema sind hier zu finden.
