Heute ist der 19.05.2026, und in Northeim stehen die Zeichen auf Gericht. Der ehemalige Leiter der Haushaltsabteilung des Kirchenamts Northeim wird ab heute vor dem Landgericht Göttingen wegen gewerbsmäßiger Untreue angeklagt. Über mehr als fünf Jahre soll der 52-Jährige sich an den Konten der Kirche bedient haben, und das in einem Ausmaß, das selbst die erfahrensten Ermittler erstaunen lässt. Die Staatsanwaltschaft hat ihn in 23 Fällen angeklagt, wobei die Summe von 760.000 Euro auf privaten Konten landet. Das ist schon eine Hausnummer!
Die Vorwürfe sind schwerwiegend. Zwischen Februar 2019 und Februar 2024 transferierte der Beschuldigte Geld aus dem Rücklagen- und Darlehensfonds des evangelischen Kirchenkreises Leine-Solling. Insgesamt 32 Transaktionen soll er durchgeführt haben, wobei die Überweisungen zwischen 10.000 und 35.000 Euro schwankten. Diese Transaktionen, die jahrelang unentdeckt blieben, wurden letztlich von einem Geldinstitut aufgedeckt. Die Anklage besagt, dass der Mann Sammelüberweisungen vornahm und dabei irreführende Verwendungszwecke angab. Komisch, dass so etwas in einem Kirchenkontext passiert, nicht wahr?
Der Fall im Detail
Im Juli 2013 übernahm der Beschuldigte die Verantwortung für die Haushaltsabteilung und war damit betraut, die finanziellen Angelegenheiten des Kirchenamts zu verwalten. Es ist kaum zu fassen, dass eine Person in dieser Position derart missbrauchen kann, was ihm anvertraut wurde. Und das alles, ohne dass es lange Zeit aufgefallen wäre. Erst im Februar 2024 wurde die Veruntreuung bekannt, was zu seiner fristlosen Kündigung führte. Übrigens hat sich der Angeklagte bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert.
Ein Urteil wird voraussichtlich im Juni 2026 fallen. Im schlimmsten Fall droht ihm eine Freiheitsstrafe zwischen sechs Monaten und zehn Jahren. In der Zwischenzeit wird auch die Frage aufgeworfen, wie es zu solch einem Missbrauch in einem kirchlichen Kontext kommen kann. Der Fall wirft ein Licht auf eine Diskussion über den Umgang mit Geld in der Kirche. Schließlich zahlen knapp 47 Millionen Mitglieder der evangelischen und katholischen Kirchen zusammen fast zehn Milliarden Euro an Kirchensteuern. Da fragt sich doch jeder: Wie kann es sein, dass so etwas unbemerkt bleibt?
Ein Blick auf die Strukturen
In Northeim gibt es seit 2019 ein gemeinsames Kirchenamt für die Kirchenkreise Harzer-Land und Leine-Solling. Mit rund 60 Mitarbeitern unterstützt das Amt das kirchliche Leben in nicht weniger als 35 Kirchengemeinden im Kirchenkreis Leine-Solling und 38 im Kirchenkreis Harzer Land. Die Aufgaben sind vielfältig und reichen von der Kirchenmusik über den Kirchenkreisjugenddienst bis hin zur Betriebsführung von 19 evangelischen Kitas im einen und 16 im anderen Kirchenkreis. Das alles scheint eine solide Struktur zu sein, aber offensichtlich gibt es Schwächen in der Kontrolle und Verwaltung, die jetzt ans Licht kommen.
Es bleibt spannend, wie die Verfahren um diesen Fall und die damit verbundenen Fragen weiter verlaufen werden. Die Veruntreuung wurde immer wieder durch Stimmen aus der Bevölkerung hinterfragt. Während einige behaupten, die Kirche sei reich, äußern Banker und Journalisten, dass die Kirche nicht richtig mit Geld umgehen könne. Ein Bischof wies darauf hin, dass nicht genug vorhanden sei, um allen Erwartungen gerecht zu werden. Da stellt sich die Frage: Wie wird in Zukunft mit solchen finanziellen Angelegenheiten umgegangen?
Der Fall in Northeim könnte nur die Spitze des Eisbergs sein, wenn es um die Kontrolle von Geldern in der Kirche geht. Es bleibt abzuwarten, welche Lehren aus diesem Vorfall gezogen werden und ob sich die Strukturen tatsächlich verbessern werden.
