Am Campus der Universität Vechta gab es kürzlich eine aufregende Veranstaltung, die sich mit dem Thema Inklusion beschäftigte. Die „Aktionstage Inklusion“, organisiert vom Vechtaer Institut für Inklusion (BERGVINK), zogen zahlreiche Interessierte an. Das Hauptaugenmerk lag darauf, Vielfalt ohne neue Ausgrenzungen durch Etikettierungen zu betrachten. Was für ein wichtiges Thema! Besonders berührend war die Rückkehr von Professorin Dr. Britta Baumert, die nicht nur Gründungsmitglied des BERGVINK ist, sondern auch vor zehn Jahren als Juniorprofessorin für Religionspädagogik an dieser Universität begann. Ihre Keynote war ein echtes Highlight, in der sie die kritischen Punkte der schulischen Inklusionspraxis ansprach. Ein defizitorientierter Blick sowie die Normorientierung führen häufig zu Stigmatisierung, was nicht nur in Schulen, sondern auch in der Gesellschaft ein großes Problem darstellt.

Ein weiterer spannender Punkt, den die Diskussion aufwarf, war die Praxis der Bundesländer, Ressourcen an offizielle Diagnosen zu koppeln. Das führt zu einem administrativen Anreiz zur Kategorisierung, und das nicht nur im schulischen Kontext. Lehrkräfte gewöhnen sich an diese Kategorisierungen, die dann auch auf Migration und Religion übertragen werden. Professorin Dr. Mai-Ahn Boger brachte das „trilemmatische Dreieck“ ins Spiel, das die Inklusionstheorien zwischen Empowerment, Normalisierung und Dekonstruktion verortet. Es ist wichtig, dass wir Inklusion nicht als statischen Zielzustand begreifen, sondern als fortlaufenden Prozess, der immer wieder neu gedacht und gestaltet werden muss.

Vielfalt als Normalität

Die Sensibilisierung angehender Lehrkräfte ist entscheidend, wie Professorin Dr. Martina Döhrmann und Professor Dr. Michael Ewig betonten. An der Universität Vechta sind Module zur Inklusion bereits in die Lehramtsstudiengänge integriert. Die Diskussion über individuelle Zugänge zu Schülern ist unerlässlich, denn Störungen wie Autismus treten unterschiedlich auf. Es gab praxisnahe Konzepte, die vorgestellt wurden – etwa das selbstorganisierte Lernen in „Lernbüros“ von der Don-Bosco-Schule Steinfeld. Solche Ansätze zeigen, wie Inklusion in der Praxis aussehen kann und wie wichtig es ist, dass Lehrkräfte mit den richtigen Werkzeugen ausgestattet sind.

Ein weiterer spannender Aspekt der Veranstaltung war der Workshop über „Universal Design for Learning“ (UDL). Diese Methode hat das Ziel, Barrieren in Lernumgebungen aktiv abzubauen und von Beginn an barrierearme Lernräume zu schaffen. Die Prinzipien von UDL, die auf neurowissenschaftlichen Erkenntnissen basieren, fordern einen Perspektivwechsel: Von einem Defizitblick hin zu Vielfalt als Normalität. In diesem Kontext wurden auch digitale inklusive Schulbücher und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in inklusiven Settings thematisiert.

Künstliche Intelligenz als Unterstützung

Ein besonderes Augenmerk fiel auf den KI-gestützten Chatbot LUDIA, der entwickelt wurde, um UDL-orientierte Lernumgebungen zu unterstützen. Dieser mehrsprachige, kostenfreie und Open-Access-Chatbot folgt einem vierstufigen Prozess: Tell, Tinker, Tweak, Transfer. Mit LUDIA wird es möglich, Zugänge zu erleichtern, Lernprozesse zu differenzieren und personalisiertes Feedback zu geben – alles zentrale Anliegen von UDL. Es ist faszinierend, wie Technologie in der Bildungslandschaft eingesetzt werden kann, um Vielfalt zu fördern und Barrieren abzubauen.

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Die „Aktionstage Inklusion“ haben eindrucksvoll gezeigt, dass Inklusion mehr ist als ein Schlagwort. Es ist ein kontinuierlicher Prozess, der sowohl gesellschaftliche als auch schulische Strukturen erfordert, um wirklich wirksam zu sein. Die Sensibilisierung für die Mechanismen der Inklusion und der Einsatz innovativer Ansätze wie UDL sind dabei unerlässlich. Der Weg zu einer inklusiven Gesellschaft ist lang, aber die ersten Schritte sind gemacht – und das ist schon mal ein guter Anfang!

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