In der deutschen Stadt Vechta fand kürzlich die Neuauflage des „Nightwalks“ statt, an dem 25 Frauen unterschiedlichen Alters teilnahmen. Unter der Leitung von Maria Miliou und Lea Meyer wurden die Teilnehmerinnen in einem sicheren Rahmen dazu ermutigt, ihre Selbstsicherheit zu stärken und sich in der Dunkelheit sicherer zu fühlen. Viele Frauen empfinden Unbehagen, wenn sie allein im Dunkeln unterwegs sind, und meiden oft bestimmte Wege und Situationen. Das Ziel dieses Kurses war es, genau diesen Frauen zu helfen, ihre Ängste abzubauen und mehr Selbstvertrauen zu gewinnen.
Die Gruppe suchte gezielt Orte auf, die sie normalerweise vermeiden würden. Durch praktische Übungen, alltagstaugliche Techniken sowie durch Reflexionen und Austausch schärften die Teilnehmerinnen ihre Wahrnehmung. Besonders wichtig war die Thematisierung der Unterscheidung zwischen realen und irrationalen Gefahren. Dabei zeigte sich, dass das subjektive Angstempfinden oft größer ist als die tatsächliche Bedrohung. Einige der Teilnehmerinnen meldeten sich direkt für einen weiterführenden Selbstverteidigungskurs an, der für Juni oder Juli an einem Samstag geplant ist und etwa vier Stunden dauern wird.
Selbstbehauptung im Dunkeln
In der benachbarten Region Oldenburg bietet Gaby Bothe ähnliche „Nightwalks“ an, um Frauen nicht nur mentale Stärke, sondern auch Selbstverteidigung zu lehren. Ihre erste Veranstaltung in Harpstedt zählte 16 Teilnehmerinnen und verfolgte das gleiche Ziel: die Sicherheit im Dunkeln zu erhöhen. Bothe betont, dass es nicht primär um körperliche Auseinandersetzungen gehe, sondern vielmehr um Selbstbehauptung und Situationsbewusstsein. Individuelle Erfahrungen und persönliche Hintergründe der Teilnehmerinnen können das Verhalten in bedrohlichen Situationen stark beeinflussen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt, den Bothe anspricht, ist die negative Beeinflussung der Selbstwahrnehmung durch Medienbilder und stereotype Vorstellungen. Frauen lernen in ihren Kursen, klare Grenzen zu setzen und auf ihr Bauchgefühl zu hören. Es wird darauf hingewiesen, dass 70 Prozent der sexuellen Übergriffe im privaten Umfeld stattfinden, häufig durch Personen, denen die Betroffenen vertrauen. Bothe bietet auch Einzeltraining für Frauen mit Gewalterfahrung an, und die Nachfrage nach ihren Kursen ist so hoch, dass sie bis April nächsten Jahres ausgebucht sind.
Wichtige Techniken und präventive Maßnahmen
Selbstverteidigung ist für Frauen von großer Bedeutung, da sie häufig von Übergriffen, Belästigungen und Gewalt betroffen sind. Viele Frauen fühlen sich unsicher, insbesondere in Großstädten. Selbstverteidigung fördert nicht nur das Selbstbewusstsein, sondern auch das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und die mentale Stärke. Die meisten Übergriffe auf Frauen erfolgen nicht durch Fremde, sondern im sozialen Umfeld. Daher ist es entscheidend, Körpersprache, Situationsbewusstsein, Grenzen setzen und Intuition zu trainieren.
Zu den empfohlenen Selbstverteidigungstechniken gehören unter anderem die Handgelenk-Befreiung und der Palmstrike. Diese Techniken sollten unter professioneller Anleitung erlernt und regelmäßig geübt werden. Empfohlene Kampfsportarten wie Krav Maga, Brazilian Jiu-Jitsu oder Wing Tsun bieten effektive Möglichkeiten, sich im Alltag zu verteidigen. Prävention ist ebenfalls ein Schlüsselbegriff: Frauen sollten lernen, Gefahrensituationen frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden.
Für weitere Informationen und Anmeldungen zu den Nightwalks in Vechta können interessierte Frauen Kontakt mit Andrea Schärmann, der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Vechta, aufnehmen. Sie ist unter der Telefonnummer 04441/ 886-5108 oder per E-Mail unter gleichstellungsbeauftragte(at)vechta.de erreichbar.
Ein weiterer „Nightwalk“ ist für den Herbst geplant, und bei entsprechendem Interesse ist sogar ein „Verbündeten Walk“ vorgesehen, an dem auch Männer teilnehmen können. Diese Initiativen sind ein wichtiger Schritt, um Frauen in ihrer Selbstbehauptung zu stärken und ein Sicherheitsgefühl zu vermitteln.