Am 8. Mai 2026 wurde die Bergung des gesunkenen Kriegsfischkutters „Hai IV“ in Wilhelmshaven erfolgreich abgeschlossen. Das Schiff, das im November 2025 an seinem Liegeplatz an der Wiesbadenbrücke gesunken war, stellte die Stadt vor große Herausforderungen. Fachleute einer spezialisierten Firma haben das Wrack vollständig aus dem Hafenbecken geborgen. Dabei musste das Schiff unter Wasser in mehrere Einzelteile zerlegt werden – eine mühselige Arbeit, die viel Geschick erforderte.
Die Gesamtkosten für den Untergang und die anschließende Bergung summieren sich auf über 500.000 Euro. Allein die Bergungskosten belaufen sich auf bis zu 360.000 Euro. Für die Absicherung und die Ölsperren beim Untergang kamen weitere 200.000 Euro hinzu. Diese immense Summe wird dem Besitzer aus Bayern in Rechnung gestellt, der bislang nicht auf die mehrmaligen Aufforderungen zur Beseitigung des Schiffs reagiert hat. Wie es aussieht, plant die Stadt rechtliche Schritte gegen ihn, falls er nicht für die Kosten aufkommt.
Die Geschichte des Kriegsfischkutters
Die „Hai IV“ war einer der zahlreichen Kriegsfischkutter, die in der deutschen Marinegeschichte eine Rolle spielten. Diese Schiffe wurden ab 1920 im Rahmen einer politisch gesteuerten Initiative zur Vereinheitlichung der deutschen Fischereiflotte entwickelt. Sie waren meist aus Holz gefertigt und wurden von privaten Betreibern mit günstigen Reichsdarlehen bestellt. Allerdings mussten diese Kutter im Krieg der Marine überlassen werden. Ab 1942 wurden über 1.000 Kutter von der Kriegsmarine in Auftrag gegeben, von denen viele im Fronteinsatz waren.
Unklar bleibt bis heute, warum die „Hai IV“ im November 2025 sank. In Anbetracht der Geschichte dieser Schiffe könnte man annehmen, dass sie nicht nur als Fischerei-Boote, sondern auch für militärische Einsätze konzipiert waren. Die Bewaffnung dieser Kutter umfasste unter anderem Flugabwehrgeschütze und die Möglichkeit, mit Wasserbomben ausgestattet zu werden. Ihr Einsatzgebiet war vielfältig und reichte von der Sicherung der Nord- und Ostseeküsten bis hin zur U-Boot-Jagd.
Nachhaltigkeit und Verantwortung
Mit der Bergung des Wracks ist jedoch nicht alles erledigt. Nach der vollständigen Entfernung des Schiffs müssen die Wasserflächen gereinigt und der Hafengrund begradigt werden. Diese Arbeiten sind nicht nur aufwendig, sondern auch kostenintensiv. Die Stadt muss nun dafür sorgen, dass die Umwelt nicht unter den Folgen des Schiffsuntergangs leidet. Die fachgerechte Entsorgung der Wrackteile ist dabei ein wichtiger Schritt, um die Gewässer von Wilhelmshaven wieder in einen einwandfreien Zustand zu bringen.
In der Nachkriegszeit wurden in Polen diverse Nachbauten von Kriegsfischkuttern gefertigt, was zeigt, dass das Design und die Bauweise dieser Schiffe auch über die deutschen Grenzen hinaus Einfluss hatten. So entstanden zwischen 1947 und 1950 in Orten wie Stettin und Świnoujście einige Nachbauten, die die Geschichte dieser Schiffe weitertragen.
Vielleicht wird die „Hai IV“ eines Tages auch als Teil der maritimen Geschichte Wilhelmshavens in Erinnerung bleiben – nicht nur als Kriegsfischkutter, sondern auch als ein Beispiel für die Herausforderungen, die mit der Bewahrung unserer maritime Geschichte verbunden sind. Der Umgang mit solchen Wracks ist eine Frage von Verantwortung und Nachhaltigkeit, die uns alle betrifft.
Für weitere Informationen zu diesem Thema und zur Geschichte der Kriegsfischkutter, siehe auch die umfangreiche Berichterstattung auf NDR.