Die RWTH Aachen steht in der aktuellen Diskussion um internationale Kooperationen und Sicherheitsrisiken ganz vorne mit dabei. Kai-Uwe Schröder, der Rektoratsbeauftragte für die Zusammenarbeit mit China, hat kürzlich die Herausforderungen angesprochen, vor denen die Hochschule steht. Täglich werden die Server der RWTH mit mehreren tausend Angriffen konfrontiert, was die Notwendigkeit einer differenzierten Berichterstattung umso wichtiger macht. Schröder betont, dass Vorträge nicht automatisch mit Spionage gleichzusetzen sind und dass die Hochschule sich der bestehenden Sicherheitslage bewusst ist. Pauschale Darstellungen, so sagt er, sind vertrauenszerstörend.
Die RWTH Aachen hat über Jahre hinweg erfolgreich mit chinesischen Partnern, wie der Tsinghua University, zusammengearbeitet. In vielen Bereichen, besonders in der Windenergie, ist die chinesische Wissenschaft sogar fortschrittlicher. Dabei unterliegt die internationale Zusammenarbeit klaren Regeln und einer bewussten Risikoabwägung. Schröder macht deutlich, dass Kooperationen kontrolliert ablaufen müssen und er ist sich der Risiken bewusst – eine ständige Abwägung zwischen der Notwendigkeit internationaler Zusammenarbeit und den wachsenden Sicherheitsdebatten ist gefordert.
Ein besorgniserregendes Klima
Die Diskussion über Sicherheit hat nicht nur Auswirkungen auf die Hochschule selbst, sondern auch auf die chinesischen Studierenden, die in Deutschland leben. An der RWTH spüren sie einen Anstieg von Alltagsrassismus und Misstrauen. Schröder berichtet von neuen Formen des Misstrauens im öffentlichen Raum – Dinge wie das Weglegen von Smartphones oder das Zuklappen von Laptops während Gesprächen sind zu alltäglichen Erscheinungen geworden. Es ist ein Klima, das viele als unangenehm empfinden und das Fragen aufwirft, wie eine offene, internationale Wissenschaftsgemeinschaft dennoch funktionieren kann.
Ein Sprecher des NRW-Wissenschaftsministeriums hebt zudem die Hochschulautonomie bei der Entscheidung über internationale Kooperationen hervor. Diese Autonomie ist wichtig, dennoch bleibt die Herausforderung bestehen, ein Gleichgewicht zwischen Offenheit und Sicherheit zu finden. Vor dem Hintergrund eines kürzlich in Deutschland festgenommenen Ehepaars, das angeblich für einen chinesischen Geheimdienst Kontakte an Hochschulen knüpfte, wird die Debatte um Sicherheit und Vertrauen nur noch intensiver.
Forschungssicherheit im Fokus
In diesem Zusammenhang wird auch ein öffentlicher Fachgespräch zur Forschungssicherheit im Forschungsausschuss des Bundestags, geplant für den 5. November 2025, von Bedeutung sein. Experten aus Hochschulen und Sicherheitsbehörden werden sich mit der Resilienz der deutschen Forschungslandschaft gegenüber äußeren Angriffen beschäftigen. Prof. Dr. Katja Becker von der DFG wird die Bedeutung internationaler Kooperationen für wissenschaftliche Exzellenz betonen und die Prämissen „So offen wie möglich“ und „so geschützt wie nötig“ ins Spiel bringen. In einem internationalen Vergleich gilt Deutschland als schwach in Sachen Forschungssicherheit. Die Forderungen nach Mindeststandards für Forschungssicherheit in Förderanträgen werden lauter, ebenso wie der Wunsch nach kompetenter Beratung für Forschende und Einrichtungen.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik warnt, dass Deutschland ein „hochattraktives Ziel“ für Cyberangriffe ist. Die Verwundbarkeit im Forschungssektor ist enorm, da viele Einrichtungen ihre IT-Sicherheit selbst organisieren müssen. Sinan Selen vom Bundesamt für Verfassungsschutz nennt ein „Risikodreieck“ aus Cyberangriffen, unzureichendem Sicherheitsbewusstsein und dem Schutz vor Spionage. Die Notwendigkeit einer stärkeren Vernetzung der Akteure und einer nationalen Kontaktstelle für Sicherheit in der Wissenschaft wird daher als unumgänglich erachtet.
All diese Aspekte zeigen, wie komplex das Thema internationale Zusammenarbeit und Sicherheit in der Wissenschaft ist. Die RWTH Aachen sieht sich in der Verantwortung, diesen Herausforderungen zu begegnen, während sie gleichzeitig die Türen zur globalen Wissensgemeinschaft offenhält. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich die Situation weiterentwickeln wird.
