Brockensammlung Bielefeld: Schnäppchen, Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung
In der Brockensammlung, auch bekannt als Brosa, in Bielefeld, dreht sich alles um das Stöbern und Entdecken. Hier findet man nicht nur die eine oder andere Rarität, sondern auch eine Atmosphäre, die zum Verweilen einlädt. Peter Rohe, ein Stammgast des Secondhand-Kaufhauses, hat kürzlich eine Joe-Cocker-LP aus dem Jahr 1986 für gerade einmal vier Euro erstanden – ein echtes Schnäppchen! Und das ist nur eines der vielen kleinen Wunder, die die Brosa zu bieten hat.
Die Brockensammlung existiert bereits seit 1890 und hat sich über die Jahre zu einem beliebten Anlaufpunkt für Schnäppchenjäger entwickelt. Besucher durchstöbern die Regale voller Geschirr, Bücher, Kleidung und alter Technik. Elfi Reuter-Korzonnek, die Abteilungsleiterin, hat bemerkt, dass viele Kunden nicht gezielt nach etwas Bestimmtem suchen. Vielmehr genießen sie das Stöbern und die besondere Atmosphäre, die in der Brosa herrscht. Besonders auffällig ist, dass die Einrichtung immer mehr jüngere Menschen anzieht, vor allem in der Kurzwaren- und Textilabteilung. Das steht im krassen Gegensatz zur schnelllebigen Modewelt – hier wird Individualität gefördert.
Nachhaltigkeit im Second-Hand-Umfeld
Die Brosa verfolgt das Prinzip, dass brauchbare Dinge nicht verschwinden sollen. In Frankreich gibt es mittlerweile Gesetze, die versuchen, die Wegwerfmode einzudämmen. Ein Schritt in die richtige Richtung, denn die Modeindustrie zählt zu den umweltschädlichsten Branchen weltweit. Hoher Wasserverbrauch und massive Abfallmengen durch Fast Fashion schaden nicht nur der Umwelt, sondern auch unserem Gewissen. Second-Hand- und Vintage-Mode bieten hier eine nachhaltige Alternative. Indem wir gebrauchte Kleidungsstücke kaufen, verlängern wir deren Lebenszyklus und reduzieren die Nachfrage nach neu produzierter Ware – ein kleiner, aber wichtiger Beitrag zum Umweltschutz.
Die Brosa hat sich auch in den letzten Jahren gewandelt. Vor zehn Jahren zog sie in ein neues Gebäude an der Tonkuhle, was 4,6 Millionen Euro kostete. Vor der Eröffnung bildeten sich oft lange Schlangen vor der Tür, was die Beliebtheit des Kaufhauses unterstreicht. Es gab jedoch Bedenken, als das Bethel-Blumengeschäft in die Brosa umziehen wollte. Doch Bethel hat bestätigt, dass die Brockensammlung nicht aufgegeben wird, sondern gestärkt werden soll. Die Blumenabteilung ergänzt das Angebot der Brosa und sorgt für eine noch vielfältigere Auswahl.
Ein Arbeitsplatz für alle
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Brockensammlung ist die soziale Komponente. Hier kommen verschiedene Gruppen von Menschen zusammen: Langzeitarbeitslose, Jugendliche, Geflüchtete und viele andere. Alle erhalten die Möglichkeit, Arbeitserfahrung zu sammeln und sich in einer wertschätzenden Atmosphäre weiterzuentwickeln. Fachliche Anleitung bieten Gesellen, Meister und sozialpädagogische Fachkräfte. Die Ziele sind klar: Ein verlässlicher Arbeitsalltag, der motiviert und die Teilnehmer in ihrer Entwicklung unterstützt. Hand in Hand mit der diakonischen Arbeit von Bethel wird hier nicht nur ein Arbeitsplatz geschaffen, sondern auch ein Raum der Begegnung.
Spenden werden an der Rückseite des Gebäudes angeliefert und von 45 Mitarbeitenden, darunter auch sieben in inklusiven Arbeitsplätzen, sortiert. Die Erlöse aus dem Verkauf kommen direkt der diakonischen Arbeit von Bethel zugute. So wird die Brosa nicht nur zu einem Ort für Schnäppchenjäger, sondern auch zu einem Platz, an dem Menschen eine Chance bekommen, sich wieder in die Gesellschaft einzugliedern.
Die Brockensammlung ist zudem Mitglied des Dachverbands „FairWertung“ und verpflichtet sich zu fairen Standards in der Textilsammlung. Das alles macht die Brosa zu einem lebendigen Teil der Bielefelder Gemeinschaft – und zu einem Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung.
Die Entscheidung für Second-Hand-Mode ist mehr als nur ein Einkauf. Es ist ein Statement für Veränderung und ein Schritt in Richtung Nachhaltigkeit. In der Brosa wird dies in jedem einzelnen Stück spürbar – jedes Vintage-Stück erzählt eine Geschichte, und das macht den Besuch einfach besonders.
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