In Bielefeld hat ein schockierender Vorfall die Gemüter erregt. Ein 36-jähriger Syrer, Mahmoud M., wird beschuldigt, am 18. Mai 2025 einen brutalen Messerangriff auf vier Menschen verübt zu haben. Laut einem psychiatrischen Gutachter ist er tiefgreifend islamistisch radikalisiert. Bereits seit vielen Jahren sei diese radikale Gesinnung Teil seiner Persönlichkeit. Die Taten, die er begangen hat, zeigen ein erschreckendes Bild: Er rief während des Angriffs „Allahu akbar“ und verletzte seine Opfer lebensgefährlich, bevor er die Flucht ergriff. Seine Festnahme erfolgte einen Tag später in Heiligenhaus, unweit von Düsseldorf. Die Bundesanwaltschaft wertet den Anschlag als islamistisch motivierten Terrorakt.
Die psychischen Probleme des Angeklagten scheinen eine Rolle in seiner Radikalisierung gespielt zu haben. Er leidet an Depressionen, die sein gewalttätiges Verhalten begünstigt haben könnten. Zudem hat er, wie aus dem Gutachten hervorgeht, kein Mitgefühl mit den Opfern gezeigt und ist als kränkbar, intolerant und gewaltbereit beschrieben worden. Besorgniserregend ist auch, dass keine Anzeichen für eine Deradikalisierung festgestellt werden konnten. Seine Kindheit war von Schwierigkeiten geprägt; eine Zurückweisung durch die Eltern und ein sexueller Missbrauch könnten seine psychische Instabilität verstärkt haben. Diese Faktoren sind nicht zu unterschätzen, denn sie sind häufig mit extremistischen Tendenzen verbunden.
Psychische Gesundheit im Fokus
Empirische Studien zeigen, dass ein hoher Anteil von Inhaftierten unter psychischen Störungen leidet, darunter auch Persönlichkeitsstörungen und Substanzkonsumstörungen. Tatsächlich könnte über ein Drittel der Personen, die wegen extremistisch motivierter Straftaten verurteilt wurden, psychische Erkrankungen aufweisen. Bei der Subgruppe dieser extremistisch Verurteilten sind 38,5 % schwer psychisch erkrankt. Angesichts dieser Zahlen wird klar, dass die psychische Gesundheit eine zentrale Rolle bei der Radikalisierung spielt. Bei Mahmoud M. zeigt sich dies deutlich: Er konsumierte verstärkt islamistische Propagandavideos und war isoliert.
Die psychische Lage in deutschen Gefängnissen ist oft nicht rosig. Ein hoher Prozentsatz der Insassen leidet an psychischen Problemen, und die Versorgung wird als unzureichend kritisiert. Schätzungen zufolge sind bis zu 88 % der Gefangenen betroffen. Bei Mahmoud M. könnte sich die Situation in Haft ebenfalls verschlechtern, was häufig mit Depressionen und erhöhtem Suchtmittelkonsum einhergeht. In Deutschland gibt es zwar Aufnahme- und Diagnostikverfahren zu Beginn der Haft, doch die Umsetzung lässt oft zu wünschen übrig. In über 130 Anstalten stehen nur rund 46 Vollzeit-Stellen für Psychiater zur Verfügung, was die Situation zusätzlich kompliziert.
Die Europarat-Empfehlung
Im Februar 2025 hat der Europarat die Empfehlung CM/Rec(2025)2 verabschiedet, die sich mit dem Schutz der psychischen Gesundheit von Gefangenen beschäftigt. Diese Empfehlung fordert eine gleichwertige psychische Gesundheitsversorgung für Gefangene in allen Mitgliedstaaten. Insbesondere müssen Gefangene Zugang zu psychiatrischer und psychotherapeutischer Hilfe erhalten, die der Allgemeinbevölkerung entspricht. Das ist besonders wichtig, wenn man bedenkt, dass viele Inhaftierte bereits vor Haftantritt unter psychischen Gesundheitsproblemen leiden.
Die Herausforderungen sind groß. Einrichtungen müssen ein unterstützendes Umfeld schaffen, das Aufklärung, psychosoziale Dienste und soziale Kontakte fördert. Das ist ein wichtiger Schritt, um die Resozialisierung zu unterstützen und Rückfälle in extremistische Verhaltensweisen zu verhindern. Die Debatte über die psychische Gesundheit von Inhaftierten wird in Deutschland, Österreich und der Schweiz immer lauter, und es scheint, als ob man endlich bereit ist, Maßnahmen zu ergreifen.
Die Situation bleibt angespannt, aber die Hoffnung auf Verbesserungen wächst. Psychische Gesundheit sollte nicht nur ein Nebenthema sein, sondern im Mittelpunkt der Diskussionen über die Behandlung von Inhaftierten stehen. Die Entwicklung in Bielefeld verdeutlicht, wie wichtig es ist, diese Problematik ernst zu nehmen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um solche Tragödien in Zukunft zu verhindern.
