In Euskirchen wird ein bedeutendes Kapitel der Stadtgeschichte neu aufgerollt. Fünf Jahre nach der verheerenden Flutkatastrophe im Juli 2021 eröffnet die Stadt eine Ausstellung, die Erinnerungen bewahren und den Wiederaufbau sichtbar machen soll. Am Dienstag, den 14. Juli, um 19 Uhr findet im Klostergarten eine Gedenkveranstaltung statt, die nicht nur an die Opfer und Betroffenen erinnert, sondern auch die bemerkenswerte Solidarität der Menschen nach der Katastrophe thematisiert. Die Geistlichen Frank Thönes und José Pérez Pérez werden die Veranstaltung mit bewegenden Botschaften eröffnen. Auch Bürgermeister Sacha Reichelt wird zu Wort kommen und über die Ereignisse sowie den Fortschritt des Wiederaufbaus sprechen. Musikalisch untermalt wird die Feier von der Band „Mary’s Delight“, die ebenfalls von der Flut betroffen war.

Die Sonderausstellung im Stadtmuseum trägt den Titel „Euskirchen und die Flut 2021. Fünf Jahre nach der Katastrophe“. Sie basiert auf einem beeindruckenden Sammlungsprojekt von Stadtmuseum und Stadtarchiv, bei dem Bürger Fotos und Videos eingereicht haben. Über 35.000 Aufnahmen und Filmsequenzen wurden gesammelt und etwa 2.500 Fotografien sowie mehrere Videos wurden schließlich ausgewählt. Dr. Heike Lützenkirchen, die Leiterin des Stadtmuseums, betont die immense Bedeutung der Flut für die Stadtgeschichte. Die Ausstellung zeigt nicht nur chronologisch die Ereignisse der Flutnacht und die damit verbundenen Verwüstungen, sondern auch die Solidarität der Bürger. Neue Aufnahmen zeigen die gleichen Orte wie nach der Flut – das verdeutlicht auf eindrucksvolle Weise die Veränderungen, die in den letzten fünf Jahren stattgefunden haben.

Rahmenprogramm und Veranstaltungen

Ein vielfältiges Rahmenprogramm ergänzt die Ausstellung. Stadtführungen, Zeitzeugengespräche und Lesungen laden die Besucher ein, tiefer in das Geschehen einzutauchen. Eine Stadtführung mit dem Titel „Mer stonn widder op!“ findet am Samstag, den 8. August, um 14 Uhr statt. Am Donnerstag, den 27. August, gibt es ein Zeitzeugengespräch von 19 bis 21 Uhr, und die Autorin Tanja Wodok wird am Donnerstag, den 24. September, um 19 Uhr aus ihrem Werk lesen. Den Abschluss der Reihe bildet ein Vortrag am Donnerstag, den 8. Oktober, der sich mit einem Forschungsprojekt zur Flutkatastrophe beschäftigt.

Diese Veranstaltungen und die Ausstellung selbst sind nicht nur eine Erinnerung, sondern auch eine Gelegenheit, über den Wiederaufbau nach solchen Katastrophen nachzudenken. Der Praxisleitfaden „Nach der Flutkatastrophe: Chance für Veränderung“ bietet dabei wertvolle Handlungsempfehlungen und zeigt, wie Gemeinden aus den Erfahrungen lernen können. Das Projekt, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), hat den Wiederaufbau im Ahrtal und in Nordrhein-Westfalen begleitet. Die Zielsetzung lautet „Building Back Better“ – ein Leitsatz, der auch hier in Euskirchen an Bedeutung gewinnt.

Insgesamt werden drei zentrale Handlungsfelder in den Fokus genommen: Wiederaufbau, Risikobewertung und -verringerung sowie die Resilienz von Gesellschaften. Die Empfehlungen richten sich an betroffene Gemeinden, die präventiv in klimaresiliente Siedlungsentwicklung investieren möchten. Dies zeigt, wie wichtig es ist, aus solchen Katastrophen zu lernen und nachhaltige Strukturen für die Zukunft zu schaffen. Das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu), das dieses Thema vorantreibt, ist bekannt für seine umfassende Arbeit im Bereich Stadtforschung und unterstützt ausgewählte Pilotkommunen in ihrem Wiederaufbauprozess.

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In Euskirchen wird also nicht nur an die Vergangenheit erinnert, sondern auch ein Weg in die Zukunft geebnet.

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