Der Skandal um die Justizvollzugsanstalt (JVA) Euskirchen in Nordrhein-Westfalen (NRW) schlägt hohe Wellen. In den letzten Tagen wurden Ermittlungen gegen acht Justizvollzugsbeamte eingeleitet, die zwischen 37 und 58 Jahren alt sind. Der Vorwurf: Bestechung durch Insassen und die Gewährung verbotener Vergünstigungen. Besonders im Fokus steht Michael Goman, ein 49-jähriger Clan-Chef, der auch als „Don Mikel“ bekannt ist. Er wurde 2019 wegen gewerbsmäßigen Betrugs zu einer Haftstrafe von acht Jahren verurteilt, nachdem er ein älteres Ehepaar um rund eine Million Euro betrogen hatte. Die offizielle Entlassung aus der Haft steht für März 2026 an.
Doch die Situation hat sich nun zugespitzt. Goman soll während seiner Haftzeit am Steuer eines Rolls-Royce gesessen haben – und wurde dabei geblitzt! Das wirft Fragen auf: Hat er möglicherweise JVA-Mitarbeiter bestochen, um unerlaubte Hafturlaube oder Ausgänge zu erhalten? Die Staatsanwaltschaft Bonn ermittelt auch gegen drei Häftlinge, die möglicherweise ebenfalls in die Bestechung verwickelt sind. Details zu den Bestechungssummen und dem Zeitraum der mutmaßlichen Aktivitäten sind noch unklar, was die Ermittlungen nicht gerade einfacher macht.
Ermittlungen und Durchsuchungen
Am 6. Mai 2026, um Punkt sechs Uhr morgens, setzte die Polizei über 200 Einsatzkräfte ein, um Durchsuchungen in der Region Euskirchen durchzuführen. Diese fanden nicht nur in mehreren Privatwohnungen statt, sondern auch in Teilen der JVA Euskirchen und im Büro des Euskirchener Amtsgerichts. Der Einsatz war lange vorbereitet, wie die Staatsanwaltschaft und die Polizei Bonn in einer Pressemitteilung erklärten. NRW-Justizminister Benjamin Limbach (Grüne) äußerte sich vor den Kameras über die Vorwürfe und stellte klar, dass der Vorwurf der Bestechlichkeit gegen Mitarbeiter der JVA Euskirchen ernst genommen wird.
Limbach, der am Morgen von den Vorwürfen erfuhr, beauftragte sofort eine interne Untersuchung durch den Leiter der Justizvollzugsdirektion. „Korruption und Bestechung im Justizdienst werden nicht toleriert“, betonte er und stellte die Integrität von rund 8.000 Bediensteten im Justizvollzug in NRW in den Vordergrund. Michael Beyer, Pressesprecher der Polizei Bonn, wies auf die mehrmonatigen Ermittlungen hin, die den Vorwürfen zugrunde liegen. Details zu den genauen Hintergründen der Ermittlungen blieben allerdings vage und unklar.
Vorbelastete Vergangenheit der JVA Euskirchen
Die JVA Euskirchen hat in der Vergangenheit bereits Schlagzeilen gemacht. So gab es etwa im Januar 2023 die spektakuläre Flucht des sogenannten Versace-Rockers Aykut Ö. Zudem kehrte ein weiterer Insasse, Filipp S., bekannt als „Rolls-Royce-Knacki“, nach einem Freigang nicht zurück. Bei den laufenden Ermittlungen wurde außerdem festgestellt, dass ein Schloss der JVA mit manipulierten Feuerwehr-Transpondern geöffnet wurde – Transponder, die eigentlich für Notfälle gedacht sind und sicher aufbewahrt werden sollten. Die Vorfälle werfen ein schattiges Licht auf die Sicherheitslage in der Einrichtung und lassen die Frage aufkommen, wie viele weitere Unregelmäßigkeiten möglicherweise im Dunkeln bleiben.
