Am 13. April 2026 verstarb der bekannte Kinderarzt Winfrid Eisenberg im Alter von 90 Jahren. Er war über viele Jahre hinweg eine prägende Figur im Gesundheitswesen der Region und leitete die Kinderklinik am Kreisklinikum Herford. Eisenberg, 1937 in Hanau geboren, wuchs in einer Zeit auf, in der die Medizin sich rasant entwickelte, und widmete sein Leben der Verbesserung der Kindergesundheit. Nach seinem Medizinstudium verbrachte er dreieinhalb Jahre in einem Urwaldkrankenhaus in Tansania, wo er erste praktische Erfahrungen sammelte und seine Leidenschaft für die Pädiatrie entdeckte.

Seine Facharztausbildung schloss er in Bethel ab. 1974 trat er als Oberarzt in die Herforder Kinderklinik ein, wo er die Frühchen-Abteilung aufbaute. Von 1984 bis 2002 war er Chefarzt und erwarb sich nicht nur fachliche Anerkennung, sondern auch großes Ansehen in der Öffentlichkeit. Neben seiner medizinischen Karriere engagierte sich Eisenberg leidenschaftlich in der Friedensbewegung. Seit 1981 war er Mitglied der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) und gehörte 1986 zu einer Gruppe, die den Kühlturm des Kernkraftwerks Hamm-Uentrop besetzte.

Engagement für Flüchtlinge und Kinder

Eisenbergs Engagement beschränkte sich nicht nur auf die medizinische Versorgung. Lokal setzte er sich für die Friedens- und Flüchtlingsbegleitergruppe Herford ein und war Mitinitiator der Friedensfördernden Energiegenossenschaft Herford. Besonders hervorzuheben ist sein Einsatz für von Abschiebung bedrohte Flüchtlingsfamilien. Seine Gutachten über die fehlerhafte Verwendung von Röntgenaufnahmen zur Altersschätzung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen fanden bundesweite Beachtung und trugen zur Verbesserung der Situation vieler Betroffener bei.

Für seine Zivilcourage wurde Eisenberg 2004 mit dem Heiko-Ploeger-Preis der Stadt Herford ausgezeichnet. In den letzten Jahren litt er an einer Erkrankung, die ihn dazu zwang, einen sorgsameren Umgang mit seiner Kraft zu pflegen. Die Trauerfeier mit anschließender Beisetzung findet am 20. April um 14 Uhr in der Kapelle des Friedhofes „Ewiger Frieden“ statt. Sein Tod hinterlässt eine große Lücke in der Gemeinschaft, die er so viele Jahre lang unterstützte und schützte.

Die Entwicklung der Pädiatrie

Eisenbergs Arbeit fand vor dem Hintergrund einer langen Geschichte der Kinderheilkunde statt. Im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert wurde zunehmend erkannt, dass Kinder nicht einfach kleine Erwachsene sind und eigene Krankheiten haben. Die Pädiatrie entwickelte sich als eigenständiges Fach, auch wenn es anfangs Widerstand gab. Es wurden immer mehr Stationen für Kinder eingerichtet, doch die hygienischen Bedingungen waren oft unzureichend, was zur Ausbreitung von Infektionen führte.

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Die Entdeckung der antibiotischen Therapie und die Entwicklung von Impfungen führten zu einem Aufschwung in der Kinderheilkunde. Auch in Deutschland wurde die Bedeutung der Kinder- und Jugendheilkunde zunehmend anerkannt, was durch die Gründung erster Universitäts-Kinderkliniken und die akademische Etablierung des Fachs markiert wurde. Eisenbergs Lebenswerk ist somit nicht nur Teil der Geschichte der Herforder Kinderklinik, sondern auch Teil einer größeren Entwicklung innerhalb der Pädiatrie, die bis heute anhält.

Für weitere Informationen über Winfrid Eisenberg und seine Verdienste lesen Sie den ausführlichen Artikel auf nw.de.