80 Jahre Rheinische Post: Literarische Reise mit Lothar Schröder in Kleve
In Kleve hat sich am Donnerstagabend eine ganz besondere Veranstaltung in der Buchhandlung Hintzen zugetragen. Anlass war das 80-jährige Bestehen der Rheinischen Post, und der RP-Kulturjournalist Lothar Schröder nahm die Gäste mit auf eine literarische Reise. Unter dem Titel „Mit 80 Büchern um die Welt“ stellte er eine Auswahl seiner Lieblingsbücher vor. Literaturliebhaber und -kenner fanden sich ein, um mehr über die facettenreiche Welt der Literatur zu erfahren.
Schröder ließ es sich nicht nehmen, einige seiner persönlichen Einschätzungen und Kommentare zu verschiedenen Werken zu teilen. Ein Highlight war die Aufklärung über den großen Dichter Heinrich Heine, dessen Biografie eng mit Düsseldorf verbunden ist. Wusstet ihr, dass das bekannte Heine-Haus nicht sein Geburtshaus ist? Das ursprüngliche Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, und nur 80 Steine sind erhalten geblieben. Für die Literaturfreunde in Kleve gab es zudem einen interessanten Fakt über die Heinrich-Heine-Universität, die erst 1988 nach langen Debatten benannt wurde.
Heine und Grass: Zwei große Namen der deutschen Literatur
Schröder erzählte auch eine Anekdote über den Literaturnobelpreisträger Günter Grass. Nach Bekanntwerden seiner Mitgliedschaft in der Waffen-SS traf er Schröder und beantwortete offen Fragen zu seiner Vergangenheit. Grass‘ berühmter Roman „Die Blechtrommel“ wird als „Schelmenroman der Nachkriegszeit“ bezeichnet. Schröder selbst kaufte eine polnische Ausgabe des Buches in Danzig, obwohl er kein Wort Polnisch spricht! Komisch, oder? So sehr kann die Literatur faszinieren.
Eine weitere Buchempfehlung, die Schröder aussprach, war „Die Brücke“ von Manfred Gregor. Das Buch thematisiert fanatisierte Jugendliche, die eine Brücke gegen vorrückende Amerikaner verteidigen. In der heutigen Zeit, wo nationale Identitäten oft in Frage gestellt werden, hat das Buch eine erschreckende Aktualität. Und dann war da noch Christoph Peters’ jüngster Roman „Entzug“, der als „schonungslos und ehrlich“ beschrieben wurde. Schröder erinnerte sich an eine Begegnung mit Peters in der Kalkarer Nicolaikirche – ein Ort, der sicher die Fantasie anregte.
Literaturgeschichte und ihre Protagonisten
Ein wirklich spannendes Thema waren die deutschen Literaturnobelpreisträger. Schröder sprach über Rudolf Eucken, der 1908 den Preis erhielt, aber heute fast in Vergessenheit geraten ist. Eucken war ein Ausweichkandidat, um Selma Lagerlöf nicht als erste Frau in die Geschichte einzugehen. Diese kleinen, oft übersehenen Details machen die Literaturgeschichte lebendig. Lagerlöf erhielt den Preis ein Jahr später – das Schicksal der Literatur kann manchmal so zufällig sein.
Heinrich Heine selbst wurde am 13. Dezember 1797 in Düsseldorf geboren. Aufgewachsen in einer jüdischen Familie, die seit dem 17. Jahrhundert in Bückeburg nachgewiesen ist, war er das älteste von vier Kindern des Tuchhändlers Samson Heine. Heine erlebte viele prägende Ereignisse in seiner Jugend, wie den Einzug Napoleons in Düsseldorf, und war von politischen Veränderungen stark beeinflusst. Seine Zeit in Paris, wo er als freischaffender Schriftsteller arbeitete, brachte ihm zahlreiche Erfolge, aber auch gesundheitliche Probleme. Er schrieb bis zu seinem Tod am 17. Februar 1856 in Paris und hinterließ ein Werk, das bis heute bedeutend ist.
Die Heinrich-Heine-Gesellschaft
Im Kontext von Heine ist auch die Heinrich-Heine-Gesellschaft von Interesse, die 1956, anlässlich seines 100. Todestages, gegründet wurde. Ihr Ziel ist es, das dichterische und zeitkritische Werk Heines lebendig zu halten. Die Gesellschaft zählt zu den progressivsten und angesehensten literarischen Organisationen und bietet ein Forum für Meinungsaustausch und literarische Geselligkeit. Man merkt, dass Heines Werk immer noch zahlreiche Menschen inspiriert!
Insgesamt war der Abend in der Buchhandlung Hintzen ein echtes Fest für die Literatur. Es gab viel zu entdecken, zu diskutieren und zu genießen. Lothar Schröder hat es verstanden, die Begeisterung für Bücher und die Welt der Literatur zu wecken – ein schöner Anlass, um sich an die große Bedeutung von Literatur zu erinnern.
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