In der Justizvollzugsanstalt (JVA) Kleve wird ein spannendes Projekt umgesetzt, das nicht nur den Häftlingen eine willkommene Abwechslung bietet, sondern auch wichtige soziale Fähigkeiten fördert. Maxim, ein 32-jähriger Insasse, der seit 2024 in der JVA Kleve sitzt und noch zwei Jahre Haft vor sich hat, kümmert sich gemeinsam mit anderen Gefangenen um zehn Wachteln. Diese tiergestützte Therapie ist eine neuartige Maßnahme, die darauf abzielt, Mitgefühl und Verantwortung zu vermitteln. Maxim beschreibt die Arbeit mit den Tieren als entspannend und förderlich für seine innere Ruhe. Um 7 Uhr morgens beginnt sein Tag mit der Pflege der Wachteln. Der Umgang mit den Tieren ist für ihn eine willkommene Abwechslung zum grauen Alltag in der Zelle.

Die JVA Kleve verfolgt mit diesem Projekt insbesondere das Ziel, straffällige Personen, vor allem solche mit Aggressionsproblemen, auf ein straffreies Leben nach der Entlassung vorzubereiten. Justizvollzugsbeamter Marius Int-Veen begleitet Maxim bei der Wachtelpflege und sieht in der tiergestützten Therapie einen wichtigen Bestandteil eines umfassenden Behandlungsangebots. Neben der Tierpflege werden den Gefangenen auch Sport, Kunsttherapie und soziale Trainings zur gewaltfreien Konfliktbewältigung angeboten. Dies zeigt, wie ernst die JVA die psychiatrische Versorgung der Inhaftierten nimmt, von denen über 50 in psychiatrischer Behandlung sind und Dauermedikation benötigen.

Wachteln als Therapiepartner

Das Konzept sieht vor, dass die Insassen nicht nur Verantwortung übernehmen, sondern auch emotionale Bindungen aufbauen. Jörg Neyenhuys, Pressesprecher der JVA, hebt hervor, dass wissenschaftliche Studien den verantwortlichen Umgang mit Tieren als förderlich für die Resozialisierung betrachten. Wachteln wurden bewusst ausgewählt, da sie artgerecht in einer JVA gehalten werden können und die Belastung für andere Gefangene in erträglichen Grenzen bleibt. Zudem sind Wachteleier eine Delikatesse, die vermarktet werden kann, was dem Projekt zusätzlichen Wert verleiht.

Die Wachtel, ein kleiner Vogel, der in Europa verbreitet ist, brütet in offenen Feld- und Wiesenflächen. Über die Jahre sind die Bestände in Mitteleuropa zurückgegangen, vor allem durch Lebensraumzerstörung und Jagd. Interessanterweise sind Wachteln in Deutschland ganzjährig von der Jagd geschont. Mit einem Gewicht von nur 10 bis 12 Gramm sind ihre Eier kleiner als Hühnereier und haben einen intensiveren Geschmack – in der gehobenen Küche sehr gefragt. Es ist bemerkenswert, wie solche kleinen Kreaturen nicht nur den Alltag der Insassen auflockern, sondern auch tiefere emotionale und soziale Einsamkeit im Gefängnis bekämpfen können.

Ein Fenster zur Welt

Die tiergestützte Therapie im Freiheitsentzug spielt eine zentrale Rolle bei der Resozialisierung von psychisch kranken Straftätern. Theres Germann-Tillmann und Bernadette Roos Steiger haben in einem Handbuch die Wirksamkeit solcher Projekte dokumentiert und betonen, dass es nicht um „Kuscheljustiz“ geht. Vielmehr ermögliche der Umgang mit Tieren den Inhaftierten, im Moment zu leben und ihre Vergangenheit für einen Augenblick zu vergessen. Diese Therapieform bietet eine einzigartige Möglichkeit, emotionale Bindungen zu entwickeln und das Gefühl der Einsamkeit zu verringern.

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In Kleve zeigt sich, wie wichtig es ist, den Menschen hinter den Taten nicht zu vergessen und ihnen Wege aufzuzeigen, sich selbst zu finden und zu verändern. Maxim und seine Mitgefangenen haben die Chance, durch die Wachtelpflege etwas Bedeutendes in ihrem Leben zu erfahren – und vielleicht gelingt es dem einen oder anderen, nach der Entlassung ein straffreies Leben zu führen. Die JVA Kleve ist ein kleiner, aber wichtiger Schritt in Richtung einer menschlicheren Strafjustiz, die auf Rehabilitation setzt und nicht nur auf Strafe.

Für weitere Informationen über das Projekt in der JVA Kleve können Sie die vollständigen Berichte auf WDR und Kleveblog nachlesen. Auch in der Fachliteratur finden sich spannende Ansätze zur tiergestützten Therapie, wie das Handbuch von Germann-Tillmann und Roos Steiger, das unter Psychologie Aktuell aufgeführt ist.