Heute ist der 12.07.2026, und in Köln brodelt es. Die Stadt ist Schauplatz eines leidenschaftlichen Protests gegen das geplante Aus des interkulturellen und mehrsprachigen Radioprogramms Cosmo. Am Freitagabend versammelten sich nach Angaben der Veranstalter rund 3.000 Menschen, während die Polizei die Zahl auf etwa 600 bezifferte. Das zeigt, wie sehr die Kölner Bevölkerung hinter diesem Programm steht. Vertreter von CDU, Grünen, SPD und Linken zeigen sich solidarisch und betonen die kulturelle Bedeutung von Cosmo. Die Vizepräsidentin des nordrhein-westfälischen Landtags, Aymaz von den Grünen, hebt hervor, dass der Sender die Vielfalt der Gesellschaft abbildet und somit unverzichtbar ist.

Ein weiterer Unterstützer, der Generalsekretär der Alevitischen Gemeinde Deutschland, Çakir, bringt es auf den Punkt: Die zahlenden Rundfunkbeitragszahler dürfen im Programm nicht unsichtbar werden. Das ist eine klare Ansage! Im Juni forderten zudem 500 Organisationen in einem offenen Brief an alle Intendanten der ARD eine Perspektive für das Angebot. Auch der Deutsche Musikrat schließt sich dem an und betont, dass migrantische Stimmen und Perspektiven ein Anrecht auf Präsenz im öffentlich-rechtlichen Rundfunk haben. Die Situation ist angespannt, denn Cosmo soll im April 2027 durch ein neues Programm ersetzt werden, das sich auf Hip-Hop für Menschen unter 30 konzentriert.

Das geplante neue Programm

Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) hat seine Pläne bereits konkretisiert: Cosmo soll in ein Programm für junge, urbane Hip-Hop-Fans umgewandelt werden. Doch damit gibt es rechtliche Bedenken. Ein Gutachten kommt zu dem Schluss, dass dieser Umbau möglicherweise gegen das WDR-Gesetz verstößt. Die nordrhein-westfälische Staatskanzlei wird die rechtliche Einschätzung prüfen. Der WDR selbst weist das zurück und beruft sich auf seine Programmfreiheit. Dabei verlangt das WDR-Gesetz, dass der Sender ein Hörfunkprogramm veranstaltet, das sich vor allem mit dem interkulturellen Zusammenleben beschäftigt. Medienrechtler Hubertus Gersdorf äußert sich skeptisch: Der geplante Nachfolger 1Live Street könnte den gesetzlichen Auftrag verfehlen.

Die Staatskanzlei betont, dass der WDR den gesetzlichen Auftrag auch bei einer Neuausrichtung erfüllen muss. Gleichzeitig verweist sie auf die Programmautonomie des Senders. Interessanterweise richtet sich die Neuausrichtung von 1Live und Cosmo gezielt an jüngere Menschen, da über 40 Prozent der unter 30-Jährigen in Nordrhein-Westfalen eine internationale Biografie haben. Doch Kritiker sind sich einig: Der Verweis auf eine Zielgruppe ist kein adäquater Ersatz für das gesetzlich vorgeschriebene interkulturelle Radioprogramm. Das Bündnis #saveCOSMOradio hat eine Petition gestartet, die mittlerweile über 100.000 Unterschriften gesammelt hat. Unterstützt wird die Initiative von Prominenten wie Herbert Grönemeyer, Peter Fox und vielen anderen.

Kritik und Unterstützung

Die Kritik an den WDR-Plänen kommt nicht nur aus der Zivilgesellschaft, sondern auch aus der Politik. Viele Stimmen betonen die Bedeutung von Cosmo für verschiedene migrantische Communitys, die durch das neue Programm verloren gehen könnten. Der WDR argumentiert jedoch, dass kulturelle Vielfalt als Querschnittsauftrag im Gesamtprogramm verankert werden soll – und nicht auf ein einzelnes Radioprogramm beschränkt werden kann. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich diese Debatte entwickeln wird. Denn die Stimmen der Demonstrierenden sind laut und klar: Cosmo muss bleiben!

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