Heute ist der 29.05.2026 und in Mülheim an der Ruhr brodelt es. Klima-Aktivisten haben sich vor dem Werk des Panzerbauers KNDS versammelt und blockieren seit dem frühen Freitagmorgen den Zugang zur früheren Friedrich-Wilhelms-Hütte. Eine eindringliche Botschaft: 200 Menschen sind an diesem Protest beteiligt, und die Stimmung ist angespannt. Der Schichtwechsel, ein tägliches Ritual, wird gestört. Während die Nachtschicht kurz vor fünf Uhr herausgelassen wird, können die Frühschichtmitarbeiter nicht mehr hineingelassen werden. Die Polizei hat die Lage im Griff, spricht von einer unangemeldeten Versammlung, die zunächst mit 40 und später mit rund 120 Teilnehmenden an die Öffentlichkeit trat.
Die Aktivisten fordern einen radikalen Kurswechsel in der Stahlproduktion. Statt Panzer sollen Windräder und Eisenbahn-Schienen aus dem Stahl gefertigt werden. Ihre Botschaft ist klar und wird durch Banner wie „Another World is possible“ untermalt. Einige der Protestierenden sind aus dem Klimacamp in Hamm angereist, wo gegen neue Gaskraftwerke mobilisiert wird. Genau an diesem Ort, wo der Druck auf die Regierung steigt, wird ein starkes Zeichen gesetzt. Gespräche zwischen den Polizei- und den Demonstranten werden um 10.45 Uhr geführt, doch die Blockade bleibt vorerst bestehen, während eine Fahrspur vor dem Werk gesperrt ist. Der Verkehr fließt jedoch ohne große Störungen.
Ein Protest der Vielfalt
Die Blockade hört hier nicht auf. Ein Teil der Gruppe zieht weiter zum Europipe-Werk, wo Rohre für Pipelines produziert werden. Hier sind es zunächst etwa 100 Teilnehmende, die Schienen blockieren, jedoch nicht die Personengleise. Es ist ein Bild des Widerstands, das an die aktuellen Diskussionen um Klimaschutz und Energiepolitik erinnert. Diese Proteste sind Teil eines größeren Trends in Deutschland, wo die Bewegung Fridays for Future, wie berichtet, bundesweit Demos gegen die Klimapolitik der Bundesregierung organisiert. Die Kritik an der Energiepolitik von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche wächst. Es ist ein verzweifelter Versuch, die Aufmerksamkeit auf die drohenden Rücknahmen von Ausbauzielen für erneuerbare Energien zu lenken.
In Berlin, wo der Druck ebenfalls steigt, stehen Demonstranten vor den Parteizentralen von CDU und SPD. Der Katholikentag in Würzburg wird von einem Auftritt des CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz überschattet, der wiederum von Klimaaktivisten gestört wird. „Ich muss meine Kommunikation verbessern“, gibt er zu. Inmitten dieser politischen Wirren scheint die Klimabewegung anhaltend aktiv. Zehn Klimaaktivisten blockierten sogar den Hamburger Flughafen zu Beginn der Sommerferien 2023. Das zeigt, wie ernst es ihnen ist und wie weit sie bereit sind zu gehen, um gehört zu werden.
Ein Blick in die Zukunft
Die aktuelle Situation ist für die Aktivisten eine Herausforderung, aber auch eine Chance. Fridays for Future könnte mit dem Motto #ExitGasEnterFuture erneut Aufwind bekommen. Die Bundesregierung plant, neue Gaskraftwerke zu bauen und Gasvorkommen vor Borkum zu erschließen. Da ist der Widerstand, der sich formiert, nicht nur in Mülheim, sondern in über 70 Städten bundesweit. Der Klimagipfel, der bald ansteht, könnte der Bewegung neuen Schwung verleihen. Die Teilnehmerzahlen schwanken – während 1,4 Millionen Menschen 2019 auf die Straße gingen, waren es im September 2024 nur noch 75.000. Krisen wie der Ukrainekrieg und die Pandemie haben ihren Tribut gefordert. Doch trotz dieser Rückschläge bleibt der Zusammenhalt in der internationalen Klimabewegung stark.
Das Augenmerk der Aktivisten liegt nicht nur auf der Klimapolitik. Sie positionieren sich auch zu anderen Themen, gegen Rechts und für Demokratie. Greta Thunberg, die kürzlich im Klimacamp in Hamm war, hat die Wogen hochgeschlagen. Es bleibt abzuwarten, ob ihre Präsenz auch bei den aktuellen Protesten einen Einfluss hat. Die Blockade in Mülheim ist mehr als nur ein Zeichen des Widerstands – sie ist ein Teil eines viel größeren Puzzles, das die Gesellschaft in Deutschland und darüber hinaus beschäftigt.
